
Füllestanz in Altheim/Alb: Die um das Fohlen tanzen – Nina und Alexander tanzen mit

Nina Claus und Alexander Thierer sind in diesem Jahr zum zweiten Mal als Tanzpaar beim Füllestanz dabei. Ein geschmücktes Fohlen gehört auch immer mit dazu, hier mit seinem Füllesführer im Blauhemd.
privat; Amrei Oellermann- In Altheim/Alb prägt der Füllestanz mit Herbstmarkt das Jahr, Ursprung ist 1789.
- Dieses Jahr tanzen 28 Paare in Tracht um ein geschmücktes Fohlen – Start am Rathaus.
- Das Fohlen heißt Darko, ist ein Schwarzwälder Kaltblut und wird von der Mutterstute begleitet.
- Siegerpaar wird per Nagel im Pfahl ermittelt und beißt in einen Apfel, danach folgt der Siegerwalzer.
- Organisiert von der Landjugend seit 2015, wachsendes Zuschauerinteresse und stabile Nachwuchszahlen.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Nina Claus und Alexander Thierer sind schon jetzt Feuer und Flamme. Am 26. Oktober werden sie beim Herbstmarkt in Altheim/Alb zum zweiten Mal als Tanzpaar beim Füllestanz auftreten. Drei von vier Proben an den Sonntagen zuvor haben sie schon hinter sich. „Es macht großen Spaß“, sagt der 21-jährige Jung-Landwirt Alexander. „Ich empfinde es als etwas Besonderes“, betont die angehende Erzieherin Nina. Als Kind ist sie den Tanzpaaren hinterhergelaufen, jetzt ist die 19-Jährige stolz darauf, dazuzugehören.
In Altheim ist der Füllestanz zusammen mit dem Herbstmarkt das wichtigste Event des Jahres, ein „Feiertag“ für die Gemeinde nordwestlich von Langenau mit ihren rund 1700 Einwohnern. Immer am letzten Montag im Oktober findet das traditionelle Spektakel statt. Der Brauch geht bis ins Jahr 1789 zurück, als man den Besuchern des damaligen Rossmarktes etwas bieten wollte. Auch heute wird alljährlich ein Fohlen – das Füllen –, um das die Tanzpaare dann ihren Kreis bilden, mit Buchszweigen und Blüten geschmückt.
Das Fohlen ist diesmal ein Schwarzwälder Kaltblut
Alles folgt strengen Regeln, wie es sich bei einem alten Brauch gehört. Auch das Füllen wird jährlich neu ausgewählt: Diesmal heißt es Darko. Das Ende Februar geborene Schwarzwälder Kaltblut stammt aus dem Besitz der Familie Hahn aus Gerstetten-Sontbergen und wird von der Mutterstute Nieke begleitet. Die Vorbereitungen für den Füllestanz beginnen bereits am Wochenende, wenn die männlichen Tanzpartner den Kreis abstecken und die Pfähle in den Boden rammen – pro Tanzpaar einen. Die Frauen kümmern sich um den Fohlenschmuck – so will es die Tradition.
Der Füllestanz ist für das Dorf prägend: „Es hat sich nie etwas verändert und jeder hat Lust darauf“, sagt Nina Claus. Schon ihre Oma und ihr Opa haben mitgemacht. Die Bedingung: Die Tanzpartner müssen unverheiratet sein, und pro Paar muss wenigstens eine Person aus Altheim mit den Teilorten Zähringen und Söglingen kommen. Nina ist in Zähringen aufgewachsen, Alexander Thierer in der Nachbargemeinde Gerstetten. Die beiden sind auch im „normalen“ Leben ein Paar, natürlich ledig, wie verlangt. Es treten aber auch Tanzpaare ohne Beziehungshintergrund auf. Früher war der Brauch durchaus eine günstige Gelegenheit für junge Menschen, anzubandeln. Die ein oder andere Ehe sei so gestiftet worden, heißt es in Überlieferungen.
28 Tanzpaare sind dieses Jahr aufgestellt, womit man nahezu gleichauf mit dem Rekord von 29 Paaren im Vorjahr liegt. Die bäuerliche Tracht ist Pflicht: Die jungen Frauen tragen schwarze, geblümte Samtoberteile über einer weißen Bluse und dunkle Röcke mit weißer Schürze. Die Tracht der Bauern, wobei heute längst nicht mehr jeder der jungen Männer aus der Landwirtschaft stammt, besteht aus einem weißen Hemd mit roter Weste, schwarzen Stiefelhosen und Lederstiefeln. Der Platz auf dem 2014 neu angelegten Tanzfeld am Ortsrand ist begrenzt. Aber zunächst müssen die Tanzpaare vom Rathausplatz aus durch den Ort zum Tanzplatz marschieren, begleitet von Musikanten und dem geschmückten Füllen mitsamt einem Füllesführer im traditionellen Blauhemd.
