Kampf gegen Blutkrebs
: Theater Ulm trauert um Solo-Hornisten Thomas Bierfeld

Er hatte sein Krankheit öffentlich gemacht, auch um etwas Gutes zu bewirken. Nun ist der Ulmer Musiker Thomas Bierfeld gestorben. Er wurde nur 42.
Von
Magdi Aboul-Kheir
Ulm
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Thomas Bierfeld im November 2025.

Matthias Kessler
  • Ulm: Solo-Hornist Thomas Bierfeld starb mit 42 an einer schweren Krankheit.
  • Er war seit 2011 Solohornist und öffentlich mit seinem Blutkrebs umgegangen.
  • Viele registrierten sich als Stammzellspender, nachdem er seine Geschichte teilte.
  • Weitere seltene Erkrankungen traten auf – die Transplantation wurde verschoben.
  • Er starb am 29. Mai 2026, das Theater Ulm zeigte sich tief betroffen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Er hat gekämpft. Er hat mit sich gerungen. Er hat so lange fest daran geglaubt, dass er eine Chance hat. Und er hat sich mit so viel Energie dafür eingesetzt, dass aus seinem Schicksal auch etwas Gutes entsteht. Nun ist Thomas Bierfeld, Solo-Hornist des Philharmonischen Orchesters der Stadt Ulm, im Alter von nur 42 Jahren seiner schweren Krankheit erlegen, wie das Theater Ulm mitteilt.

Bierfeld war seit 2011 Solohornist im Orchester, „wo er als beliebter Kollege und leidenschaftlicher Musiker überaus geschätzt wurde und viele künstlerische und menschliche Spuren in unserem Haus hinterlässt“, wie das Theater schreibt.

Der Musiker war offen und öffentlich mit seinem Blutkrebs umgegangen „und hat, nachdem eine weitere seltene Erkrankung hinzukam, intensiv nach einem Stammzellenspender gesucht. Die Hoffnung, dass sich sein Zustand nach der durchgeführten Therapie verbessert, hat sich nun jäh zerschlagen.“

Als er Ende 20 war, kam die erste Diagnose

Der Musiker hatte seine Geschichte erzählt, um Menschen zu bewegen, sich als Spender registrieren zu lassen – mit großem Erfolg, Hunderte haben sich aufgrund seiner Erzählung zu dem Schritt entschlossen.

Mit Ende 20 war bei Thomas Bierfeld, der aus Nordrhein-Westfalen stammte und in Köln sowie Aachen studiert hatte, eine erhöhte Anzahl von Blutplättchen festgestellt worden. Essentielle Thrombozythämie wurde damals diagnostiziert - nicht so tragisch, hieß es damals, weil diese Erkrankung die Lebenserwartung kaum beeinflusse. Aufpassen müsse man darauf aber schon, sagten die Ärzte, es könne sich daraus Leukämie entwickeln.

Und das geschah dann auch: 2019 wurde Myelofibrose festgestellt, eine seltene Blutkrebsart. Thomas Bierfeld war symptomfrei, musste noch keine Medikamente einnehmen. Freilich wusste er, dass wohl eine Stammzellentransplantation irgendwann die einzige Möglichkeit sein würde, die Krankheit zu heilen.

Die Ärzte machten ihm Hoffnung

Doch zugleich machten ihm die Ärzte Hoffnung auf den medizinischen Fortschritt: dass es doch in einigen Jahren Medikamente geben könnte, mit denen die Krankheit allein im Griff zu haben wären, ohne Transplantation.

„Ich hatte die Hoffnung, so lange durchzuhalten“, sagte Bierfeld vergangenen Herbst unserer Zeitung. „Die Ärzte meinten, die Lage sei stabil. Ich sollte keine Änderung meiner Lebenspläne machen. Sie sagten: Wenn Sie das möchten, bauen Sie ein Haus. Haben Sie ein Kind.“ Thomas Bierfeld tat beides. Mit seiner Frau baute er ein Haus. 2021 wurde er Vater einer Tochter.

Als Thomas Bierfeld seine Geschichte 2019 ein erstes Mal öffentlich gemacht hatte, war der Artikel so überschrieben: „Der Mut, nach vorn zu schauen“. Und er hatte diesen Mut, schaute nach vorn. Er bewältigte den Alltag. Machte mit Herzblut Musik, gab Unterricht und trieb Sport: Wildwasserkajak, Badminton, Skifahren, Klettern, Motorradtouren. Er ließ nicht zu, dass Angst ihn einschüchterte. Er lebte.

Die riskante Transplantation wurde im Januar verschoben

Doch dann wurden in den Stammzellen Hochrisiko-Mutationen gefunden – dass die Krankheit in eine akute Leukämie übergehen könnte, war nun äußerst real. Und das war nicht alles, weitere seltene Erkrankungen kamen hinzu, vor allem eine Amyloidose (eine Störung, bei der sich krankmachende Proteine an Organen ablagern), die seine Nieren massiv schädigte.

In einer existenziell schwierigen Abwägung entschloss er sich, eine Transplantation zu wagen. Doch dann konnte die hoch riskante, für Ende Januar 2026 vorgesehen Operation wegen unvorhergesehener Komplikationen nicht stattfinden. Thomas Bierfeld lief die Zeit davon.

Doch unverdrossen machte er weiter Werbung für die Typisierung, für die Registrierung als Stammzellenspender bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Sein personalisierter Aufruf war so überschrieben: „Für eine Zukunft voller Musik und Lachen.“

Nun ist Thomas Bierfeld am 29. Mai 2026 seiner Krankheit erlegen. „Das macht uns alle fassungslos und zutiefst traurig“, schreibt das Theater Ulm. Und das gilt auch für die Menschen, die den Musiker außerhalb seines Berufs kennenlernen durften. „Die Bilder, auf denen er lächelnd neben seiner kleinen Tochter abgebildet ist und um sein existenzielles Anliegen wirbt, werden wir nicht vergessen.“