Lederhof in Ulm
: Sicherheitsdebatte um das Problem-Areal – so reagiert das Netz

Der jüngste Vandalismus-Vorfall rückt den Ulmer Lederhof erneut in den Fokus. Auch auf Social-Media-Plattformen wird diskutiert.
Von
Kerstin Auernhammer
Ulm
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Viele User fordern die Politik und die Ordnungsbehörden zum Handeln auf.

Ralf Zwiebler; Collage:BeFunky

Der Ulmer Lederhof ist eigentlich ein idyllisches Fleckchen in Ulm. Die Große Blau plätschert hier auf ihrem Weg Richtung Donau entlang. Das Areal liegt tiefer als die Friedrich-Ebert-Straße, weshalb der Verkehr zwar hörbar, aber nicht extrem laut ist. Auf der einen Seite steht das Xinedome, auf der anderen Seite das Parkhaus Deutschhaus. Unter dem mächtigen Betonklotz liegt ein kleiner Platz, Steinstufen führen zur Blau hinab. Eine häufig genutzte Brücke führt Fußgänger und Radfahrer Richtung City, flussabwärts säumen Bäume das Ufer. Im Sommer sitzen ein Stück weiter vor der Bar Blaupause und dem Eiscafé Dall’Asta Menschen, immer wieder strömen Kinogänger vom Parkhaus zum Kino.

Deals, Gewalt, Pöbeleien

Doch auch das ist der Lederhof: Offensichtlich betrunkene oder unter Drogen stehende Menschen halten sich hier auf. Manchmal stehen sie in kleinen Gruppen an der Brücke, sodass sich Passanten durchquetschen müssen. Und zuletzt fiel der Lederhof durch unschöne Schlagzeilen auf: Das Poser-Problem hat die Stadt zwar mittlerweile in den Griff bekommen, doch immer wieder kommt es zu Polizeieinsätzen: Eine Schlägerei zwischen Obdachlosen im Oktober, ein Raubüberfall kurz vor Weihnachten und kurz nach Weihnachten wüteten Vandalen am Lederhof. Sie warfen die roten Sitzelemente, die die Stadt dort aufgestellt hatte, ins Wasser. Selbst Sicherheitsleute berichten, dass die Situation dort immer schlimmer werde. Ein swp-Leser schrieb auf Facebook sogar scherzhaft, dass er den jüngsten Fall von Vandalismus vorhergesagt habe: „Nach meinem gestrigen Aufenthalt im Xinedome sagte ich zu meiner Begleitung ,Bin gespannt, wann die Dinger im Wasser landen‘. Zack, ist heute ein Bericht darüber zu lesen.“

Diskussion und Lösungsansätze auf Social Media

Auch im Internet wird über die Sicherheitslage am Lederhof diskutiert. Ein User kommentiert auf Facebook: „Eltern und Kinder besuchen das Parkhaus und das Kino. Toller Anblick für Kinder: besoffene Junkies, Drogenabhängige usw.“ Er findet, dass die Prioritäten der Ordnungsbehörden falsch gesetzt sind: „Hauptsache, die Polizei jagt Teenager mit E-Roller und Fahrradfahrer, die abends durch die Hirschstraße fahren!“ Diese Userin findet immerhin, dass das Poserproblem schnell gelöst wurde: „Bei den Posern ging es schnell; Rundfahrt nicht mehr möglich und Ruhe is ... seitdem fühlen sich aber immer noch mehr Leute und Hunde (sehr oft freilaufend) wohl. Sie breiten sich schön aufm und ums Brückchen aus. Beim Thema Alk und Drogen und somit auch den Pöbeleien hat sich überhaupt nichts geändert!“ Ein weiterer Leser entgegnet: „Wie auch? Das Thema wurde ja auch in keinster Weise ernsthaft von Seiten der Stadt angegangen! Da gehören Streetworker oder Sozialarbeiter mit ins Boot …Die etwas stärkere Polizeipräsenz und das kurze ,Verscheuchen‘ des Klientels ändert an der Situation leider gar nichts.“

Dabei ist genau das eine zentrale Forderung vieler Menschen auf Social Media: mehr Polizeipräsenz. Auch dieser User spricht sich dafür aus: „Der Lederhof ist jetzt nicht riesig. Den kann man engmaschiger überwachen und wenn man nur einen Streifenwagen, der sowieso in der Gegend ist, ab und an da vorbeischickt, um der ,Klientel‘ auf den Wecker zu gehen.“ Und ein anderer fordert: „Polizei sollte einfach mehr und härter durchgreifen dürfen!“

Forderungen an die Politik

Viele hoffen, dass die Stadt nun gegensteuert, so wie dieser User: „Wie hat der Czisch in seiner Wahlbroschüre geschrieben? ,Ulm ist sicher, egal was andere sagen‘. Punkt 53 des ,Wieso er nicht mehr OB ist‘. Man hört von allen Ecken, dass viele sich im Dunkeln nicht mehr in die Stadt trauen. Es gibt seit langem Ecken, die man als Einheimischer besser meidet. Vielleicht ist das Problem nicht riesig, aber es ist da.“ Ein weiterer User nimmt den neu gewählten Oberbürgermeister Martin Ansbacher in die Pflicht: „Hier kann sich der neue OB profilieren und mal mit der Polizei ein neues Sicherheitskonzept für die Stadt erarbeiten. Randale, Vandalismus und Drogenkonsum an den öffentlichen Plätzen ist an der Tagesordnung. Wegsehen und ignorieren war bisher nicht zielführend. Wir können gespannt sein.“ Und auch nicht nur am Lederhof: „Sedelhof, Donauwiesen, Stadtgarten, Friedrichsau – die Liste kann beliebig weitergeführt werden. Wegsehen und Ignorieren hilft auch hier nix!“