Appell an die Vernunft: Die Vorglühbar hat am Freitag mit einer aufsehenerregenden Aktion auf Facebook vor dem Lockdown am Montag ein Ausrufezeichen gesetzt.
„Mit großer Freude laden wir euch ein, Mitglieder unserer neuen Kirchengemeinde: Kirche des heiligen Bieres zu werden“, hatte die Kneipe zunächst auf ihrer Facebook-Seite geschrieben. Bezugnehmend auf Artikel 4 des Grundgesetzes zur freien Glaubensausübung wolle die Bar weiterhin Gäste empfangen – unter Schutz und Schirm einer „malzhaltigen Gottheit“.
In der „Kirche des Heiligen Bieres“ in der City sollen demnach von Montag an ab 19 Uhr zu jeder vollen Stunde 20-minütige „Bier-Messen“ stattfinden. Speziell ausgebildete Messdiener sollen die Predigten „ausgewählter Braumeister begleiten“ und die Gäste „in die Rituale des besinnlichen Trinkens einführen“, heißt es. Um Teil der Kirche des Heiligen Bieres zu werden, müssten potenzielle Gläubige den Betreibern zufolge lediglich einen Mitgliedsantrag ausfüllen.
Auf Facebook wurde die Aktion von vielen Usern gefeiert, es gab hunderte meist positive Kommentare.

Auflösung per Video

Am Abend löste Vorglühbar-­Betreiber Oliver Gomez die Sache dann in einem zweiminütigen Video auf. Es habe genau die Reaktionen gegeben, die er erwartet habe – er habe den Leuten „den Spiegel vorhalten wollen“. Es sei genau dieses Auslegen und Beugen von Regeln, „dass uns in die Scheiße geritten hat“. Jeder sei mitschuldig an dem, was von Montag an nun wieder los sei.
Alle müssten endlich verstehen, dass sie Teil des Problems wären, aber auch Teil der Lösung sein könnten, sagte Gomez und appellierte: „Lasst uns vier Wochen mit den Regeln durchstehen!“ Also: Kontakte minimieren; aufhören, auf Underground-Partys zu gehen; und aufhören, die Leute zu feiern, die die Regeln brechen.
Das sei wichtig, betonte Oliver Gomez, damit die Menschen, deren Existenz daran hänge, wieder eine Perspektive bekämen. Die Leute sollten also in den kommenden vier Wochen zuhause bleiben, mit Freunden telefonieren, Serien schauen, Essen beim Lieferdienst bestellen oder in Lokalen abholen und so die Gastronomie vor Ort unterstützen.