Die Initiative „Aktion LandSchafft“ bringt ein Bürgerbegehren zur Verhinderung eines interkommunalen Gewerbegebiets zwischen Merklingen und Nellingen auf den Weg. Das hat Lea Baumann, eine der Sprecherinnen der Initiative, am Ende einer von rund 350 Menschen besuchten Veranstaltung am Montagabend in Merklingen gesagt. „Wir haben schon genügend Unterschriften“, sagte die Merklingerin. Die Initiative möchte, dass in den Gemeinden Merklingen und Nellingen, die Flächen für das vom Verband Region Schwäbische Alb geplante 50 Hektar große Gewerbegebiet bereitstellen sollen, abgestimmt wird. Der Bürgerentscheid soll nicht etwa im gesamten Verbandsgebiet, zu dem zusätzlich die Kommunen Laichingen, Berghülen, Drackenstein, Heroldstatt, Hohenstadt, Westerheim, Dornstadt, Bad Ditzenbach, Mühlhausen und Wiesensteig zählen, stattfinden. „Da würden wir verlieren“, sagte Lea Baumann.
Laut baden-württembergischer Gemeindeordnung sind für ein Bürgerbegehren die Unterschriften von sieben Prozent der Wahlberechtigten nötig – in Merklingen und Nellingen sind das jeweils rund 120. Sind alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, kommt es zum Bürgerentscheid. Die Initiative hat die Fragestellung bereits auf Unterschriftenlisten gedruckt, die während ihrer Info-Veranstaltung in der Gemeindehalle auslagen: „Sind Sie gegen ein interkommunales Gewerbegebiet zwischen Merklingen und Nellingen?“
Nach den Beifallsbekundungen, Fragen und Äußerungen zu urteilen, würden wohl viele der Bürger, die zu der von der „Aktion LandSchafft“ organisierten Veranstaltung gekommen waren, mit Ja antworten. Der Merklinger Bürgermeister Sven Kneipp war während der Podiumsdiskussion nach den Möglichkeiten einer Bürgerabstimmung gefragt worden. Denkbar sei das schon, sagte Kneipp. Er sei aber kein Jurist. Es könne bei solch einer Abstimmung aber auch „gehen wie in Stuttgart“. Lieber als ein Bürgerentscheid wäre ihm, die von der Bürgerinitiative genannten Ideen und Kritikpunkte bei der Verwirklichung des Gewerbegebiets einfließen zu lassen.
Lea Baumann und der Merklinger Bio-Landwirt Hans-Dieter Ruhland, die für die Bürgerinitiative auf dem Podium standen, lehnen das interkommunale Gewerbegebiet grundsätzlich ab. Sven Kneipp wirbt dafür. Er nannte eine Obergrenze von 50 Hektar. „Vielleicht könnten wir uns auch auf weniger einigen“, sagte Kneipp und stellte Zahlen von 35 oder 40 Hektar in den Raum.

Bahnhof nicht allein zu stemmen

„Wir können nicht nur nehmen“, sagte Kneipp und meinte damit die Beteiligung der Verbandskommunen an der Finanzierung des Bahnhofs in Merklingen. Nellingen und Merklingen allein hätten das niemals geschafft. Wie berichtet, bringen die Städte und Gemeinden 11,5 Millionen Euro auf, der Alb-Donau-Kreis 1,5 Millionen Euro. Manche Gemeinden, insbesondere solche, denen eigene Flächen fehlen, sind nur wegen des interkommunalen Gewerbegebiets beigetreten. Erwartet wird eine Refinanzierung des Bahnhofs durch Gewerbesteuereinnahmen. Was passieren würde, wenn das interkommunale Gewerbegebiet scheitern sollte und damit faktisch die Geschäftsgrundlage für Verbandsmitglieder wegfallen würde, wurde an dem Abend nicht erörtert.
Für Lea Baumann ist klar, dass es für Merklingen und Nellingen zielführender wäre, eigene Gewerbegebiete in verträglichem Rahmen zu erschließen und Steuereinnahmen nicht teilen zu müssen. Merklingen habe schon zu hohe Belastungen, zu viel Verkehr. Landwirt Ruhland macht sich Sorgen um den Flächenverbrauch. „Was in den vergangenen 21 Jahren in Merklingen zubetoniert wurde, ist unbegreiflich.“ Er kam durch die Umgehungsstraße, die Schnellbahntrasse, die Autobahnverbreiterung und die eigene Entwicklung der Gemeinde auf eine Summe von 100 Hektar. Und jetz noch das Gewerbegebiet: „Können wir uns das erlauben?“
Christoph Salzmann, der Moderator der Abends, sprach das Thema Ersatzflächen an. Er werde im Verband dafür kämpfen, einen Flächenpool für landwirtschaftliche Betriebe zu schaffen, sagte Kneipp. Konkret danach gefragt, zählte der Bürgermeister als Vorteile des Gewerbegebiets neben der Gewerbesteuer die Arbeitsplätze auf und die wirtschaftliche Belebung der Region. Gegner verwiesen auf leere Flächen im Gewerbegebiet in Türkheim, auf drohende Arbeitsplatz-Konkurrenz und auf die mögliche rasante Entwicklung des Ortes. „Bleiben wir noch Dorf?“, lautete eine Frage.
Während in der Fragerunde kritische Äußerungen überwogen, meldete sich auch ein Bürger zu Wort, der täglich 40 Kilometer weit zu seiner Arbeitsstätte fahre. „Ich würde lieber mit dem Fahrrad da rausfahren“, sagte er. So schlecht könne der Gewerbepark nicht sein.

Standortwahl und die nächsten Schritte

Info-Abend Nach der Standortfestlegung durch die Verbandsversammlung will der Verband Region Schwäbische Alb am Freitag, 1. Februar, über die nächsten Schritte und die Standortauswahl informieren und Ideen und Bedenken der Bürger hören. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr in der Berghalle in Heroldstatt.