Machtwechsel in Syrien
: Bamf stoppt Entscheidungen über Asylanträge von Syrern

Noch ist unklar, ob Syrien für seine Bürger nach dem Umsturz in Damaskus sicherer wird oder ob vielleicht das Gegenteil eintritt - so wie damals in Libyen. Beim Bamf wartet man daher jetzt ab.
Von
dpa
Nürnberg
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Asylantrag: ARCHIV - 08.06.2023, Niedersachsen, Hannover: ILLUSTRATION - Ein schriftlicher Asylerstantrag des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) liegt auf einem Tisch (gestellte Szene). (zu dpa: «Schnellere Asylverfahren und mehr Personal») Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hat Entscheidungen über Asylanträge von Syrern vorerst ausgesetzt.

Julian Stratenschulte/dpa
  • Bamf setzt Entscheidungen über Asylanträge von Syrern aufgrund unsicherer Lage aus.
  • Mehr als 47.000 Asylanträge von Syrern sind anhängig, davon 46.081 Erstanträge.
  • Regelung betrifft nicht Dublin-Verfahren, bei denen andere EU-Länder zuständig sind.
  • Rebellen um Haiat Tahrir al-Scham übernahmen Kontrolle in Damaskus, Präsident Assad floh nach Russland.
  • Tausende Syrer feierten in Deutschland den Umsturz.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) stoppt wegen der unklaren Lage in Syrien vorerst alle Entscheidungen über Asylanträge aus dem arabischen Land. Das sagte ein Behördensprecher auf Anfrage. Zuvor hatte der „Spiegel“ berichtet. Die Regelung gelte nicht für sogenannte Dublin-Verfahren, bei denen ein anderes EU-Land für das Asylverfahren zuständig ist, sagte der Behördensprecher, sondern für alle Anträge, für die die Situation in Syrien ausschlaggebend sei.

Derzeit seien mehr als 47.000 Asylanträge von Syrern anhängig, davon 46.081 Erstanträge. Syrien zählt seit Jahren zu den Hauptherkunftsländern von Asylbewerbern in Deutschland.

„Das Bamf schaut sich sehr genau an, wie der Einzelfall gelagert ist, dazu gehört auch eine Bewertung der Lage vor Ort im Herkunftsland“, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums vor Journalisten in Berlin. Das Bundesamt habe die Möglichkeit, Asylentscheidungen zurückzustellen bei einer unklaren Lage. Und dass die Lage derzeit in Syrien unklar ist, sei ja offensichtlich. Praktisch bedeutete das, die Anträge von Syrerinnen und Syrern „werden im Stapel nach unten sortiert und andere Asylentscheidungen vorgezogen“.

Rebellen unter der Führung der islamistischen Gruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) hatten in der Nacht zum Sonntag die Kontrolle über die syrische Hauptstadt Damaskus übernommen und damit das Ende der mehr als zwei Jahrzehnte andauernden Herrschaft der Familie von Präsident Baschar al-Assad eingeläutet. Der entmachtete Präsident floh mit seiner Familie nach Russland. Tausende Syrer feierten auf deutschen Straßen den Umsturz in der alten Heimat.