Führerschein läuft aus: Merklinger Busfahrer mit fast 80: „Es gibt nichts Schöneres für mich“

Der Bus gehört seit Jahrzehnten zu seinem Alltag: Kurt Mann (79) fährt auf der Alb – bald zum letzten Mal.
Verena Eisele- Kurt Mann (79) aus Merklingen fährt seit über 50 Jahren Bus, trotz Rente seit 15 Jahren weiter.
- Sein Busführerschein läuft Ende März aus, nur Tage vor seinem 80. Geburtstag – erneute Tests lehnt er ab.
- Mann ist ein zuverlässiger Fahrer, unfallfrei seit 52 Jahren, bekannt für Pünktlichkeit und Menschlichkeit.
- Persönliche Schicksale, wie der Verlust seines Sohnes, half er mit seiner Fahrerroutine zu bewältigen.
- Der Abschied von seinem Beruf fällt ihm schwer, doch seine Familie bat ihn, mit 80 aufzuhören.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Viel braucht Kurt Mann aus Merklingen nicht, um zufrieden zu sein. Ein Platz in der Fahrerkabine reicht. Der 79-Jährige sitzt hinter dem Lenkrad, legt die Hände darauf und lässt den Blick prüfend über das Armaturenbrett gleiten. Alles scheint in Ordnung. Mann schaut auf und lächelt. „Es gibt nichts Schöneres für mich“, sagt er.
Seit über fünf Jahrzehnten fährt Mann Bus. Vor 15 Jahren ging er zwar in Rente, aufgehört hat er jedoch nie wirklich. Wann immer er gebraucht wird, springt er bei seinem langjährigen Arbeitgeber Auto-Mann ein. Trotz gleichem Namen ist er nicht mit dem Spediteur aus Blaubeuren verwandt.
Doch bald geht dieses Arrangement zu Ende. Ende März läuft sein Busführerschein ab, nur wenige Tage später wird Mann 80. In all den Jahren hat er ihn bereits mehrfach verlängert, inklusive Tests, etwa zur Reaktionsfähigkeit. Zwar bestand er zuletzt alle Prüfungen, dennoch verlangte das Landratsamt noch eine praktische Fahrprüfung. Er bestand auch diese. Am Ende habe er jedoch rund 3000 Euro bezahlt. Auch wenn die Hälfte davon der Arbeitgeber übernommen habe, wolle er das nicht erneut durchlaufen – so schwer es ihm fällt. „Ich mach's ja so gern!“, ruft er, reckt die Hände hoch und lässt sie resigniert wieder sinken.
„Schaltest du's Mikrofon ein?“
Seit Jahrzehnten fährt er seine Strecken, etwa die Linie Geislingen-Merklingen-Laichingen, ebenso den „Albrundkurs“ von Gerhausen über die Blaubeurer Alb und zurück. Tag für Tag begleitet er Menschen, bringt Kinder zur Schule, Berufstätige zur Arbeit, ältere Fahrgäste zum Einkaufen. Viele Gesichter kennt er seit Jahren, manche seit Jahrzehnten.
So erzählt er von einer Frau, an deren Haus er früher jeden Tag vorbeigefahren ist und die er stets gegrüßt habe. Sie habe sich darüber so gefreut, dass sie ihm irgendwann regelmäßig einen Kuchen mitgegeben habe. Oder die Grundschüler, die er von Asch nach Sonderbuch befördert hat, mit denen er immer gesungen habe. „Schaltest du's Mikrofon ein?“, imitiert er die Kinderstimmen und lacht. Kinderlieder, Weihnachtslieder – ganz egal, die Freude war beidseitig.
Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die Erstklässler, die er kurz vor der Rente täglich von Türkheim nach Aufhausen brachte. „Mit denen bin ich so gut ausgekommen“, berichtet der 79-Jährige. Umso schwerer sei ihm der Abschied gefallen, als er in Rente ging. Nachdem er den Erstklässlern erklärt hatte, dass er sie „verlassen müsse“, sei er eines Morgens an der Haltestelle angekommen – und alle Kinder hätten dort gestanden und ihm ein Ständchen gesungen. Sogar kleine Geschenke hätten sie ihm gemacht. „I hab' faschd g'heuled“, erzählt er.
