FRIZZ: Melli, du bist in echt vielen Bereichen aktiv und so ein richtiges Multitalent. Hol uns mal ab. Was genau machst du eigentlich alles?

Melli: (lacht) Ich weiß nicht, ob ich mich Multitalent nennen würde, aber ein paar Sachen mach ich schon, stimmt. Zum einen bin ich als Cosplayerin aktiv. Ich stelle also Figuren, unter anderem aus Videospielen, dar. Die Kostüme dafür mache ich selbst. Außerdem produziere ich Videos für meinen Youtube-Kanal und gehe mehrmals die Woche live auf Twitch. Außerdem betreibe ich mehrere Social-Media-Kanäle.

All das machst du unter dem Namen „Unique Corn“. Kannst du den Namen etwas genauer erklären?

Das Unique steht für die Einzigartigkeit, die ja eigentlich alle Menschen auszeichnet. Das Corn kommt vom Entertainment. Wenn du ins Kino gehst, lässt du dich vom Film unterhalten. Aber doch nicht ohne Popcorn, oder? Daher kommt das „Corn“. Und dann ist da natürlich noch das Wortspiel mit Unicorn, also Einhorn, drin.

Was war zuerst da? Cosplay, Youtube oder Streaming?

Das hängt alles ein bisschen mit einander zusammen. Man kann sagen: Das, was ich heute mache, mache ich seit 2019. Aber auch davor war ich schon auf Social Media unterwegs. Damals gingen meine Inhalte noch eher in die Fashion-Richtung. Das war aber nicht ich. Als dann das Remake zu „Resident Evil 2“ angekündigt wurde, habe ich dazu einfach mal ein Cosplay der Protagonistin gemacht. Das kam auf Instagram und Facebook ganz gut an und ich hatte Spaß daran. So viel Spaß, dass ich direkt beschlossen habe, das gleiche Cosplay nochmal besser zu machen. Die Arbeit daran habe ich aufgenommen. Und das war dann auch mein erstes Youtube-Video.

Und wie kam Twitch dazu?

Die Plattform kannte ich schon länger und das Thema „Streamen“ fand ich interessant. Als das Resident-Evil-2-Remake rauskam, dachte ich: „Das Spiel live zu spielen, wär doch eigentlich ganz cool.“ Dann folgte erstmal die Einrichtung von Programmen und so weiter. Da bin ich froh, dass ich meinen Mann hab, denn das ist echt total komplex. Tja, und dann ging es los mit null Zuschauern. (lacht)

Die sich mit der Zeit dann gesteigert haben.

Genau.

Woran liegt es, dass dir heute mehr zuschauen?

Ich glaube, die Leute merken, dass das, was sie da sehen, authentisch ist. Dass das, was ich da fabriziere, auch meine Leidenschaft ist, die ich schon als Kind hatte. Videospiele und auch die Identifikation mit den Spielfiguren – das bin einfach ich.

Um nochmal auf das „Multitalent“ zurückzukommen. Würdest du sagen, du bist talentiert oder ist das alles gelernt?

Puh, das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ich spreche gerne und bin einigermaßen wortgewandt. Vielleicht steckt da etwas Talent dahinter, wodurch es mir ein bisschen leichter fällt, Menschen zu unterhalten. Ansonsten ist das meiste aber erlernt. Wenn du dir meine ersten Cosplays anschaust … fürchterlich. Die sind heute viel besser. Lernen ist meiner Meinung nach also sehr wichtig. Man sollte für alles aber auch eine Passion, eine Leidenschaft mitbringen. Das macht es einem selbst leichter und andere nehmen das auch wahr.

Lieber Cosplay oder lieber Streamen?

Beides. Cosplay betreibe ich sehr gerne auf Conventions. Du läufst da rum, triffst Leute und manche wollen ein Foto mit dir machen. Das ist richtig schön. Manchmal, zu besonderen Anlässen, streame ich auch im Cosplay. Das unterscheidet sich inhaltlich dann aber nicht von „normalen“ Streams. Mir geht’s vor allem darum, dass die Leute und ich eine gute Zeit und Spaß haben. Da wird geredet, gezockt und auch mal Blödsinn gemacht.

