Leihgabe aus Museum Ulm
: Die „Schöne Ulmerin“ ist im Frankfurter Städel zu Gast

Eine Schönheit unter Sünderinnen: Die von Michel Erhart geschaffene Figur ist Teil der hochkarätig bestückten Ausstellung „Maria Magdalena. Sin.Pray.Love“.
Von
Marcus Golling
Frankfurt am Main/Ulm
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Der bisherige Standort im Museum: Die "Schöne Ulmerin" war Teil der Spätgotik-Ausstellung im Kiechelhaus.

Die „Schöne Ulmerin“ war bis zur Schließung des Museums Ulm Teil der Spätgotik-Ausstellung im Kiechelhaus.

Henry M. Linder
  • Die „Schöne Ulmerin“ ist Leihgabe im Städel: Ausstellung „Maria Magdalena. Sin.Pray.Love“.
  • Die Figur von Michel Erhart um 1475 zeigt Maria Magdalena mit goldener, tiefen Dekolleté-Kleidung.
  • Sie gilt als hochkarätiges Büsten-Reliquiar und steht neben Werken aus New York und London.
  • Museum Ulm stimmte zu, da es bis 2029 geschlossen ist – Expertise im Städel und Co-Kurator mit Ulm-Bezug.
  • Kurios: 1916 kam die Büste als „Leuchterweibchen“ ins Museum, 1934 entfernte man Hirschgeweih und Halter.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Verglichen mit anderen Darstellungen in der aktuellen Sonderausstellung im Frankfurter Städel Museum ist die „Schöne Ulmerin“ doch sehr züchtig. Schönheit heißt in der Kunst nicht automatisch Nacktheit, aber bei Bildern und Skulpturen der heiligen Maria Magdalena fallen schnell die Hüllen. Die angebliche Sünderin aus dem Neuen Testament diente manchen Künstlern als gute Ausrede für Barbusig- und Freizügigkeit.

In „Maria Magdalena. Sin.Pray.Love“ (bis 17. Januar 2027) gibt es einige dieser Darstellungen aus verschiedenen Jahrhunderten, wenn auch nicht gerade in der Abteilung „Magdalenas Ende und ihre Reliquien“. In dieser wird die Ulmer Leihgabe gezeigt, unter anderem neben Gemälden aus dem Metropolitan Museum in New York und der National Gallery in London. Davor war sie einige Monate in der Skulpturensammlung des benachbarten Liebieghauses zu sehen.

Der Co-Kurator hat eine Ulm-Historie

Das Museum Ulm hatte nur ausnahmsweise einem Gastspiel des bedeutenden Exponats zugestimmt: weil es selbst ohnehin noch bis 2029 geschlossen ist, weil das Städel über die nötige Expertise im Umgang mit spätgotischer Skulptur verfügt und sicher auch, weil Stefan Roller, der Co-Kurator der Ausstellung, bis vor 20 Jahren selbst die alte Kunst im Ulmer Museum betreute.

Die um 1475 von Michel Erhart geschaffene „Schöne Ulmerin“ kennt er also bestens. Sie sei „eines der schönsten geschnitzten Beispiele aus dem süddeutschen Raum“ für ein Büsten-Reliquiar von Maria Magdalena, schreibt Roller im Katalog. „Identifizieren lässt sie sich auch ohne Attribute zweifelsfrei an ihrem kostbaren, an Brust und Rücken tief dekolletierten, pelzverbrämten und gegürteten goldenen Brokatkleid und ihrer modischen Haube über den hochgesteckten Haaren.“

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Und natürlich erzählt er den Leserinnen und Lesern die kuriose Geschichte der Figur: Die kam 1916 als ein „Leuchterweibchen“ ins Museum und wurde erst 1934 von angeschraubten Hirschgeweih samt Kerzenhaltern befreit. Die „Schöne Ulmerin“ war einst in einem Wirtshaus zuhause – was natürlich sehr gut zur Legende von der sündigen Maria Magdalena passt.

In guter Gesellschaft: So steht die "Schöne Ulmerin" in der Städel-Ausstellung.

In guter Gesellschaft: So steht die Erhart-Büste in der Städel-Ausstellung.

Städel Museum/Norbert Miguletz