Künstler-Portrait: Ein Moment, der überdauert
Über dem Atelier thront ein eisernes Geweih. „Ein bisschen so der Jagdhütten-Vibe“, der 25 Jahre alte Künstler – hauptberuflich Grafikdesigner – lacht. Vom Boden bis zur Decke stapeln sich Leinwände in unterschiedlichen Formaten. Grafische Formen wechseln sich in Farbkombinationen ab. Schwarz setzt er gezielt für den Kontrast ein. Ecosi zieht zielstrebig ein Werk aus dem Bodenstapel: „An den Formen ist wahrscheinlich mein grafischer Einfluss zu erkennen.“ Er setzt sich an den Schreibtisch. „Meine Kunst polarisiert. Ein Nischenprodukt, das nicht jedem gefällt, aber auch nicht gefallen muss.“ Mit seinem Vater fing alles an. Frank Meschkowski, Angestellter der Stadt Ulm. „Es war ihm wichtig, kreative Werte zu vermitteln“, sagt Massimo Ecosi, bürgerlich Max Meschkowski. Mit dem Vater hat er früher getöpfert und gezeichnet. Mit Kinderaugen beobachtete er den wachsenden Stapel der väterlichen Bilder, bestaunte den Anstieg seiner abstrakten Acryl- und Ölkunst. Massimo verliert in der Pubertät das Interesse an der Malerei, dann stirbt der Vater. Massimo ist 17 Jahre alt. Dadurch folgte seine erneute Motivation für das kreative Schaffen. „Ich fühle mich ihm durch die Kunst verbunden.“ „Ein großer Traum? Eine Ausstellung, gemeinsam mit seinen Werken. Er hatte großes Talent, jedoch nie die Motivation, seine Bilder an den Mann zu bringen, was ich ziemlich schade finde. So etwas sollte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.“
Wann ist Kunst Kunst?
„Ich plane meine Bilder meistens nicht, sie entstehen aus der Emotion heraus.“ Der junge Gestalter steht vom Schreibtisch auf und kramt ein weiteres Motiv hervor. „In einer Situation halte ich eine Emotion fest, verfestige sie in einem Bild. Und dieser Moment überdauert dann, während er bei jemand anderem an der Wand hängt. Ist das nicht etwas Besonderes?“ 2015 wagte Massimo den ersten Schritt und fragte bei Galerien an. „Ich wurde abgelehnt, da ich kein Kunststudium vorzuweisen hatte. Hat Kunst nicht viel mehr Charakter, wenn sie aus dem eigenen Inneren, aus dem Intrinsischen heraus, entsteht? Wenn sich ein Autodidakt seine Ausdrucksform selbst erarbeitet, anstatt den Vorgaben eines Vorbildes zu folgen?“
Wechsel zwischen den Dimensionen
„Manchmal habe ich eine Idee, die muss dann sofort zu Papier.“ Wichtig sei es, den Moment zu erkennen, zu verstehen wann ein Bild vollendet ist. „Fertig bin ich dann, wenn ich mein Kürzel daruntergesetzt habe.“ Hin und wieder packt ihn die Muse: „Dann muss ich aus der Zweidimensionalität raus.“ Massimo geht zum Fenster und verweist auf zwei Holzskulpturen. Treibholz. Die beiden verblichenen, garstigen Hölzer hat er auf Granitsockel gesetzt und mit schwarzen Quadraten arrangiert. Damit jeder die Möglichkeit hat, sein Schaffen unvoreingenommen zu betrachten, tragen seine Werke keine Namen. „Kunst wird erst im Auge des Betrachters perfekt.“ Jessy, 26, die Frau an seiner Seite, meint, einen Dinosaurierkopf in einer der Holzskulpturen zu erkennen. Sie lächelt. „Mein Künstler kommt eben immer wieder auf neue Ideen. Kürzlich hat er sich eine Tonfigur in Form eines Oscars entworfen.“ Am Zentrum für Gestaltung waren beide im gleichen Jahrgang und hatten gemeinsam auf Prüfungen gelernt. Wurden beste Freunde, dann ein Paar. Sie geht als freischaffende Fotografin „Jessy J. Photography“ gerade den Weg in die Selbstständigkeit. An mehreren Abenden haben die beiden auf zwei Leinwänden ein gemeinsames Bild entworfen. Wer hat welche Hälfte gemalt? „So gesehen sind wir beide Künstler“, erklärt er, „es geht einfach darum, Dinge zu sehen, die für andere in diesem Augenblick nicht erkennbar sind. Ob in der Fotografie, einem Bild oder in der Form eines angeschwemmten Treibholzes. Die Natur ist für mich der größte Künstler.“
Il Massimo, übersetzt: das Größte, steht symbolisch für das Wahrzeichen seiner Heimatstadt Ulm und ist die italienische Abwandlung seines Vornamens. Ein Ziel behält Massimo im Visier: Eine Ausstellung gemeinsam mit den Werken seines Vaters. Um zu zeigen, was er sich über die Jahre konsequent selbst erarbeitet hat und was er aus der Vergangenheit mitnehmen durfte. Anfragen über Instagram: massimoecosi.art


