Markus Lanz in Ulm
: TV-Moderator spricht übers Scheitern – „Zur Not bin ich übermorgen Skilehrer“

Normalerweise stellt Markus Lanz die Fragen, im Ulmer CCU wurde er am Donnerstag selbst interviewt. Im Gespräch mit SWP-Chefredakteur Ulrich Becker ging es um zahlreiche gesellschaftliche Themen.
Von
Henri Gallbronner
Ulm
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CCU: Gesellschaftsforum 2026 der Sparkasse Ulm mit Markus Lanz (und Ulrich Becker)

Fragen an einen, der sonst selbst die Fragen stellt: Markus Lanz mit SÜDWEST-PRESSE-Chefredakteur Ulrich Becker beim Gesellschaftsforum 2026 der Sparkasse Ulm im CCU.

Armin Buhl
  • Markus Lanz wurde im Ulmer CCU interviewt und sprach über Gesellschaft und Politik.
  • Er fordert, junge Menschen in Debatten über Reformen und Zukunft stärker mitzudenken.
  • Beispiel Meta-Prozess: Er verweist auf Regeln für Social Media und notwendige Schutzmaßnahmen.
  • Lanz beschreibt seine Interviewtechnik als hartnäckig, aber mit Rückzug, wenn das Gegenüber stockt.
  • Persönlich berichtete er über Heimat, Dialekt und über Rückschläge wie Kündigung und „Wetten, dass...“.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Anekdoten aus fast 3000 Talkshow-Sendungen, aber vor allem Gedanken zu zahlreichen gesellschaftlichen und politischen Themen bekamen die rund 1300 geladenen Gäste des Gesellschaftsforums der Sparkasse Ulm im CCU zu hören. Interviewt wurde dort einer, der sonst selbst die Fragen stellt: Markus Lanz, Moderator der wohl hochkarätigsten TV-Talkshow des Landes.

Doch dieses Mal war es an Ulrich Becker, Chefredakteur der SÜDWEST PRESSE, Lanz durch das Gespräch zu führen. Dabei berichtete Lanz von zahlreichen Erlebnissen als Moderator und Reporter, sprach aber auch über persönliche Dinge wie Heimat und Familie.

Besonders wichtig war Lanz aber ein Punkt: Gleich mehrfach appellierte er daran, in den aktuellen Diskussionen über den Zustand der Gesellschaft, nötige Reformen und die Zukunft des Landes die junge Generation mehr mitzunehmen und mitzudenken. So berichtete er aus der Sendung, die am Donnerstag, also kurz nach dem Gesellschaftsforum, ausgestrahlt wurde und bereits am Mittwoch aufgezeichnet worden war.

Beispiel Meta-Prozess: „Wir können die Regeln machen“

Dort hatte Lanz unter anderem René Pfister zu Gast, Frankreich-Korrespondent des „Spiegel“, der über die Schüler- und Studierendenproteste dort berichtete. „Er sagte, die studieren in so eine Perspektivlosigkeit hinein“, sagte Lanz. Junge Menschen wüssten heutzutage nicht, ob es die Jobs, für die sie ausgebildet werden, künftig noch gebe, meinte er mit Blick auf die Veränderungen durch Künstliche Intelligenz. Ulrich Becker befand: „Das wäre ja fast ein unlösbarer Konflikt.“

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Lanz antwortete: „Die Politik redet über die Rente. Die Politik redet für Menschen, die über 60 sind.“ Dabei gebe es durchaus Möglichkeiten, das Leben junger Menschen positiv zu beeinflussen, wie er am Beispiel Social Media erklärte. Dabei sprach Lanz einen Prozess an, den jüngst einige US-Bundesstaaten gegen Social-Media-Gigant Meta führten. Der Vorwurf: Meta nehme bewusst Schäden an der psychischen Gesundheit Jugendlicher in Kauf, seine Algorithmen seien etwa darauf ausgelegt, süchtig zu machen.

Das Verfahren endete mit einem milliardenschweren Vergleich. Zudem muss der Konzern Änderungen an seinen Plattformen vornehmen, etwa Zeitlimits für Jugendliche einführen. Lanz' Fazit: „Wir können die Regeln machen.“

Becker sprach Lanz auch auf seine Interview-Technik an. Als Journalist habe man oft den Reflex, nachzugeben, wenn ein Gesprächspartner in der Ecke stehe. Bei Lanz sei das nicht so. Der meinte: „Man braucht so eine gewisse Straßenköterigkeit. Die hab ich in meiner Militärzeit in Neapel gelernt.“ Lanz stammt aus dem Pustertal in Südtirol. Allerdings ziehe er auch oft zurück, wenn er merke, dass sein Gegenüber nicht mehr könne.

Markus Lanz als Guide im „rhetorischen Unterholz“

Lanz sagte, sein Ziel sei es, eine andere Talkshow zu machen, nicht geprägt von klassischen Politiker-Floskeln. Da hake er im Zweifel auch öfter nach. „Wenn sich Politiker im rhetorischen Unterholz verirren, dann versuche ich, sie wieder herauszuführen“, sagte er: „Eigentlich ist das Lebenshilfe.“

Auch auf Lanz' Südtiroler Heimat kam das Gespräch. Lange Jahre lebt er nun schon in Hamburg, seinen Dialekt hat er zumindest in der deutschen Medienöffentlichkeit komplett abgelegt, wie Becker feststellte. Lanz meinte, ihm sei sein Dialekt nach wie vor wichtig. „Wir sollten stolz sein auf Dialekte.“ Es gebe Dinge, die könne man nur im Dialekt auf eine bestimmte Weise ausdrücken.

Auch zu seiner Heimat spüre er nach wie vor eine große Verbundenheit. „Ich bin ja mittlerweile länger weg, als ich dort war“, sagte er. Gleichzeitig habe es ihm in seinem Leben Sicherheit gegeben, zu wissen: „Zur Not gibt's immer noch diesen Zug Richtung Brenner und dann bin ich übermorgen Skilehrer.“

Denn Lanz kennt durchaus auch das Scheitern: Bei Radio Hamburg wurde er einst gekündigt, nachdem er an einem Protestsong gegen den damaligen französischen Präsidenten Jacques Chirac mitgewirkt und diesen über den Äther gejagt hatte. Auch als Nachfolger von Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass...“ hielt er sich nicht lange.

Lanz meinte, daran habe auch der Springer-Verlag seinen Anteil gehabt. Der wolle immer früheren Zugang zu Themen, auch Zugang zum Privatleben. „Ich war nicht bereit, diesen Preis zu bezahlen.“ Becker, einst selbst stellvertretender „Bild“-Chefredakteur, zu Lanz' „Wetten, dass...“-Zeiten allerdings bereits in Ulm, meinte: „Mit Abstand kann ich sagen: Das ehrt Dich.“

Das ist Markus Lanz

Markus Lanz wurde 1969 in Bruneck geboren und wuchs in Geiselsberg auf, einem Ortsteil von Olang im Pustertal. Nach seiner Entlassung bei Radio Hamburg wurde er zunächst Moderator bei RTL. Die nach ihm benannte Talkshow läuft seit 2008 im ZDF. Seit 2021 betreibt er gemeinsam mit Richard David Precht den Podcast „Lanz & Precht“.