FRIZZ: Wie bist du zum Cosplay gekommen?
Marie Nothdurft: Mit zehn fing es mit Sailor Moon im Fernsehen an. Vom Taschengeld habe ich mir jeden Monat ein Mangaheft gekauft. Eine Buchhandlung in der Hirschstraße veranstaltete eines Tages ein großes Manga-Event. Ich ging als die Kamikaze-Diebin. Das war mein allererstes Cosplay-Event. Danach gab es kein Zurück mehr. Mit 18 ging ich mit einer Freundin zur Ulmer Anime-Night als Lucy von Fairy Tail. Es setzten sich zwei Cosplayer an unseren Tisch. Mit einem davon bin ich bis heute zusammen. Er ist mein Fotograf. Es folgten Cosplay-Events in München, Mannheim und Bonn sowie ComicCons in München und Stuttgart.
Frizz: Geht ihr gemeinsam verkleidet auf Cosplay Events?
Marie Nothdurft: Das haben wir einmal gemacht. Aber mit den oftmals sperrigen Verkleidungen kann man nicht beidem – Fotografie und Cosplay – gerecht werden.
Frizz: Wie läuft so ein Cosplay-Event ab?
Marie Nothdurft: Die Events gehen meistens mehrere Tage. Es gibt Workshops, Vorführungen und Wettbewerbe. Das Hauptding ist natürlich, seine Kostüme zu präsentieren. Bei den Wettbewerben kann man einzeln oder zu zweit antreten.
Frizz: Wie groß ist die Szene?
Marie Nothdurft: In Süddeutschland eher gering. Richtig große Events gibt es in Nordrheinwestfalen: in Dortmund, Düsseldorf und Bonn.
Frizz: Was wird dein nächstes Outfit?
Marie Nothdurft: Ich bin gerade dabei, Chun-Li aus Street Fighter zu planen.
Frizz: Warum?
Marie Nothdurft: Street Fighter habe ich früher immer mit meinen Brüdern gespielt.
Frizz: Wie gehst du bei der Herstellung vor?
Marie Nothdurft: Zunächst einmal schaue ich, ob ich an den Stoff zum gewünschten Kostüm überhaupt rankomme. Online bekommt man so einiges. Bei Mustern wird es schwieriger. Deshalb habe ich die Stoffe manchmal auch schon selbst bemalt. Jetzt mache ich mir einen Plan, welche Kostümteile, Waffen und Accessoires in dem Cosplay sind. Mit Hilfe eines Schnittmusters oder „frei nach Schnauze“ nähe ich dann die Kleidung. Ich probiere jetzt immer wieder an – bis das Kostüm komfortabel ist. Man trägt es schließlich den ganzen Tag! Dann besorge ich Material für Waffen und Accessoires und fertige diese an. Jetzt geht es ­darum, die passende Perücke zu finden und um das Styling. Zum Schluss probiere ich alles zusammen an – mit Perücke und Make-up – und freue mich!
Frizz: Wie lange sitzt du an einem Outfit?
Marie Nothdurft: Wenn es nur genäht wird und ich ohne Unterbrechung daran arbeite, dann schaffe ich es an drei, vier Tagen. Ein Wintermantel, zum Vergleich, dauert etwa zehn Stunden. Es kommt immer darauf an, wie knapp die Bekleidung ist (lacht). Rechnen wir also mit rund 15 Stunden. Dann kommen noch die ganzen Accessoires dazu. Beispielsweise die Monster, die Lucy heraufbeschwört. Oder den kleinen Hund. Den habe ich damals gehäkelt. Und Waffen aus Styrodur – eigentlich Dämmmaterial aus dem Baumarkt.
Frizz: Cosplayer trifft man im Baumarkt?
Marie Nothdurft: Genau! Und in Bastelläden und im Wald (lacht). Für die Waldkriegerin Nidalee aus League of Legends wollte ich einen authentischen Speer haben. Ich habe dann stundenlang im Wald gesucht, bis ich ihn gefunden habe.
Frizz: Welches Event steht als nächstes auf dem Plan?
Marie Nothdurft: Die ComicCon in Stuttgart. Wir hoffen, dass sie trotz Pandemie stattfinden wird. Das letzte Event ist immerhin schon zwei Jahre her …
Frizz: Gab es Online-Events?
Marie Nothdurft: Ja. Dort habe ich mir dann einige Vorträge angesehen.
Frizz: So zum Beispiel?
Marie Nothdurft: Ein Thema war der Aufbau und die Präsentation des Standes, wenn man als Künstler Selbstgemachtes wie Zeichnungen, Prints oder Kunstwerke verkauft.
Frizz: Machst du Auftragsarbeiten?
Marie Nothdurft: Gerne auf Anfrage!
Frizz: Welcher Charakter hat dich am meisten geprägt?
Marie Nothdurft: Die Kamikaze-Diebin! Weil es der erste Kontakt in die Cosplay-Szene war. Und Belle von Beauty and the Beast. Das Kleid, das Emma Watson in der Echtverfilmung trägt, steht ganz oben auf meiner Liste! Den Chiffon, aus dem das Kleid ist, bekommt man zwar überall, die Verzierungen aber nicht. Die müsste man aufmalen. Draufsticken ginge auch. Heutzutage gibt es auch Stickmaschinen. Wenn man eine richtig gute will, dann ist man mit 2.000 Euro dabei. Ich würde außerdem noch gerne mal Elsa machen.
Frizz: Geschätzt: Wie viele Stunden wird Belle in Anspruch nehmen?
Marie Nothdurft: Gut 30 Stunden.
Frizz: Eine letzte Frage: Wie würdest du jemandem Cosplay erklären, der noch nie davon gehört hat?
Marie Nothdurft: Cosplay bedeutet, sich als sein Lieblingscharakter nicht nur zu verkleiden, sondern auch ganz in seiner Rolle aufzugehen. Vollkommen unwichtig, ob man die perfekte Hautfarbe oder Figur dafür hat. Alle sind in der Szene geschätzt und akzeptiert.

Zur Person

Marie Nothdurft (25) arbeitet als Lehrkraft mit geistig behinderten Grundschülern. Zuvor hat sie Digital Filmdesign in München studiert. Nach dem Studium zog es sie zurück zur Familie nach Neu-Ulm. Anfragen und Inspiration auf Instagram: ranyan_art