Freitags haben alle frei
: Seit drei Jahren hat Südwest-Elektronik die Vier-Tage-Woche – wie läuft es?

Die Erfahrung in dem Betrieb zeigt: Es funktioniert. Das Modell hat offenbar nur Vorteile für Mitarbeiter und Betrieb.
Von
Regina Frank
Pfaffenhofen an der Roth
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4-Tage-Woche - natürlich für alle Mitarbeiter (Mo bis D0) bei Südwest-Elektronik in PfaffenhofenJörg Bentz hinten, Doran Uhlig, Timo Brinkmann und Thomas Schrade

Arbeiten nur Montag bis Donnerstag: Jörg Bentz hinten, Doreen Uhlig, Timo Brinkmann und Geschäftsführer Thomas Schrade – wie alle 40 Mitarbeiter in diesem Betrieb.

Volkmar Könneke
  • Südwest-Elektronik führt seit drei Jahren die Vier-Tage-Woche ein; freitags haben alle 40 Mitarbeiter frei.
  • Die Wochenarbeitszeit wurde von 40 auf 36 Stunden reduziert; Löhne stiegen, um Einbußen zu verhindern.
  • Bewerbungen auf freie Stellen stiegen, da das Modell familienfreundlich ist und lange Wochenenden bietet.
  • Kein negativer Einfluss auf Umsatz und Produktivität; Mitarbeiter und Geschäftsführung sind begeistert.
  • Hauptkunden sind Unternehmen in Medizintechnik, Industrieelektronik und Erneuerbare Energien.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

100 Bewerber auf fünf Vollzeit-Stellen in der Produktion – davon können Personaler in anderen Betrieben nur träumen: Thomas Schrade führt die riesige Resonanz im Zuge der Rekrutierungskampagne vergangenes Jahr auch auf die Vier-Tage-Woche zurück, die das Unternehmen Südwest-Elektronik in Pfaffenhofen an der Roth praktiziert. Bei dem Hersteller von elektronischen Baugruppen wird Montag bis Donnerstag gearbeitet. Freitags nicht. Das gilt für alle 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Natürlich“, sagt Schrade. Der 61-Jährige ist einer von sechs Geschäftsführern und unter anderem für Personalangelegenheiten zuständig. Die Vier-Tage-Woche wurde in der Entwicklung und Konstruktion eingeführt und genauso im Vertrieb und in der Produktion. Schrade bezeichnet dieses Arbeitsmodell als „Zugpferd“ bei der Mitarbeitergewinnung, zumal Südwest-Elektronik als relativ kleiner Arbeitgeber ansonsten nicht konkurrieren könne mit dem, was große Konzerne ihren Beschäftigten an Vorteilen bieten.

Auslöser war indes etwas ganz anderes: Der eigentliche Grund für die Einführung hat zu tun mit der schwierigen Lage während und nach der Corona-Pandemie. Zwei Jahre war der Betrieb in Kurzarbeit, er hatte Probleme an Aufträge zu kommen und an Material. Es wurde ein Weg gesucht, der herausführte aus dieser Situation. Schrade: „Wir haben unsere Kapazitäten um zehn Prozent reduziert und somit Vollauslastung erreicht.“ In anderen Worten: Vorher lag die Wochenarbeitszeit in dem nicht tarifgebundenen Betrieb bei 40 Stunden, sie wurde auf 36 Stunden verringert. Verteilt auf vier Tage ergibt das jeweils neun Stunden.

Mitarbeiter verdienen ähnlich viel, wie früher

Was die Entlohnung der Mitarbeiter angeht, steht Schrade auf dem Standpunkt: „Man muss ihnen für gute Arbeit gutes Geld geben.“ Sie sollten durch die Einführung der Vier-Tage-Woche also keine Einbußen haben. In der Konsequenz bedeutete das: Das Unternehmen erhöhte die Löhne, so dass die Beschäftigten wieder ähnlich viel verdienen wie einst mit der herkömmlichen Arbeitsweise.

In der Belegschaft kommt das sehr gut an. Man schätzt den freien Freitag, weil er familienfreundlich ist. Die dreijährige Tochter von Elektroniker Timo Brinkmann hat sich daran gewöhnt, dass der Papa sie abholt vom Kindergarten, „und sie weint, wenn ich nicht komme“. Kollege Jörg Bentz schätzt an dem Modell auch, dass er Zeit und Sprit spart, denn er hat einen Anfahrtsweg von 40 Kilometern. Und die Fachkraft für Elektronik-Bestückung Doreen Uhlig genießt die langen Wochenenden und die Möglichkeit, viele private Termine auf den Freitag legen zu können.

Eine Studie nach der anderen zeigt den positiven Effekt auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter, auf deren Gesundheit und auf die Produktivität. Die Erfahrungen von Schrade decken sich mit diesen Ergebnissen. Nachteile habe das Modell keine, berichtet der Geschäftsführer. Für den Betrieb nicht und für die Mitarbeiter nicht. Die Vier-Tage-Woche habe nicht einmal zu Friktionen bei den Kunden geführt. Die erreichen zwar bei dem Elektronik-Hersteller freitags niemanden mehr, dafür stehen an den anderen Wochentagen von früh um 7 Uhr bis abends 18 Uhr die jeweiligen Ansprechpartner zur Verfügung. „Das hat sich eingespielt.“ Außerdem fällt ein Tag mehr oder weniger in der Produktion nicht ins Gewicht bei einer Durchlaufzeit von sechs Wochen. So lange dauert es ohnehin von der Bestellung eines, wohlgemerkt fertig entwickelten Produkts bis zur Auslieferung. Wenn ein Teil neu konstruiert werden muss, stehen noch längere Zeitspannen im Raum.

Selbst die Befürchtung, der Donnerstag könnte zum Quasi-Freitag werden (gemeint ist ein Tag, an dem sich manche Menschen schon halb im Wochenende befinden) war unbegründet. Die Beobachtung des Geschäftsführers ist vielmehr, dass in den vier Tagen sehr effizient gearbeitet wird.  Es zeigte sich schnell: „Wir haben genau die gleiche Arbeit hinbekommen wie vorher in 40 Stunden.“ Der Umsatz wurde jedenfalls nicht weniger.

Der 61-Jährige muss schmunzeln, wenn er an die öffentlichen Diskussionen rund um die Vier-Tage-Woche denkt, in denen Bedenkenträger sich zu Wort melden und die Umsetzung problematisieren. „Ich kann nur sagen: Wir machen das seit drei Jahren. Die Mitarbeiter sind begeistert. Die Geschäftsführung auch.“ Die Bedingungen im Handwerk oder im Einzelhandel seien natürlich nicht vergleichbar, dort könne man nicht ohne weiteres einen Wochentag schließen. Aber eine Vier-Tage-Woche sei auch mit anderen Modellen organisierbar. Denkbar wären genauso sechs Betriebstage, inklusive Samstag, dann natürlich mit mehr Mitarbeitern und entsprechend verteilten individuellen Arbeitstagen.

Teile für Medizintechnik, Industrieelektronik, Erneuerbare Energien

Die Firma Südwest-Elektronik stellt Leiterplatten her und auch ganze Geräte mit Leiterkarte. Zum Beispiel Teile für Windräder und für Hochdruckreiniger oder die komplette Elektronik für Ergometer, wie sie in Reha-Kliniken verwendet werden. Hauptkunden sind Unternehmen in den Branchen Medizintechnik, Industrieelektronik und Erneuerbare Energien. Vergangenes Jahr hat das Unternehmen eigenen Angaben nach einen Umsatz von 4,5 Millionen Euro erwirtschaftet.