Siegerpaar muss in Apfel beißen
Jedes Paar tanzt dann im Walzerschritt um einen der Stecken, das Fohlen wird in der Mitte herumgeführt – bis ein Schuss ertönt, alle Tanzpaare stoppen müssen und die Pfähle unter einem lauten „Hau-ruck“ herausgezogen werden. Nur in einem Pfahl steckt unten ein Nagel und kündet so vom Siegerpaar, das dort rein zufällig steht: Lautes Jubeln, Geschenke und Pflanzenschmuck, ein Apfel, aus dem das Paar möglichst ein Herz herausbeißen muss und natürlich ein Siegerwalzer folgen. Dann geht es zurück ins Dorf zum Feiern, am Abend beim traditionellen Markttanz der Landjugend bis in die Nacht hinein. Das Fohlen darf zurück in seinen Stall. Früher war es selbst das Geschenk für die Sieger – ein äußerst wertvolles für einen Jungbauern. Heute gibt es einfache Gaben – und die Sieger stehen in der Pflicht, ihre Mittänzer einzuladen. Schnaps soll dabei reichlich fließen.
Nachwuchssorgen für die Brauchtumspflege kennen die Altheimer keine. Reinhold Frank, Vorsitzender des Trachtenverbands Baden-Württemberg, verwundert dies nicht. „Im Grundsatz sind wir positiv gestimmt“, sagt er auf Anfrage. In der jüngeren Generation nehme sein Verband sogar ein leicht gestiegenes Interesse etwa an Trachten wahr. Vieles hänge aber von den Menschen vor Ort ab. „Es ist gut, wenn jemand Kinder und Jugendliche für solche Traditionen begeistern kann.“ Zumal der demografische Wandel alle trifft. Da könne eine einzige Veranstaltung, etwa in einer Grundschule, reichen, um das Interesse zu wecken. Unter dem Strich sind die Zahlen mit landesweit rund 15.000 organisierten Kindern und Jugendlichen in Trachten- und Jugendvereinen laut Frank noch annähernd konstant. Im ländlichen Raum sei es leichter, weil es dort weniger konkurrierende Angebote gibt.
Wachsendes Zuschauerinteresse
Im Zeitalter der Eventomanie finden Traditionen wie der Füllestanz jedenfalls auch beim Publikum regen Zulauf. Alexander Thierer und Nina Claus haben beide das Gefühl, dass von Jahr zu Jahr immer mehr Menschen kommen, selbst 2025, als das Wetter am 26. Oktober bescheiden war. Mehr als 1000 Zuschauer wohnen allein jedes Jahr dem Tanz bei, der Herbstmarkt zieht ebenfalls Publikumsströme an. Dem Paar selbst geht es aber nicht nur ums Feiern, sondern um das Miteinander. „Man wird eine richtige Gemeinschaft“, sagt Nina mit Blick auf die mehrwöchigen Proben und Vorbereitungen. Auch Alexander hebt das Gruppengefühl hervor. Jetzt kommt nur noch die Generalprobe, dann kann der Höhepunkt des Jahres beginnen.
Landjugend als Organisator
Der Füllestanz in Altheim/Alb wird seit jeher von jungen Menschen in der Gemeinde veranstaltet, seit 2015 hat der Verein Landjugend – Füllestänzer Altheim/Alb mit seinen insgesamt rund 150 Mitgliedern die Organisation übernommen. Das Tanzereignis findet dieses Jahr am 26. Oktober um 14 Uhr auf dem Füllestanzplatz unterhalb der Albhalle statt. Der Marsch dorthin beginnt gegen 13.30 Uhr am Rathaus in der Ortsmitte. Parallel findet im Ort der Herbstmarkt statt, mit Händlerständen, Speisen und Getränken. Parkplätze für beide Events stehen an der Albhalle zur Verfügung. Am Abend lädt die Landjugend dann ab 20 Uhr zum traditionellen Markttanz in die Albhalle ein. Der Festabend mit Barbetrieb wird von einem DJ begleitet, das Mindestalter hierfür ist 16 Jahre.