Ehrenamt im Raum Ulm: DRKler verfolgen Weg des Blutes

Rotkreuzler aus ganz Baden-Württemberg haben die Produktion im Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Ulm besichtigt, links Hans Wiedmann aus Laichingen, der sich schon seit 60 Jahren bei Blutspenden engagiert.
Karin Mitschang- 180 Ehrenamtliche besuchten das Bluttransfusionsinstitut Ulm.
- Führungen, Vorträge und ein Fest wurden angeboten.
- Dr. Weinstock erklärte die Blutaufbereitung; Besucher konnten Produktionsabläufe sehen.
- Diskussionen über Blutspendepraktiken und ethische Fragen fanden statt.
- Professor Schrezenmeier sprach über Forschungsprojekte zur Krebs- und Autoimmuntherapie.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Jeden Tag um 3.30 Uhr kommen die ersten Wagen mit Blutkonserven aus ganz Baden-Württemberg in Ulm an. „Hier werden sie mindestens sechs Stunden bei niedriger Zimmertemperatur gelagert“, sagt Dr. Christof Weinstock, Leiter der Abteilung Blutgruppenlabor im Institut Ulm des DRK-Blutspendedienstes. Die weißen Blutkörperchen im Blut dürften noch „ein bisschen schaffen“, sie kämpften Infektionserreger und Schadstoffe im roten Saft nieder, bevor dieser in Zentrifugen mit 4000-facher Erdgeschwindigkeit kommt, die aussehen wie riesige Wäschetrockner.

In den Zentrifugen des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Ulm wird das Spenderblut mit der 4000-fachen Geschwindigkeit der Erdbeschleunigung in seine einzelnen Bestandteile geteilt.
Karin MitschangEin ohrenbetäubender Alarm unterbricht den Vortrag beim Besuch in der Produktion. Die Besucher an der offenen Tür haben diesen ausgelöst. Erst, nachdem sich die Schleuse langsam wieder schließt, können die Finger manches DRKlers wieder aus den Ohren gezogen werden. „Hier sind überall Schleusen, damit nichts rein kommt“, erklärt der Mediziner den Ehrenamtlichen, die mit Plastik-Überschuhen und Einmal-Kitteln ausgestattet sind.
Zum ersten Mal hatte das Institut Ulm ein zentrales Fest für Ehrenamtliche ausgerichtet, um diesen „danke“ zu sagen – aber auch, um dem großen Interesse an Führungen in der landesweit einzigen Produktion zur Blutaufbereitung des Blutspendedienstes Baden-Württemberg/Hessen nachzukommen. 180 Ehrenamtliche aus ganz Baden-Württemberg kamen. So auch Hans Wiedmann aus Laichingen, der seit 60 Jahren aktiv ist, weit über 50 Mal selbst Blut gespendet hat und die Spendenaktionen vor Ort organisiert.

Dr. Christof Weinstock vom Institut für Transfusionsmedizin Ulm erklärt am Fest für Ehrenamtliche die Aufbereitung des Blutes in der Produktion.
Karin Mitschang„Die Produktionsabläufe haben sich verbessert und intensiviert“, lobte der Rentner, der vor vielen Jahren schon mal eine Führung in der Produktion erlebt hatte. Barbara Gansloser aus Ulm amüsierte sich mit Besuchern aus Waiblingen und dem Rems-Murr-Kreis unter anderem über lustige Namen an mancher Maschine wie „Fred Feuerstein“ – „dann weiß man, welche gemeint ist“, erläuterte Weinstock. Zahlen hätten sich nicht durchgesetzt im 30-köpfigen Produktionsteam. Die interessierte Besucherin wusste dem Argument, dass in Dänemark – im Gegensatz zu Deutschland –ausgebildete Krankenschwestern ohne Arzt die Blutspendetermine absolvieren, entgegenzusetzen: „Und was passiert, wenn einer schlapp macht?“ Da musste der Mediziner einräumen, dass dies ein Problem wäre.
Fragen zu Sexualpraktiken
Dass potenzielle Blutspender im Vorgespräch inzwischen nicht mehr nach ihrer sexuellen Orientierung, sondern nur nach zwei oder mehr Sexualpartnern in den vergangenen vier Monaten und nach Sexualpraktiken wie Analverkehr befragt würden, kam ebenso zur Sprache wie die Blutspende für Geld. „Aus unserer Gegend fahren viele nach Tübingen, um sich nebenher damit noch ein bisschen was zu verdienen“, schilderte eine Besucherin aus dem Rems-Murr-Kreis aus ihrem Alltag. Man wolle mit einem monetären Anreiz in Ulm nicht Menschen ermuntern, im Vorgespräch in Sachen Gesundheit zu flunkern, nur um an ihr Geld zu kommen, erklärte Weinstock die Ulmer Herangehensweise.

