Wer einmal das Vergnügen hatte, einen Abend lang den zotigen, gegen allerlei Obrigkeiten und Amtsgewalten wetternden Plaudereien des bayerischen Rebellen Hans Söllner (62) zu lauschen, der muss an Theo Lingen denken, der als Schuldirektor Taft beim geringsten Streich der „Lümmel von der ersten Bank“ Anarchie und Terrorismus heraufbeschwor. Zwei Stunden lang nutzte der Liedermacher die ausverkaufte Werkshalle des Roxy auch für die bei Fans so beliebten Selbstbekenntnisse zwischen Kabarett und politischer Agitation.
Politisch ist der Rastafari mit Anspruch auf Narrenfreiheit und gelebte Authentizität durch und durch: Seit den 1980er Jahren liefen gegen ihn etliche Ermittlungsverfahren und Prozesse wegen harscher Bühnenaussagen oder wegen seines Marihuana-Konsums. Auf Söllners Internetauftritt findet sich eine Rubrik zur Politik, wo er immer noch mit losem Mundwerk Stellung gegen  CSU-Politiker wie Seehofer oder Söder bezieht.
Im Roxy fing es recht harmlos an, als er mit dem Lied „Für ein afrikanisches Mädchen“ seine Spendenaktion gegen Genitalverstümmelung bewarb. Den nur Mundartkennern verständlichen Aktionstitel „Mit der Büchse füar die Büchsen“ wollte ihm die Münchner Frauenbeauftragte nicht durchgehen lassen. Heftiger wurde es, als Hans Söllner über das TV-Format „Bauer sucht Frau“ sinnierte, dabei Böhmermanns Schmähgedicht über Erdogan assoziierte und noch eine Schippe derber Geschmacklosigkeit drauflegte.
Eine nachdenkliche und gefühlvolle Seite offenbarte er mit Liedern wie „Josefina Marie“ oder „Loben und Preisen“. Wenn er nicht gerade wetterte, verliehen Söllners Zwischentexte den Stücken besondere Tiefe. Das Publikum lauschte gebannt, kommentierte mit Zwischenrufen, wurde aber erst bei der letzten Zugabe „Aber i mach’ ma Sorgen um di“ so richtig laut. Söllner wiederzugeben ist schwer – da muss man schon selbst hingehen und staunen.