Die einen könnten sich die Kugel geben, wenn sie nur an Weihnachten, Silvester und Neujahr denken. Die anderen können nicht genug davon bekommen. Sie freuen sich auf alles, was mit dieser Zeit einhergeht. Dazu zählen auch Dinge wie individuelle Christbaumkugeln, auch wenn diese manchmal nicht unbedingt dem namensgebenden Kreisobjekt entsprechen.
Zum Jahresende bietet sich auch ein Blick in die Zukunft an. Ganz klar zeichnet sich diese in Titel-Model Giulianas Kristallkugel allerdings nicht ab. Die Aussichten beschränken sich eher auf kleinere Projekte, unter anderem ein Wiedersehen mit Freunden und einen damit verbundenen Wettbewerb.
Ende des 16. Jahrhunderts waren Weihnachtsbäume ganz schlicht mit Obst und Nüssen geschmückt. Im thüringischen Lauscha hängten arme Glasbläser aus Mangel daran kleine Glasperlen aus der Produktion auf. Die Idee der Christbaumkugel war geboren. Heute hängen sich die wenigsten Nüsse oder Obst an den Baum und viele haben sich auch von den typischen Standard-Kugeln verabschiedet. Zu langweilig, zu gewöhnlich. Der Baum – und vor allem die Deko – soll auffallen.

Ulmer Einzelstücke und Musik am Baum

Wer ein Einzelstück mit Ulmer Bezug haben möchte, kommt am Besuch des Ulmer Weihnachtsmarkts nicht vorbei. Seit rund 35 Jahren kann man hier Hans Joachim Ittig bei der Herstellung gläserner Kunstwerke über die Schulter schauen. Unter Zuhilfenahme von einem 1.200 Grad heißen Ofen und Glasmacherpfeifen entstehen in der Schauglashütte Blumen, Ulmer Spatzen und natürlich Christbaumkugeln. Jedes Stück ist ein Unikat.
Etwas anders geht es in der Designwerkstatt von Holger Mewes aus Westerstetten zu. 2016 gründete der Grafikdesigner das Label „Kleiner Spatz“, das personalisierte Produkte wie Kissen, Kleidung oder Geschenkpapier anbietet. Und auch Christbaumkugeln finden sich im Portfolio. Die sind zwar nicht so aufwändig wie die vom Glasbläser, aber trotzdem individuell. Bei „Kleiner Spatz“ werden die Kugeln mit dem eigenen Namen und einem zusätzlichen Schriftzug, wie beispielsweise „Frohe Weihnachten“ verziert. Wer eine Mischung aus glasgeblasener Kugel und individueller Beschriftung wünscht, muss ebenfalls nicht lange suchen. Markus Hummel, besser bekannt als Back- bzw. Letterbube, bietet genau das an. Die Kugeln werden von seinem Vater im Glasmacherdorf Schmidsfelden im Allgäu mundgeblasen. Anschließend werden sie vom Neu-Ulmer händisch mit dem gewünschten Schriftzug veredelt.
Bei aller Individualität und Personalisierung darf eine Sache nicht vergessen werden: Eine Christbaumkugel muss nicht rund sein. Zumindest, wenn es nach Jens Schleicher geht. Der 35-Jährige aus Pfaffenhofen nimmt es mit der Geometrie nicht so genau. „Wenn’s am Baum hängt, ist es eine Christbaumkugel. Ganz einfach“, bricht er das Thema schmunzelnd herunter. „Ist doch egal, welche Form es hat. Für mich sind das alles Kugeln.“Die Weihnachtsbaum-Deko im Hause Schleicher folgt keinem wirklichen Konzept. Es wird aufgehängt, was gefällt. Auch wenn Jens und seine Frau Tabea das zwar beide so sehen, verfolgen sie dennoch einen unterschiedlichen Ansatz. Jens hängt vor allem Kugeln aus dem Bereich Popkultur auf. Tabea hingegen bringt Musik an den Baum. „Ich hab mir immer mal wieder kleine Musikwalzen gekauft. Irgendwann kam mir die Idee, dass die sich am Weihnachtsbaum doch eigentlich ganz gut machen würden“, erzählt sie. „Mittlerweile hängen zehn Stück am Baum. Es sind aber nicht alles Weihnachtslieder.“