Professor Hubert Schrezenmeier, Ärztlicher Direktor und Medizinischer Geschäftsführer am Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Ulm (IKT), begrüßt die Gäste auf der Sonnenterrasse.
Karin MitschangÜber den „Weg des Blutes“ nach der Blutspende-Aktion vor Ort informierte in einem Vortrag Dr. Sixten Körper, Leiter der Abteilung Blutspende, Apherese und Hämotherapie, die Gäste stündlich, die dann in Gruppen für drei verschiedene Führungen durchs Haus geschleust wurden. Sie erfuhren von Körper nicht nur, wie durch mehrmaliges Zentrifugieren und Pressvorgänge aus Plasma- und Blutspenden verschiedenste Zwischen- und Endprodukte etwa für die Pharmaindustrie hergestellt werden, beispielsweise Plättchenlysat aus Thrombozyten. Sondern sie erfuhren auch einiges zur hauseigenen Ambulanz, wo unter anderem Menschen eine Transplantation von Blutstammzellen erhalten. „Würde er die Stammzellenspende nicht bekommen, würde der Patient sterben“, erklärte Körper und zeigte auf ein trauriges Strichmännchen in seiner Präsentation, das eine Bluterkrankung habe.

Dr. Sixten Körper, Abteilungsleiter Blutspende, Apherese und Hämotherapie am Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Ulm (IKT), während des Vortrags zum Weg des Blutes nach der Blutspende.
Karin MitschangAls sich die ersten Besucher der 15-Uhr-Gruppe wieder auf der Sonnenterrasse des Instituts zu einem weiteren Grillwürstchen oder einer Waffel und Getränken einfinden, sind kurz vor 17 Uhr einige große und kleine Besucher dort eingetroffen, die noch auf ihren Vortrag und ihre Besichtigung warten. „Das sind die Cola-Kids von der Blutspende-Aktion“, stellt Jenny Gunther Sohn Neo und seine Freunde Niklas Boeckh und Sebastian Lerch vor, die im Jugendrotkreuz in Schwendi mitmachen und die Blutspender dort stets mit Getränken versorgen. Auch Tochter Kiara und Tobias Lerch, mit dem Jenny Gunther Bereitschaftsleiterin in Schwendi ist, sind mit von der Partie. „Wir sind zum ersten Mal hier und wollen die Produktion und den Bereich Stammzellspende anschauen“, sagt Gunther.

Familie Lerch und Gunther (mit Niklas Boeckh) ist zur Besichtigung ins IKT gekommen - alle engagieren sich fürs DRK oder das Jugendrotkreuz in Schwendi.
Karin MitschangDirekt daneben lässt Günter Miehle aus Allmendingen den Nachmittag schon ausklingen, nachdem er die Ambulanz besichtigt hat, wo sich auch Knochenmarkspender fünf Stunden lang wohlfühlen sollen. „Ich finde es gut, mal zu sehen, wo das Blut nach der Spende hinkommt, und mal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen“, sagt der 112-malige Blut- und Plasmaspender. Unten am Aufzug warten auf die Ehrenämtler am Ende noch Goodie-Bags des DRK-Blutspendedienstes: mit Brotboxen, Kräutersamen, Pflastern und einem Plakat, das für mehr Stammzellenspender werben soll.
Bis zu 2600 Blutkonserven am Tag
Laut Christof Weinstock erreichen 1600 bis 2600 Blutkonserven am Tag das Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Ulm (IKT) in der Helmholtzstraße 10. Die Laboruntersuchung über kleine Röhrchen mit Blut aus jeder Spende findet allerdings in Frankfurt/Main statt.
Wie Ärztlicher Direktor und Medizinischer Geschäftsführer Prof. Hubert Schrezenmeier am Rande des Ehrenamts-Fests erklärte, beteiligt sich das Institut in Zusammenarbeit mit der Uni-Medizin an Forschungsprojekten zur Stammzellentherapie und den sogenannten Car-T-Zellen, die als neue Waffe gegen Krebs und Autoimmunerkrankungen gehandelt werden. Bei der „CAR-T-Zelltherapie“ werden T-Zellen als körpereigene Immunwaffe durch genetische Veränderung darauf programmiert, Krebszellen oder Immunzellen, die eine Autoimmunerkrankung auslösen, zu erkennen und zu zerstören.
Im Kreis Neu-Ulm gibt es lediglich mobile Blutspendeaktionen. Wie Martina Hertle vom BRK mitteilt, werden die Blutkonserven nach Wiesentheid im Landkreis Kitzingen gebracht, bevor sie weiterverarbeitet werden. 2023 haben Menschen im Kreis Neu-Ulm knapp 6800 Mal Blut gespendet.

