Kunst und Literatur in Wiblingen: Pater aus Jerusalem kommt zu Performance in der Basilika

Eingerüstet: Die Basilika in Wiblingen ist aktuell eine Baustelle.
Marianne Hollenstein- Literarisch-künstlerische Performance in der Basilika Wiblingen am Dienstag, 10. November 2026.
- Texte von Jehuda Amichai treffen auf Werke von Marianne Hollenstein – live entsteht ein Schriftbild.
- Pater Basilius Schiel berichtet zur Lage im Nahen Osten und liest deutsche Übersetzungen.
- Hebräische Originale liest Emanuella Amichai, moderiert wird durch Oliver Schütz.
- Thema ist interreligiöser Austausch; die Installation ist bis 30. November 2026 zu sehen.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
In Israel und dem Westjordanland ist die Situation auch für die christliche Minderheit schwierig. „Und unter der jetzigen Regierung ist es nicht besser geworden“, sagt Pater Basilius Schiel von der deutschen Dormitio-Abtei am Rande der Jerusalemer Altstadt. Auch das Kloster wurde schon Opfer von Vandalismus, aber europäische Ausländer wie er seien noch in einer privilegierten Stellung, sagt der im Hunsrück geborene Basilius.
Antichristliche Gewalt erlebten etwa Menschen aus Ländern wie den Philippinen, „moderne Arbeitssklaven“, aber auch christliche Palästinenser. Das Dorf Taybeh bei Ramallah wurde wiederholt von jüdischen Siedlern angegriffen, zuletzt wurde es deswegen von der israelischen Armee abgeriegelt. Aber, Schiel betont das besonders, es existierten immer noch Menschen, die sich um den Dialog zwischen den Religionen bemühten. Auch im Nahen Osten gebe es nicht nur Schwarz und Weiß.
Im Kloster kennengelernt
Um von den Graustufen dazwischen zu berichten, reisen der Benediktinerpater und seine Mitbrüder auch immer wieder nach Deutschland. Basilius Schiel kommt auf seiner nächsten Reise in die Basilika Wiblingen. Dort nimmt er am Dienstag, 10. November 2026, 18 Uhr, an einer literarisch-künstlerischen Performance teil: Diese verbindet Texte des deutsch-israelischen Dichters Jehuda Amichai (1924-2000) mit Werken von Marianne Hollenstein. Die Ulmer Malerin hat den Pater im vergangenen Jahr in Jerusalem kennengelernt und ihn nach Ulm eingeladen. Bei einem Gedicht wird sie live an einem Schrift-Kunstwerk arbeiten.
Der Titel „Ver-Blendung“ ist vieldeutig, bezieht sich laut Hollenstein aber auch ganz konkret auf die Baustellensituation in der eingerüsteten Basilika. „Die Figuren sind verhüllt mit Tüchern, das hat mich sofort angesprochen.“ Basilius Schiel kennt das, er selbst hat in den vergangenen Jahren die Renovierung der 1910 eingeweihten Dormitio-Abteikirche begleitet. Er sei zwar nur ein „dummer Theologe“, sagt der Benediktiner, „aber ich mag es, Räume zu verändern, Räume zu gestalten“. Am Ende stehe aber die entscheidende Frage: „Was will ich mit dem Raum ermöglichen?“

Pater Basilius Schiel ist Prior in der Dormitio-Abtei in Jerusalem.
Dormitio-AbteiIm Fall der Wiblingen Basilika geht es um den interreligiösen Austausch: „In diesem Fall ist es ein jüdischer Autors, aber es könnte genauso gut eine Lesung mit palästinensisch-arabischen Texten sein“, sagt Hollenstein. Die Gedichte des in Würzburg geborenen und schon als Kind mit den Eltern ins heutige Israel ausgewanderten Amichai seien „wahnsinnig gut“ und erzählten auch viel über die heutige Situation in Jerusalem und im Nahen Osten.
Auf Hebräisch werden sie von Emanuella Amichai, der Tochter des Schriftstellers, vorgetragen, die deutschen Übersetzungen dann von dem Schauspieler Berhard Stengele und Basilius Schiel, der dann auch von Moderator Oliver Schütz (Katholische Erwachsenenbildung) interviewt wird.
Der Pater schätzt die Texte Amichais, der nur wenige Meter von der Dormitio-Abtei wohnte, sehr. Der Dichter sei ein Vertreter einer Generation, die sich stärker um Austausch bemüht, sich in die andere Seite hineinversetzt habe. Aber Schiel will die Hoffnung nicht aufgeben – und glaubt an die vereinende Kraft seiner Stadt, in der Juden, Muslime und Christen leben, nebeneinander und meistens auch zusammen. „Wenn es einen Ort gibt, von dem Frieden ausgehen kann, dann ist es Jerusalem.“
Die Installation kann bis 30. November 2026 zu den Öffnungszeiten der Basilika (täglich 9 bis 17 Uhr) besichtigt werden.


