Medien
: „Diese Investitionen bringen uns weiterhin Wachstum“

Mit dem Zusammenschluss von NPG, Zeitungsgruppe Stuttgart und Schwarzwälder Bote entsteht die bundesweit drittgrößte Regional-Zeitungsgruppe.
Von
swp
Ulm
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Florian Ebner

Florian Ebner: Eine Demokratie braucht gründlichen, kritischen Journalismus.

Lars Schwerdtfeger
  • NPG übernimmt Zeitungsgruppe Stuttgart und Schwarzwälder Bote – drittgrößte Regional-Zeitungsgruppe.
  • Ziel: Mehr Investitionen in Digitalisierung und hochwertigen, kritischen Journalismus.
  • Starke Marken wie SÜDWEST PRESSE und Stuttgarter Zeitung bleiben erhalten.
  • Kaufpreis im dreistelligen Millionenbereich – Wachstum trotz schrumpfender Märkte angestrebt.
  • Familienunternehmen Ebner seit dem 19. Jahrhundert aktiv – Fokus auf Anpassung an Marktbedingungen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Florian Ebner ist geschäftsführender Gesellschafter der Verlagsgruppe Ebner Ulm sowie einer von zwei Beiratsvorsitzenden der Neuen Pressegesellschaft (NPG), dem Verlag der SÜDWEST PRESSE. Im Interview äußert er sich zum Zusammenschluss der NPG mit der Zeitungsgruppe Stuttgart und dem „Schwarzwälder Bote“.

Herr Ebner, die Neue Pressegesellschaft (NPG), hinter der die Verlagsgruppe Ebner Ulm und die ZVD Mediengesellschaft aus Göppingen stehen, hat soeben die Übernahme der Zeitungsgruppe Stuttgart mit der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten sowie dem Schwarzwälder Boten vollzogen und ist damit die drittgrößte deutsche Regional-Zeitungsgruppe der deutschen Medienszene geworden. Was verbirgt sich hinter der Transaktion?
Florian Ebner: Eine Demokratie braucht einen gründlichen, kritischen und ehrlichen Journalismus. Seriöser Journalismus wird immer wichtiger in Zeiten von Social Media und nahezu perfekt gemachten Fake News. Das Prüfen von Nachrichten wird immer komplizierter und teurer. Guter Journalismus muss aber auch bezahlbar bleiben. Deshalb brauchen wir größere Einheiten, um diesen Ansprüchen zu genügen. Da macht eine Zusammenarbeit großer Häuser natürlich Sinn. Trotzdem wollen und werden wir jetzt keinen journalistischen Einheitsbrei produzieren, sondern weiterhin eine differenzierte Meinungsbildung anbieten.

Das bedeutet…?
Wir freuen uns sehr, dass es gelungen ist, den zweiten großen Zeitungsverlag in Baden-Württemberg zu übernehmen und jetzt zu integrieren. Grundlage dafür war und ist, dass unsere Leitung der NPG in Ulm, die Geschäftsführer Andreas Simmet und Matthias Bikowski, mit ihren Teams seit Jahren hervorragende Arbeit leisten. Natürlich werden die starken Marken SÜDWEST PRESSE, Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten und Schwarzwälder Bote erhalten bleiben. Insgesamt wird uns die Übernahme die Möglichkeit geben, noch mehr Geld in die Transformation des Geschäftes zu stecken und, basierend auf unseren exzellenten Inhalten, unsere digitalen Angebote weiterzuentwickeln. Wovon alle unsere Partner in Baden-Württemberg profitieren können. Und unsere Papier-Abonnenten werden wir weiterhin zeitlich und inhaltlich bestmöglich beliefern.

Man spricht von einem dreistelligen Millionenbetrag als Kaufpreis – für ein mittelständisches Unternehmen, gerade in der heutigen Zeit, kein kleiner Betrag.
Wir bringen damit eine enorme Substanz in unser Geschäftsmodell. Es ist, neben unserem neuen Verlagsgebäude in der Olgastraße, das ab Anfang 2026 rund 500 moderne Arbeitsplätze bieten wird, aber auch eine große Investition in unserer Doppelstadt. Wir sind überzeugt, dass diese Investitionen sowohl für den Standort Vitalität bedeuten als auch uns – in eigentlich schrumpfenden Märkten – weiterhin Wachstum bringen werden. Ohne Wachstum, das gilt für unsere gesamte Wirtschaft, würden wir in der Zukunft zu den Verlierern gehören.

Die Anfänge Ihrer Verlagsgruppe gehen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zurück…
Für uns als Familienunternehmen war es immer von großer Bedeutung, uns an die Gegebenheiten der Märkte anzupassen. Im Jahr 1870 haben wir mit dem „Ulmer Tagblatt“ die erste Tageszeitung in Ulm herausgebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als alles verloren war, ist es unserer Familie mit großen Mühen und unendlichem Fleiß gelungen, aus den Trümmern der Stadt Ulm heraus im Zeitungsgeschäft wieder Fuß zu fassen. Heute ist dies unser wichtigstes Standbein. Ende des 20. Jahrhunderts waren wir einer der größten deutschen Buchherstellungsbetriebe, wir haben uns im Jahr 2000 aber davon getrennt, weil wir im Wettbewerb mit großen Konzernbetrieben einfach unterlegen waren. Der Betrieb ging an CPI über, den europäischen Marktführer, der daraus dann Ebner & Spiegel geformt hat.

Über zwei Jahrzehnte später ließ diese CPI die Firma Ebner & Spiegel vor einigen Wochen in die Insolvenz gehen…
Wirtschaftlich betrifft die Insolvenz von Ebner & Spiegel unsere Familie nicht mehr, aber vor allem für die betroffenen Mitarbeiter und ihre Angehörigen ist es natürlich schrecklich.

Zur Person: Florian Ebner

Der 67-jährige Florian Ebner ist ein Ur-Ulmer, besuchte das Kepler-Gymnasium, studierte Betriebswirtschaft in Augsburg und stieg 1985 in das Familienunternehmen Ebner ein. Seit 1991 ist der Diplom-Ökonom Geschäftsführer in den operativen Gesellschaften der Ebner Gruppe sowie der Holding. Daneben schlägt das Herz des Medienmachers für den Sport. Unter anderem führte er als Vereinsvorsitzender die Tischtennisspieler des TTC Neu-Ulm zum Deutschen Pokalsieg.