Rot und Weiß sind die Farben der italienischen Provinz Südtirol – eine der liebsten Urlaubsregionen der Deutschen. Auf dem Ulmer Wochenmarkt ist deshalb nicht schwer zu erraten, wo die Spezialitäten am Stand von Hubert Hienle herkommen: Er ist mit rot-weißen Flaggen geschmückt. Der 66-Jährige hat sich vor zwei Jahren seinen Traum vom Verkaufswagen erfüllt. Zuvor war er zehn Jahre Leiter der Kochschule „Tavola“ bei Abt am Münsterplatz. Der gebürtige Allgäuer ist gelernter Bäcker, viele Jahre war er für Küchenmaschinenhersteller mit Schaukochkursen im süddeutschen Raum unterwegs.

Schüttelbrot und Schinken

Noch während er von seiner bisherigen Tätigkeit erzählt, kommt ein Kunde an den Stand und fragt nach Schüttelbrot. „Natürlich habe ich welches da“, sagt Hienle. „Das wäre ja noch schöner, ein Stand mit Produkten aus Südtirol und kein Schüttelbrot!“ Die nächste Kundin fragt nach Schinken, andere suchen einen nicht zu kräftigen Wein. Hienle hat für jeden eine Empfehlung – seine Produkte sind handverlesen. „Ich habe keine Fabrikware, nur kleine Produzenten, die ich auch alle persönlich kenne. Die Nudeln zum Beispiel kommen von einem Bauernhof, auf dem die Hühner noch frei rumlaufen und scharren können.“
Alle paar Wochen fährt Hienle nach Südtirol, holt Waren wie Wildsalami, Essig aus Molke und würzigen Bergkäse. Und er hält stets Ausschau nach neuen Delikatessen. Dabei ist er seit Anfang des Jahres eigentlich Rentner. Aber Ruhestand, das ist nichts für ihn: „Nur daheim rumsitzen, das kann ich nicht. Seit über 25 Jahren fahren meine Frau und ich nach Südtirol in den Urlaub, manchmal bis zu drei Mal. Ich liebe einfach Land und Leute, habe bereits zu Zeiten der Kochschule Kontakte geknüpft und ein Verkaufswagen war schon immer mein Traum.“
[frizz]