Donaufest Ulm
: Jugendcamp ermöglicht ein Wiedersehen für ukrainische Jugendliche

Das Donaufest soll vor allem Raum für Begegnungen schaffen. Beim Donaujugendcamp ist das gelungen, denn dort trafen 15- und 16-Jährige, die mit ihren Müttern nach Deutschland geflüchtet waren, auf Schulfreunde, die nach wie vor in Odessa leben.
Von
Beate Rose
Ulm
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Ukrainische Jugendliche beim Donaucamp, Donaufest 2024hier im Ulmer Rathaus

Wiedersehen mit Schulfreunden: Maksym (zweiter von links) und Grischa (dritter von links) leben mittlerweile in Waldshut in Baden-Württemberg, doch in Ulm beim Donaucamp konnten sie Klassenkameraden aus der Ukraine wiedersehen. „Ich bin so froh darüber“, sagt Maksym, der übers ganze Gesicht strahlt, sobald er davon erzählt.

Beate Rose

Großer Empfang im Rathaus. Im Foyer tummeln sich am Freitagvormittag 80 Jugendliche, lauter Teilnehmer des Donaujugendcamps, die farbige T-Shirts tragen mit dem Aufdruck: „Europa sind wir.“ Sie kommen aus Baden-Württemberg, Bayern, Österreich, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Rumänien, Bulgarien, der Ukraine und Moldawien. Und Martin Bendel, Ulmer Finanzbürgermeister und der Ulmer Geschäftsführer des Donaubüros begrüßt sie und bedankt sich gleich mal bei den Gästen, dass „ihr Fröhlichkeit und Freude zum Donaufest bringt“.

Der Empfang der Jugendlichen im Rathaus war einer der ersten offiziellen Programmpunkte beim 13. Donaufest, das am Freitag, 5. Juli 2024, eröffnet wurde. Zum achten Mal treffen sich dabei auch Jugendliche aus den Donauländern. Diesmal sind 80 angereist, deutlich mehr, nämlich 200 Jugendliche, hatten sich beworben. Begleitet werden sie von 25 Lehrerinnen und Lehrern.

Am Freitag sprach auch Sebastian Rihm, der Direktor des Donaubüros und Donaufest-Leiter zu ihnen, nämlich davon, dass Europa unter Druck steht, es Kriege gibt, Krisen und Gewalt. Als Gegenmittel sieht er jedoch Begegnungen, wie das Donaujugendcamp sie ermöglichen will. „Lernt euch kennen, interessiert euch füreinander“, forderte er die Jugendlichen auf.

Hoffnung auf ein paar Tage ohne Luftalarm

Wie Krieg ist, wissen die ukrainischen Jugendlichen aus Odessa, die im Rathaus an einem der Tisch stehen. Valeria (16) freut sich nämlich hier in Ulm „auf ein paar Tage ohne Luftalarm“, Oleksei nickt bestätigend und auch er freut sich mit seinen 16 Jahren „auf ein paar Tage Ruhe“, wie er sagt. Davon abgesehen möchte Valeria in erster Linie Deutsch sprechen, was sie bereits gut beherrscht, schließlich lernen alle diese Jugendlichen an ihrer Schule Deutsch als Fremdsprache. Lehrerin Karina Beigelzimer, die auch als Journalistin arbeitet, begleitet die ukrainischen Jugendlichen.

Am Tisch der Ukrainer strahlen vor allem Maksym und Grischa (beide 15) übers ganze Gesicht. „Wegen des Donaufestes sehe ich meine Freunde wieder“, sagt Maksym. Schließlich besuchten alle dieselbe Schule in Odessa, lernten von der 1. bis zur 7. Klasse gemeinsam und Karina Beigelzimer unterrichtete sie im Fach Deutsch. Nur flüchteten Maksym und Grischa vor dem Krieg, beide kamen im baden-württembergischen Waldshut unter, nahe der Schweizer Grenze.

„Ich kam am 1. August 2022 in Deutschland an, das weiß ich noch genau“, erzählt Maksym, der gemeinsam mit seiner Mutter geflüchtet war. Der Vater und der große Bruder sind in der Ukraine geblieben. In Deutschland, erzählt er, habe er es gut getroffen, weswegen er mehrfach sagt: „Ich danke Deutschland.“ Er spielt Fußball, jetzt in einer Mannschaft mit Jugendlichen mit italienischer und arabischer Herkunft. In der Schule lernt er in Deutschland in der 8. Klasse, hingegen in der ukrainischen Schule, deren Unterricht er am Nachmittag via Bildschirm absolviert, lernt er in der 9. Klasse. Beim Donaufest sind alle gespannt auf die Stadt, Maksym möchte dabei „etwas mehr über Europa erfahren“.

Einen Tipp für das EM-Spiel am Freitagabend Deutschland -Spanien haben die fußballbegeisterten Jugendlichen aus der Ukraine natürlich auch. „3 :1 für Deutschland“, sagt Mykyta, der in Odessa mit Maksym in einer Mannschaft kickte. Nur ist ausgerechnet während des Spiels der Empfang fürs Donaufest im Edwin-Scharff-Haus in Neu-Ulm und die Jugendlichen sollen möglichst dabei sein. Wie sie dann das Spiel gucken? „Mit dem Handy“, sagt Mykyta und zieht seines schon mal aus der Hosentasche.

Nach dem Empfang im Rathaus gab es für die Jugendlichen Stadtführungen, geleitet von Schülerinnen des Ulmer Schubart-Gymnasiums. Schiefes Haus, Schwörhaus, Münsterplatz - die Jugendlichen bekamen einen ersten Eindruck von Ulm.

Jugendcamp, 13. Donaufest, Empfang im Rathaus

Der Empfang der Jugendlichen und ihrer Betreuer im Ulmer Rathaus. Links im Bild ist der Donaubüro-Direktor Sebastian Rihm.

Beate Rose