FRIZZ: Kim Kardashian versus Kayne West! Gibt es ihn auch bei uns, den großen Rosenkrieg?
Monika Herz: Den gibt es überall! Ich habe schon Kollegen gesehen, die haben ganze Koffer vor Gericht ausgepackt, weil die Unterlagen so dick waren. Es gibt auch hier Fälle, die jeder Soap den Rang ablaufen würden.
Gibt es eine Ehe, die Sie „gerne“ geschieden hätten?
Ja, nämlich die von Bill und Melinda Gates.
Und warum?
Die beiden bewegen sich jenseits jeglicher finanzieller Vorstellung, die wir so kennen. Ihre Ansichten und ihren Umgang miteinander hätte ich gerne gesehen. Das hätte mich brennend interessiert!
Was sollte man Ihrer Meinung nach berücksichtigen, bevor man den Bund fürs Leben eingeht?
Das hängt vom Einzelfall ab. Wer vorab zum Notar geht, kann alles Mögliche vereinbaren. Beispielsweise, welche Ausgleichszahlung ein Ehepartner bekommt, falls die Ehe scheitert oder welchen Unterhalt man sich gegenseitig schuldet, falls ein Kind entsteht. Auch wie hoch der Unterhalt ausfällt, falls einer der beiden nicht voll arbeitet, ist eine wichtige Frage. Wenn ich nichts zu verlieren habe, dann würde ich auch keinen Ehevertrag machen. Eine Ehevertragliche Regelung ist oft ein Anliegen von Paaren, die eine zweite Ehe eingehen. Junge Paare kommen manchmal mit einem mulmigen Gefühl zu mir. Wir besprechen dann, wie wir individuelle Vorstellungen in den Ehevertrag einbringen. Das wirkt beruhigend. (lacht)
Zugewinngemeinschaft oder Gütertrennung: Was macht den Unterschied?
Wer ohne Ehevertrag heiratet, lebt ganz automatisch in einer Zugewinngemeinschaft. Endet diese, zum Beispiel durch eine Scheidung, findet der sogenannte Zugewinnausgleich statt. Einfach gesagt heißt das: Bei den jeweiligen Ehegatten bleibt all das, was sie mitgebracht, geschenkt bekommen oder ererbt haben.
Was zusammen erwirtschaftet wurde, bildet den Zugewinn. Wenn nun einer der Ehegatten einen größeren Gewinn hat, muss er eine Ausgleichszahlung machen – sodass am Ende beide wirtschaftlich gleichgestellt aus der Ehe gehen.
Haben sie ein Beispiel?
Nehmen wir „Omas Aktienpaket“, das zum Zuwendungszeitpunkt 10.000 Euro beträgt und sich im Laufe der Ehe auf 30.000 Euro steigert. Diese Wertsteigerung fällt in den Zugewinn und ist zur Hälfte auszugleichen. Anders bei der Gütertrennung. Da gibt es keine Ausgleichsansprüche. Die müssen in dem Fall notariell vereinbart werden. Wichtig ist es, Finanzen und den Ehevertrag im Blick zu haben.
Die finanziellen Verhältnisse können sich im Laufe einer Ehe ja auch schnell mal ändern! Ich hatte da schon Mandanten die zu mir kamen und meinten: ‚Frau Herz, ich weiß gar nicht so recht was ich da vor Jahren eigentlich unterzeichnet habe ...‘
Wenn es um die Scheidungsrate geht, bildet Ulm mit 19 Prozent das (positive) Schlusslicht. Woran könnte das liegen?
Eine gute Frage ... Ich kann nicht sagen, von welchen Faktoren das abhängt. Grundsätzlich ist es ja nicht verkehrt, den Bund fürs Leben rechtlich einzugehen. Werfen wir zum Beispiel mal einen Blick auf eheähnliche Lebensgemeinschaften, also eine Ehe ohne Trauschein und nehmen an die Beziehung scheitert. Dann steht der Partner, der die Familienarbeit geleistet hat, oft ohne Ansprüche da.
Und wie kann man sich dann ohne Trauschein absichern?
Mit einem Partner, mit dem man keine Ehe eingehen will, rate ich, vorsorglich zum Notar zu gehen. Man kann zum Beispiel eine Lebensversicherung abschließen, sich eine Immobilie übertragen lassen oder mit dem Partner vereinbaren, dass er in die Rentenversicherung einzahlt. Man sollte seine persönliche und berufliche Entwicklung stets im Blick behalten, gerade auch, was das finanzielle Auskommen und die Rente betrifft. Seit ich Anwältin bin, ist die Eigenständigkeit auch von Ehegatten stärker eingefordert als früher.
Ihre Meinung, warum scheitern Ehen?
Manche haben sich ganz einfach auseinandergelebt, andere vielleicht nie richtig zueinander gefunden. Paare entfremden sich oder die Lebensverhältnisse ändern sich einfach. In einigen Ehen erleben sich die Erwachsenen gar nicht mehr richtig, bei Zwillingen oder Schreikindern zum Beispiel. Wobei man aber festhalten muss, dass Kinder eher selten der Scheidungsgrund sind. Ein Phänomen sind Männer um die 50, die vom einen auf den anderen Tag eine Änderung in ihrem Leben wollen. Ein weiteres Thema ist das Heimweh. Wenn ein Ehegatte niemals dort ankommt, wo er eigentlich wohnen sollte. Wenn einer zum Beispiel vom Land in die Stadt zieht und seine alte Heimat vermisst. Aber auch eine neue Liebe kann ein Trennungsgrund sein.
Was denken Sie: Was ist der langfristige Kit für eine Ehe?
Man sollte die Ehe immer im Blick behalten und dem Ehegatten mit Achtsamkeit begegnen.
Haben Sie noch einen Tipp für Paare, die in nächster Zeit heiraten?
Ja, bei Anwälten gibt es in der Regel eine Erstberatung, die 226,10 Euro kostet und bei mir bis zu 90 Minuten dauert. Hier kann man alles ansprechen! Am besten danach fragen, ob der Anwalt diese Erstberatung anbietet. Wir Anwälte sind es gewohnt, dass Mandanten nach den Kosten fragen (lächelt).
Na dann. Was kostet eine Scheidung?
Tatsächlich weniger, als die meisten vermuten! Die Kosten richten sich nach gesetzlichen Vorgaben. Sowohl für die Gerichtskosten als auch für die Rechtsanwaltskosten ist der Verfahrenswert maßgebend. Dieser wird anhand der Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Parteien ermittelt und durch das Gericht festgesetzt. Steht der Verfahrenswert fest, lassen sich die gesetzlichen Gebühren leicht ermitteln.