Bist das eigentlich du in deinen Streams oder spielst du da eine Rolle?

Ne, das bin komplett ich. So, wie ich live vor Publikum bin, bin ich auch im Wohnzimmer, wenn ich nur für mich zocke. Da kannst du meinen Mann fragen. (lacht) Wenn was nicht gleich funktioniert, reg ich mich auf. Oder wenn etwas gruselig ist, erschrecke ich mich auch lautstark. Unabhängig, ob jemand zuschaut oder nicht. Aber auch thematisch gibt es eigentlich nichts, bei dem ich mich irgendwie verstelle.

Gutes Stichwort: Um was geht es in deinen Streams, abgesehen von Videospielen?

Die nehmen natürlich einen großen Teil ein. Zum einen, weil sie gespielt werden und zum anderen, weil ich mich darüber auch einfach gerne austausche. Abgesehen davon geht’s aber – ohne Witz – um so gut wie alles. Mal um totalen Blödsinn samt Pipi-Kacka-Humor, mal um eher schwerere Themen wie Religion und auch mal darum, wie es mir oder den Zuschauern geht. Ach so, des Öfteren geht’s auch um die 90er-Jahre.

Und da dann hauptsächlich um die Spiele von damals?

Ne. Da geht’s generell um die Kindheit und darum, was es früher für coole Sachen gab. Die zig Zeichentrickserien, die samstagfrüh im Fernsehen liefen, das Frufoo-Ufo mit dem Spielzeug drin, Nokia 3210, überteuerte SMS, Maxi-CDs und und und. Die 90er waren halt einfach cool. (lacht)

Du bist deiner Zuschauerschaft bzw. der ­Community relativ nah, schon allein durch die direkte Interaktion. Welche Beziehung hast du zu den Menschen, die deine Inhalte verfolgen?

Eine sehr gute, würde ich behaupten. Der Umgang ist ziemlich freundschaftlich. Klar, im Stream kommunizieren die Leute per Chat mit mir, während ich ja normal zu hören und zu sehen bin. Das hört sich für diejenigen, die mit Twitch nichts anfangen können, oft komisch an. Aber eigentlich ist das für mich nichts anderes, als wenn ich mit den Leuten in echt interagieren würde. Ich versuche diese Beziehung auch ins wahre Leben zu übertragen, sodass man sich eben auch mal trifft. Nächstes Jahr werde ich zum Beispiel ein Community-Film-Projekt veranstalten, bei dem sich die „Corn-Community“ dann in echt kennenlernen kann.

Das hört sich super an. Trotzdem würde mich interessieren, ob da auch mal etwas Negatives oder Unschönes passiert?

Kann schon mal vorkommen. Das hält sich aber in Grenzen und sind vereinzelte Fälle. Da gab es mal jemanden aus den USA, der mich wohl ganz gut fand. Der hat sich da dann über die Zeit sehr reingesteigert und teilweise echt seltsame Nachrichten geschickt. Da war ich, um ehrlich zu sein, froh, dass der nicht aus der Nähe kam. Es kam auch schon mal vor, dass mein Chat mit irgendwelchen sexistischen Kommentaren geflutet wurde. Und als Frau bekommst du natürlich oft Dick-Pics zugeschickt. Das sind alles Sachen, die unschön sind und einfach nicht sein müssen. Sie kommen aber vor. Aber wie gesagt passiert das eher selten. In der Corn-Community überwiegt das Positive bei Weitem!

Wie sieht die Zukunft von Unique Corn aus?

Keine Ahnung. Hoffentlich gut. (lacht)

So bescheiden?

Das würde ich so nicht sagen. Aber ich weiß ja nicht, was passieren wird. Klar würde ich mir wünschen, dass noch viel mehr Menschen zuschauen. Aber nicht, weil ich die nächste große Influencerin werden will, die dadurch dann ins Reality-TV oder so kommt. Ich möchte die Menschen einfach unterhalten und vielleicht auch begeistern.Aber ganz egal, was passiert, eine Sache steht jetzt schon fest: Ich werde auch im Altersheim noch zocken und streamen. ... Also wenn man mich lässt. (lacht)