Für Außenstehende findet gerade eine bizarre Zeit statt: Die Fasnet, die „fünfte Jahreszeit“, in der Erwachsene im Kostüm durch die Gassen tummeln. Für andere, wie Mona Rosenkranz, hat es noch nie etwas anderes gegeben. Die Fasnet gehörte für sie schon immer zum Leben dazu.
„Ich bin hier reingeboren. Meine Eltern waren Gründungsmitglieder der Katzastrecker in Blaustein, mir blieb also nie etwas anderes übrig“, erzählt sie. Als Jugendliche habe sie sich gefreut über ihren „Fasnetsfreundeskreis“, den sie eben nur einmal in Jahr gesehen hat. Dieses Aufwachsen in der Narrenzunft, das hat Diana Micheler nicht erlebt. „Ich kam vor 25 Jahren als Erwachsene zur Fasnet, über meinen Ehemann“, sagt sie. Aber ihre beiden Kinder – 18 und 20 Jahre alt – konnten im Verein ihr Leben verbringen. „Diese rebellische Phase von Teeangern sieht man, so war es bei Mona und so war es auch bei meinen beiden, dadurch, dass sie Aspekte des Vereins verändern wollen. Wir sind ein sehr traditionsreicher Verein, mit strengen Regeln. Es ist immer eine Gratwanderung zwischen Neues zulassen und Tradition wahren,“ sagt Micheler.

Zunft mit traditionsreichen Regeln

Strenge Regeln bedeutet bei den Katzastreckern: Hästräger gehen nur als geschlossenen Verein zu einer Veranstaltung. Der komplette Mensch muss von Kopf bis Fuß verhüllt werden. „Da gehören auch die Hände dazu! Das ist ein Reibungspunkt, nicht alle wollen immer die Handschuhe tragen“, sagt Diana Micheler. Dann muss das Häs „sauber“, also nicht verändert oder mit Accessoires ausgestattet sein. Und nach einer Veranstaltung darf man nicht einfach irgendwo hingehen. Was sich verändert hat? „Früher ging die Fasnet nur vier Wochen, keinen Tag länger. Die jungen wollten früher beginnen, wie in anderen Vereinen“, so Micheler.

Die Großfamilie eines Narrs

Wer als Narr geboren wird, darf sich am Anfang sein Häs nicht aussuchen. „Im Normalfall trägt man erst das Häs, dass die Mutter trägt“, sagt Diana Micheler. Bei den Katzastreckern gibt es sechs Häsgruppen: Hexen, Ritter, Geister, Lixhupfer, Katzen und Nastige. Manche Häsgruppen sind auch nach Geschlechtern aufgeteilt. „Keine Frau kann eine Hexe sein, kein Mann ein Geist.“ Jedem Narr ist der Wechsel in eine andere Häsgruppe ein einziges Mal gewährt. „Ich habe ein Mal gewechselt. Ich war erst mit meiner Mutter Geist, aber ich wollte irgendwann Katze werden“, erzählt Mona Rosenkranz. Die Wahl des Häs ist wichtig, da man sich jeden Monat einmal als Gruppe trifft, Ausflüge macht, Feste feiert und generell viel Zeit miteinander verbringt. „Wenn man sich da nicht leiden kann, ist es blöd“, so Rosenkranz.
Die Freude auf die Fasnetszeit sieht man den beiden Frauen an. Ihr Verein feiert dieses Jahr ihr 55-jähriges Bestehen, was in Blaustein mit dem großen Ringtreffen zelebriert wird (Info-Kasten). „Der Ring ist eine Narrenfamilie. Innerhalb der Zunft hat man die engste Familie, und wenn der Ring kommt, das ist eben die Großfamilie“, sagt Micheler stolz.

Das besondere Fasnetstreiben in Blaustein

Ringtreffen In Blaustein findet am 1. und 2. Februar das Ringtreffen der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte (VFON) statt. Dann kommen die 27 Mitgliedszünfte mit ihren rund 4500 Narren alle nach Blaustein, um einen großen Umzug zu machen. Das Ringtreffen wird jedes Jahr von einer anderen Zunft ausgerichtet. Wer es wann machen darf, wird vier bis fünf Jahre im Voraus bei der Hauptversammlung des Rings entschieden. Dieses Jahr findet das 50. Ringtreffen statt und zum fünften Mal in Blaustein. Am Samstag ist Kinderfasching in der Blautalhalle, abends eine große Party in der ehemaligen Rewe-Halle am Rathaus. Am Sonntag gibt es den „Großen Narrensprung“.