Keine Spielzeit 2027
: „Es ist eine Katastrophe“ – Festspiele Burgrieden melden Insolvenz an

Wegen ausgefallener Vorstellungen ist die GmbH in eine finanzielle Schieflage geraten. Das Aus bestürzt nicht nur das Team hinter den überregional bekannten Festspielen, sondern auch viele Besucher.
Von
Julia Horn
Burgrieden
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Seit 2014 bringt das Team hinter den Festspielen Stoffe von Karl May auf die Bühne, darunter auch Winnetou.

Festspiele Burgrieden
  • Festspiele Burgrieden melden Insolvenz – 2027 findet keine Spielzeit statt.
  • Ausfälle wegen Gewitter führten zu Einnahmeverlusten, Versicherung zahlte nicht.
  • Geschäftsführerin Claudia Huitz spricht von „einzig rechtlich möglichem Weg“.
  • Rund 70 Mitarbeitende betroffen, viele Reaktionen mit Mitgefühl und Spendenideen.
  • Gutscheine und Buchungen: Infos folgen, sobald der Insolvenzverwalter feststeht.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Jahr für Jahr sind tausende Besucherinnen und Besucher nach Burgrieden geströmt, um sich dort die Festspiele auf einer der größten Freilichtbühnen Oberschwabens anzusehen. Seit 2014 werden Stücke nach Romanvorlagen von Karl May aufgefürt: „Der Schatz am Silbersee“, die ersten beiden „Winnetou“-Teile, „Der Ölprinz“ oder „Unter Geiern – Der Sohn des Bärenjägers“. Damit hat das kleine Dorf im Kreis Biberach Menschen aus der Region und darüber hinaus angezogen.

„Wer hat davor schon Burgrieden gekannt?“, sagt Claudia Huitz, Gründerin und Geschäftsführerin der Festspiele Burgrieden GmbH. „Wir haben Kultur geschaffen, wir haben Arbeitsplätze geschaffen.“ Burgrieden sei heute europaweit bekannt. Umso bitterer ist für die 54-Jährige die Nachricht, die sie am Montag auf der Webseite der Festspiele und auf Social Media verkündet hat: Es wird 2027 keine Spielzeit geben. „Eine Ära endet.“

Huitz hat am Sonntag für die Festspiele Burgrieden GmbH Insolvenz beantragt. Auf Nachfrage erklärt sie die Hintergründe der Entscheidung: Wegen des Wetters seien in dieser Saison mehrere Aufführungen ausgefallen. Gewitter bedeutet für das Team, das mit Pferden arbeitet, eine große Gefahr. „Die Tiere könnten beispielsweise im Schlamm ausrutschen und Reiter unter sich begraben“, sagt Huitz. Sicherheit gehe deswegen vor.

Claudia Huitz (MItte) mit ihren Kindern Janina und Dominik: Claudia Huitz (MItte) mit ihren Kindern Janina und Dominik

Claudia Huitz (MItte) mit ihren Kindern Janina und Dominik.

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Große Anteilnahme auf Social Media

Für Fälle wie diese hat die Geschäftsführerin eine Versicherung abgeschlossen. Der Schutz habe allerdings nicht gegriffen. „Ich bin überzeugt, dass der Fehler nicht bei uns liegt“, schreibt die 54-Jährige. Bis zuletzt habe sie verhandelt, um ein langes Gerichtsverfahren zu vermeiden. Doch das sei nicht gelungen. Bis die Sache gerichtlich geklärt ist, kann es nun dauern. „So lange kann eine GmbH aber nicht warten“, so Huitz und verweist auf eine dreiwöchige, gesetzliche Frist. Diese gilt bei Zahlungsunfähigkeit, um einen Insolvenzantrag zu stellen. „Es war der einzige rechtlich mögliche Weg.“

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Sie informierte ihre Mitarbeitenden – darunter viele Menschen, die seit Jahren im Team sind und ihr nahestehen. „Wir sind eine Betriebsfamilie“, erzählt sie. Theater funktioniere nicht wie andere, herkömmliche Berufe. „Wir verkaufen Emotionen. Das ist kein Job von der Stange.“ Dementsprechend groß waren Bestürzung und Trauer bei den Mitarbeitenden.

Alleine sind sie damit nicht: Viele Besucherinnen und Besucher der Festspiele äußern sich derzeit mitfühlend unter den Social-Media-Beiträgen der Festspiele. „Was für ein Verlust... Verwirrung. Und Mitgefühl. Mit euch allen, die uns allen unwahrscheinlich viele schöne Stunden beschert habt“, schreibt eine Nutzerin. „Jedes Jahr waren die Karten das Weihnachtsgeschenk für meine Mama“, eine andere. Und ein Dritter schlägt vor, eine Spendenaktion ins Leben zu rufen: „Es gibt viele gute Menschen, die gerne so was unterstützen.“

70 Mitarbeitende und Helfer

Für Huitz selbst ist das vorläufige Aus der Festspiele „auch das Ende einer Familiengeschichte“, wie sie in ihrem Statement schreibt. Es sei eine Katastrophe. Gegenüber unserer Redaktion sagt sie: „Es ist meine Existenz, mein Lebenswerk.“ Die 54-Jährige hat das Open-Air-Theater 2014 mit ihrem Mann ins Leben gerufen, nur ein Jahr später verstarb er. Zusammen mit ihrem Team machte sie dennoch weiter, überstand auch die lange Schließung während der Pandemie. „Nach Corona und vielen Jahren harter Arbeit waren wir dort, wo wir hinwollten.“

Insgesamt arbeiten etwa 70 Menschen bei den Festspielen mit, acht bis zehn davon ganzjährig. Diese kümmern sich beispielsweise um die drei Pferde. Der Rest des Teams ist halbjährig oder für drei Monate im Einsatz. „Wir sind ein Saisonbetrieb“, sagt Huitz. Neben den Theateraufführungen finden auf dem Festspielgelände auch Events wie Weinfeste oder Flohmärkte statt. Außerdem kann es als Location gemietet werden. Erst kürzlich trafen sich dort etwa 3000 Motorradfahrer, erzählt die 54-Jährige.

Die nächste Theater-Saison war schon fast fertig geplant. Entwürfe für die Texte und das Bühnenbild lagen bereit, der neue Hauptdarsteller und das Plakat standen fest. Jetzt ist unklar, wie es weitergeht, ob überhaupt wieder auf der Bühne gespielt wird. „Ich wünsche es mir von Herzen“, sagt Huiz. „Ich werde dabei helfen, wo ich kann.“

Kooperationen mit Schulen

In der Saison 2026 kamen laut Huitz rund 22.000 Besucherinnen und Besucher zu den Festspielen nach Burgrieden.

Sie und ihr Team waren gerade dabei, Kooperationen mit Schulen, die vor Corona schon bestanden, wieder aufzubauen. Dabei sollte es darum gehen, Berufe wie die des Tontechnikers oder des Gewandmeisters vorzustellen.

Menschen, die einen Gutschein haben oder ein Event gebucht haben, bittet Huitz um Geduld. Sobald der Insolvenzverwalter feststehe, folgten weitere Infos zu Reservierungen.