Weihnachten und was daran nervt

Mit Weihnachten und den Tagen danach das eine Jahr gemütlich ausklingen lassen und dann mit Silvester und Neujahr das nächste feierlich beginnen. Das hört sich auf dem Papier gut an. Es gibt in diesen zwei Wochen aber auch Dinge, die den einen oder anderen gehörig nerven. So könnte sich Salih Korkmaz jedes Jahr sprichwörtlich „die Kugel geben“, wenn er auf seinen Weihnachtsbaum angesprochen wird. „Ja, ich bin Moslem. Nein, ich feiere nicht in dem Sinne Weihnachten. Aber bei uns in der Familie steht seit ich denken kann zur Weihnachtszeit immer ein Baum. Das habe ich übernommen“, erzählt der Neu-Ulmer und fügt hinzu: „Ich habe kein Problem damit, wenn mich jemand normal danach fragt. Ganz im Gegenteil. Aber wenn ich mir zum hundertsten Mal anhören muss, dass Moslems das nicht dürfen oder das keinen Sinn macht, dann nervt das schon gewaltig.“
Auch für Titel-Model Giuliana gibt es etwas, das ihr rund um Weihnachten sauer aufstößt. „Mich nervt es, wenn man alles kurz vor knapp macht. Gerade was Geschenke betrifft. Normalerweise kennt man die Person, die man beschenkt, doch schon länger und weiß in etwa, worüber derjenige sich freut“, meint Giuliana. „Am besten besorgt man die Geschenke einfach schon im Laufe des Jahres. Das erspart einem selbst ja auch den Stress.“

Früher war Silvester das Highlight

Nicht nur Weihnachten hat Dinge, die als störend empfunden werden können, auch an Silvester finden sich einige nervige Aspekte. Sei es die x-te Wiederholung von „Dinner for One“, das Bleigießen mit Wachs oder die in die Höhe schießenden Feinstaubwerte durch das Silvesterfeuerwerk. Sebastian und seine Freundin Nicole haben gleich gar keine Lust auf das Fest am Jahresende. „Früher fand ich Silvester super. Als Kind total lange aufbleiben und dann mit meinen Eltern rausgehen und das Feuerwerk anzuschauen, war das Highlight. Später war dann immer Party angesagt. Mit Freunden treffen, gut essen, viel trinken und stundenlang böllern. Das hab ich gefeiert“, erinnert sich Sebastian. „Aber mit der Zeit hatte ich da immer weniger Bock drauf und heute finde ich Silvester einfach nur noch unnötig.“ Nicole nickt zustimmend und ergänzt: „Das geht mir genauso. Silvester nervt mich nur noch. Vor allem der ganze Müll, der dann am 1. Januar rumliegt. Da fand ich es letztes Jahr ganz angenehm, dass es nur vereinzelt Feuerwerk gab.“

Was bringt die Zukunft? Der Blick in die Kugel

Wir verabschieden uns von Weihnachten und Silvester und richten unser Augenmerk auf das neue Jahr. Voraussichtlich wird uns das leidige Thema der Pandemie auch 2022 nicht so schnell loslassen. Der Blick in die Kristallkugel ist daher ein wenig getrübt. Noch ist nicht abzusehen, was genau das Jahr bringen wird und auf was man sich freuen kann. Zumindest nicht, was große Events angeht. Im eher privaten Bereich allerdings stehen bereits einige Dinge fest. Peter Miller weiß zum Beispiel schon ganz genau, was am 8. Januar ansteht. Der Bankkaufmann aus Laupheim und sein Freundeskreis haben eine jährliche Tradition: das Neujahreskegeln. „Wir treffen uns immer am Samstag nach ‚Drei König‘ und kegeln mehrere Stunden. Da geht es hauptsächlich um das Zusammensein. Einige sind in den letzten Jahren weggezogen. Die sieht man dann beim Neujahreskegeln. Man bringt sich auf den neuesten Stand, spielt nebenher und das eine oder andere Bier wird natürlich auch getrunken“, lacht Peter. Auch wenn es sich anhört, als würden die Freunde im wahrsten Sinne des Wortes „eine ruhige Kugel schieben“, geht es am Ende des Tages auch um etwas. Peter erklärt: „Man braucht ja auch einen kleinen Anreiz. Jeder legt am Anfang zehn Euro in den Pott, den der Sieger am Ende gewinnt. Wir sind meist zwischen zehn und 20 Leute. Da kommt schon was zusammen.“
Was 2022 ebenfalls endlich losgehen soll, ist die Weltreise von Betty und Micha. Im August hatten wir das Pärchen aus Neu-Ulm bereits im Interview. Damals war der Plan, dass die Reise Ende Oktober beginnt. Nachdem der Umbau ihres Feuerwehr-Lkw zum Expeditionsmobil „Simba“ etwas länger dauerte als gedacht und dann auch noch die Hochzeit der beiden dazwischenkam, soll es nun Anfang 2022 so weit sein. Dann geben sich Betty und Micha die größte Kugel von allen: die Erdkugel.
[frizz]