„Wenn du dich hier stur stellst, dann musst du büßen“
Mann ist ein beliebter Busfahrer, das bestätigt auch sein Arbeitgeber. Streng sei er nicht. „Wenn du dich hier stur stellst, dann musst du büßen“, sagt Mann und zeigt auf die Fahrerkabine. Nach negativen Erlebnissen mit Fahrgästen gefragt, muss er erst überlegen. Er habe ein schlechtes Gewissen, wenn er einmal einen Spiegel oder ein Rücklicht aus Versehen beschädige, antwortet er dann.
Diese Sorgfalt und die festen Abläufe geben Mann Halt – nicht nur im Job. Das frühe Aufstehen, die immer gleichen Strecken und die Verantwortung für andere wurden besonders wichtig in Zeiten, in denen seine eigene Ordnung ins Wanken geriet. Mehrere seiner fünf Kinder hatten mit schweren Nierenproblemen zu kämpfen. Besonders belastend war dies, als er noch als Fernfahrer arbeitete. Unabhängig davon, wo er gerade unterwegs war, musste er pünktlich am Freitagabend zurück sein, um seine Tochter am Samstagmorgen in die Klinik zu begleiten. Und als sein einziger Sohn vor 22 Jahren mit Anfang 20 an der Krankheit starb, halfen ihm seine Bus-Routinen, die Trauer auszuhalten. „Da hab ich einfach genau gewusst, da muss ich fahren, da muss ich halten“, erzählt er. „Das war schon erleichternd.“
Das Auto war schon immer ein zentraler Teil von Manns Leben. Aufgewachsen in Blaubeuren, direkt gegenüber einem Busunternehmen, war er von klein auf von Fahrzeugen umgeben. Der Chef habe ihn schon als Jungen mitgenommen, sogar lenken lassen – auf der Autobahn. Da sei er noch zur Schule gegangen, erzählt Mann und schüttelt lachend den Kopf.
Seit 52 Jahren unfallfrei
Nach der Schule begann er zunächst eine Ausbildung zum Maler, wie sein älterer Bruder, dessen Lehrbücher bereits im Regal standen. Doch während der Arbeit schielte er ständig nach den vorbeifahrenden Autos, sehr zum Ärger seines Chefs. Mann lacht. Schließlich reagierte sein Körper auf die Farben allergisch, und für Mann war das „grad recht“. Er kehrte zurück nach Blaubeuren, um beim Nachbarn eine Ausbildung zum Lkw-Fahrer zu beginnen, später folgte der Busführerschein. Nach ein paar anderen beruflichen Stationen wechselte er dann zu Auto-Mann – und ist dort seit 35 Jahren geblieben. „Da bin ich daheim“, sagt er fast beiläufig.
In all den 52 Jahren sei er unfallfrei gefahren. Und verlässlich sei er. Er sei immer eine halbe Stunde vor Schichtbeginn am Bus, falls irgendwas nicht funktioniert. Sonst käme der Fahrplan ja ins Wanken. „Verspätung ist für mich Gift“, sagt er. Lieber stehe er morgens um drei Uhr auf und geht „zum schaffa“, als lange im Bett liegen zu bleiben.
Umso schwerer fällt ihm die Entscheidung, aufzuhören. Ausschlaggebend waren jedoch auch seine Kinder. Wenn etwas passiere, müsse er nicht einmal schuld sein – in der Zeitung stehe dann trotzdem zuerst: „80-jähriger Busfahrer“. Seine Kinder hätten ihn gebeten, ihnen das nicht anzutun. „Ich werde aber die Zufriedenheit vermissen“, sagt er und seufzt. Sorgfältig schließt er den Bus zu. Um Mitternacht wird er wieder angerufen werden. Ob er einspringe könne? Am nächsten Morgen rollt Manns Bus über die Alb.
Der Busführerschein D, D1, DE und D1E
Busführerscheine werden grundsätzlich für fünf Jahre befristet. Eine Verlängerung um weitere fünf Jahre ist möglich, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Ab 50 Jahren müssen zusätzlich ein ärztliches, ein augenärztliches und ein psychologisches Gutachten zur Leistungsfähigkeit, etwa in den Bereichen Konzentration, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit, vorgelegt werden. Eine erneute Fahrprüfung ist grundsätzlich nicht erforderlich. Bei gewerblichen Fahrten ist zudem die Berufskraftfahrer-Weiterbildung und ein aktuelles Führungszeugnis nachzuweisen. Die amtliche Gebühr für die Verlängerung beträgt im Alb-Donau-Kreis aktuell 44,10 Euro, teilt das Landratsamt mit.


