Landtagswahl in Ulm
: So wollen Parteien junge Wählerinnen und Wähler gewinnen

Erstmals dürfen 16-Jährige am 8. März bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg wählen. Wie werben Parteien um Erstwählerinnen und Erstwähler in Ulm und Umgebung?
Von
Salome Hanselmann
Ulm
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Bundestagswahl - Thüringen: 23.02.2025, Thüringen, Jena: Der Erstwähler Philipp B. gibt seine Stimme im Wahllokal im Adolf Reichwein Gymnasium ab. Am Sonntag findet die vorgezogene Wahl zum 21. Deutschen Bundestag statt. Foto: Michael Reichel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Interessiert sich die Politik auch für junge Menschen? (Symbolbild)

Michael Reichel/dpa
  • Am 8. März dürfen in Baden-Württemberg erstmals 16-Jährige wählen.
  • Parteien in Ulm werben mit Events: DJ-Auftritt, Kneipentouren, Lasertag.
  • Fokuskanäle: Instagram, TikTok; direkte Gespräche in Schulen, Vereinen, Clubs.
  • Herausforderungen: Vertrauensverlust, Wehrpflichtdebatte, Informationsflut, Bildungssystem.
  • AfD beantwortete Fragen nicht konkret, verweist auf Zuspruch an Infoständen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Von wegen Politikverdrossenheit: Laut der Shell Jugendstudie aus dem Jahr 2024 war damals das Interesse für Politik unter den 12- bis 25-Jährigen in Deutschland so hoch wie seit 2002 nicht mehr. Aber interessiert sich die Politik auch für junge Menschen? Im Rahmen der bevorstehenden Landtagswahl haben wir bei sechs Parteien in Ulm nachgefragt, wie sie Erstwählerinnen und Erstwähler für sich gewinnen wollen – und welche Herausforderungen sie dabei sehen. Während die Grünen, die Linke, SPD, CDU und FDP ausführlich auf die Fragen antworteten, hielt sich die AfD mit der Beantwortung eher zurück.

Welche konkreten Aktionen, Veranstaltungen oder Kampagnen führen Sie durch, um Erstwählerinnen und Erstwähler anzusprechen?

Die Linke plant, am 5. März am Schulstreik gegen Wehrpflicht teilzunehmen. Auch die CDU setzt auf „echte Begegnungen“ und möchte junge Menschen dort treffen, wo sie sind: in Schulen, Universitäten, Vereinen und Clubs.

Die Grünen organisierten am Faschingsdienstag eine Veranstaltung im Aegis Café, wo Ricarda Lang als DJ auflegte. Auch die SPD setzt auf Politgrößen. Für die junge Zielgruppe habe man Formate wie Kneipentouren mit Robin Mesarosch und „Pizza & Politik“ mit der Europaabgeordneten Vivien Costanzo geplant. Die FDP konzentriert sich auf niedrigschwellige Angebote, wie etwa Lasertag-Spielen.

Wie gehen Sie gezielt auf noch minderjährige Wählerinnen und Wähler ein, die erstmals wählen dürfen?

Besonders die Wehrpflichtdebatte betreffe Minderjährige, so die Linke. Deshalb auch die Teilnahme am Schulstreik: „Studien der letzten Jahre zeigen deutlich, dass die größten Sorgen der Jugend Inflation und Krieg sind.“ Die Grünen wollen junge Wähler vor allem über Soziale Medien wie Instagram und TikTok erreichen. Das gleiche Ziel verfolgt  die FDP, wobei sie auf unterhaltsame Inhalte setzt, um die Besonderheiten ihrer Partei hervorzuheben.

Die CDU möchte vor allem früh das Interesse von Erstwählern wecken sowie politische Bildung „ehrlich und auf Augenhöhe vermitteln“. Ähnlich sieht das die SPD: „Wir erklären Wahlverfahren, Zuständigkeiten von Landtag und Landespolitik sowie konkrete Auswirkungen politischer Entscheidungen auf Schule, Ausbildung, Wohnen oder Mobilität.“

Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie in der Ansprache und Mobilisierung von minderjährigen Erstwählerinnen und Erstwählern?

Herausfordernd findet die CDU vor allem den Vertrauensverlust junger Menschen gegenüber der Politik. Zu selten würde über sie anstatt mit ihnen geredet. Auch die Grünen sehen das so: „Vor allem die Drohung mit der Wehrpflicht hat nicht geholfen.“

Vertrauen schaffen wollen auch die Sozialdemokraten. Die Informationsflut auf Instagram sei eine Herausforderung. Auch die Linke möchte Vertrauen durch Repräsentanz aufbauen. Problematisch sei, dass das Bildungssystem Kinder und Jugendliche unterschiedlich kategorisiere. Junge Menschen fühlten sich dadurch in der Politik nicht gesehen.

Auch die FDP fokussiert das Thema Bildung. Minderjährige Erstwähler sehen in ihrem Alltag, in der Schule, in der Ausbildung oder im Studium, welche Probleme das Bildungssystem habe, teilt die FDP mit. „Viele sind frustriert und fühlen sich im Stich gelassen von der Politik.“

Arbeiten Sie mit Schulen, Jugendorganisationen oder anderen Institutionen zusammen, um Erstwähler zu informieren und zu motivieren?

Die Linke setzt vor allem auf eine enge Zusammenarbeit mit ihrer Jugendorganisation Linksjugend ['solid] Ulm/Neu-Ulm. Die FDP verweist auf die Arbeit der Jungen Liberalen. Sowohl die CDU als auch die Grünen bestätigen, im Austausch mit Schulen zu stehen, soweit es Neutralitätspflicht erlaube. Die SPD pflege den Austausch mit dem Ring Politischer Jugend, dem Frauenforum und Jugendverbänden.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre politischen Inhalte für junge Menschen verständlich und relevant vermittelt werden?

Die CDU betont, ihre politischen Inhalte anhand der Lebensrealität junger Menschen festzumachen. „Nicht abstrakt, nicht in komplizierten Fachbegriffen, sondern anhand konkreter Beispiele und Entscheidungen, die sie direkt betreffen.“ Die Grünen meinen: „Man soll die jungen Leute nicht für dumm halten!“ Wehrpflicht oder Inflation seien Themen, die junge Menschen besonders interessieren würden.

Gerade in den Sozialen Medien gestalten Jugendliche ihre Inhalte in ihrer eigenen Alltagssprache – und auch bei der Themenwahl vertraue die Linke darauf, dass sie ihre Probleme am besten selbst einschätzen können. Die SPD möchte Jungwähler über soziale Plattformen erreichen: „Dabei geht es nicht um Schlagworte, sondern um verständliche Sprache.“ Das sieht die FDP ähnlich. Mit einer klaren, direkten Sprache sollen eigene Inhalte positiv in den Vordergrund gestellt werden, ohne andere Parteien negativ zu bewerten.

Die Antwort der AfD

Die AfD ist inhaltlich nicht auf unsere Fragen eingegangen, sondern hat dieses Statement geschickt: „Wir freuen uns über den starken Zuspruch bei Jungwählern und Erstwählern, der uns vor allem bei unseren Infoständen begegnet. Bei keiner Bevölkerungsgruppe ist die Begeisterung und Freude, dass es die AfD gibt, so groß. Daraus ergeben sich viele angenehme und für beide Seiten mutmachende Gespräche. Was verständliche Informationen angeht, so legen wir darauf grundsätzlich großen Wert und werden das auch in Zukunft tun.“