Inzwischen zeichnet sich die Dimension des neuen Standorts von Conti in Neu-Ulm ab. Es handelt sich um einen regelrechten Campus für 700 Mitarbeiter mit Testlabors für den Einbau moderner Fahrerassistenz­systeme in Autos. Bei der angepeilten Umsiedlung des Autozulieferers vom Science Park II in Ulm spielte für Standortchef Wolfgang Fey auch das Umfeld an der Wegener Straße mit Shops, Restaurants und Kinderbetreuung eine Rolle.
Eine solche Infrakstruktur für die Beschäftigten fehle in der Wissenschaftsstadt in Ulm. Auch der Campus mit 17.500 Quadratmetern stellt die Mitarbeiter betont in den Mittelpunkt. Es soll in der warmen Jahreszeit sogar Arbeitsplätze auf Terrassen geben, auch eine Kantine. Fey: „Wir wollen ein angenehmes Arbeitsklima.“ Fertigstellung: 2021/2022.
Dabei bleibt offen, ob Continental (siehe Infokasten) den Gebäudekomplex in Nachbarschaft zur Forschungsklinik selber erstellt oder von einem Investor mietet. Es soll in jedem Fall ausreichend Parkplätze und Radstellplätze geben. Eine Optionsfläche zur Memminger Straße hin bietet Expansionsmöglichkeiten.
Bisher ist Conti mit 500 Mitarbeitern auf drei Standorte verteilt. Zwei davon befinden sich in der Lise-Meitner-Straße im Science Park, wo Conti beim Start 2012 zahlreiche Mitarbeiter des damals geschlossenen Nokia-Forschungszentrums übernommen hatte. Der dritte Standort liegt bereits in Neu-Ulm: Conti hat 200 Beschäftigte in der Glacis-Bastion am Bahntrog untergebracht.

„Da ist keiner sauer“

Fey sieht durch den Wechsel auf die bayerische Donauseite auch keine Gefahr, den Kontakt zur Wissenschaftsstadt zu verlieren. Es gebe schon heute kurze Wege. Er machte keinen Hehl daraus, dass in Ulm auch der neue Science Park III auf der Westseite des Berliner Rings im Angebot für Conti war. Die starke Hang­lage habe sich jedoch als Nachteil erwiesen, außerdem gab es keine Erweiterungsmöglichkeiten – und eben keine nennenswerte Infrastruktur für die Mitarbeiter. Die Grundstücksverhandlungen seien über den Stadtentwicklungsverband Ulm/Neu-Ulm gelaufen, so dass auch auf Ulmer Seite – trotz des Verlusts an Prestige und Gewerbesteuer – niemand nachtragend sei: „Da ist keiner sauer.“
Conti zählt zu den Vorreitern bei Assistenzsystemen fürs Autofahren – mit dem Ziel autonomes Fahren. Der Standort Ulm gehört wie Riemerling bei München und der Teststrecke am Flughafen Memmingen zur Conti-Tochter ADC mit Sitz Lindau. ADC steht für Automotive Distance Control, also Abstandskontrolle. Sie zählt mit Tempomat und Bremsassistent zu den wichtigsten Elementen des assistierten Fahrens. Hierbei geht es nach Feys Worten um Komfort und Sicherheit, mit ständig steigenden Anforderungen.
So müssen mittlerweile auch Fußgänger erkannt werden. Bei Lastwagen sei der Notbremsassistent wegen vieler Auffahrunfälle schon Plicht. Die Technologie werde sich aber bis zu Kleinwagen durchsetzen. Ein Trend aus den Vereinigten Staaten seien überdies Rückfahrkameras. Sie sollten beispielsweise Unfälle beim Ausparken von SUVs auf Parkplätzen am Supermarkt vermeiden. Der Standort Ulm/Neu-Ulm ist auf Kameratechnologie und die Zentralelektronik spezialisiert, Riemerling auf Radar.

Ausreichend Nachwuchs

Fey zeigte sich besonders erfreut, dass er vor Ort ausreichend Spezialisten einstellen kann. Für die Absolventen von Universität und Hochschule sei das Thema autonomes Fahren interessant. Der Standort  werde zudem durch die schnelle Bahntrasse nach Stuttgart noch attraktiver. Conti sei gleichzeitig sehr international aufgestellt, mit Mitarbeitern aus 23 Nationen – auch im Zuge der Übernahmen von Nokia
Das Conti-Team hat soeben auch 2000 Euro an den Verein für tumor- und leukämiekranke Kinder gespendet: mit Boni aus dem internen Ideenmanagement.

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Bedeutendes Geschäftsfeld

Konzern Die Continental AG (Hannover) wurde 1871 gegründet und erzielte auf Grundlage vorläufiger Zahlen 2018 einen Umsatz von rund 44 Milliarden Euro: mit rund 244 000 Mitarbeitern in 60 Ländern.
Geschäftsbereich Die Division Chassis & Safety produziert Systeme wie elektronische und hydraulische Bremsen und Fahrwerkskomponenten, Sensoren, Fahrerassistenzysteme oder Airbag-Elektronik.
Sicherheit Chassis & Safety beschäftigt 47 700 Mitarbeiter, mit etwa 10 Milliarden Euro Umsatz. Dazu zählen eben Fahrerassistenz­systeme, auch für Parken und Überholen, aber vor allem für Sicherheit.