Ein Freitagnachmittag in der Ulmer Friedrichsau. Menschen spazieren auf den Wegen, liegen im Gras, genießen die Sonne. Aus dem Biergarten Liederkranz tönt Musik, es duftet nach Burgern. Vor dem Liederkranz steht ein rot-weißer VW T2, er glänzt so sehr, dass es fast blendet. Das Dach des Fahrzeugs ist zur Seite hin aufgeklappt, wo sonst die Fenster sind, stehen Glasflaschen in Reih und Glied, Limetten und Zitronen warten darauf, aufgeschnitten und mit Säften und Spirituosen zu Drinks gemixt zu werden.

Idee kam im Thailand-Urlaub

Inmitten seiner mobilen Cocktailbar steht Claudiu Hartwig. Der kräftige Mann mit Vollbart und Käppi nimmt die Bestellung auf. Gekonnt jongliert er mit Flaschen, Shaker, Eiswürfeln und Bechern. Es dauert nicht lang, und ein Mojito steht auf der ausgeklappten Theke. Die Kundin strahlt, bezahlt und will gehen – aber ihr Begleiter ist noch nicht fertig mit dem Bewundern des Busses. „Fährt der noch?“, will der Mann wissen. „Klar“, sagt Claudiu. „Aber er hat keine Zulassung, deswegen laden wir ihn immer auf einen Hänger und rangieren nur vor Ort, bis er an der idealen Position steht.“ Man merkt dem 29-Jährigen den Stolz auf sein Fahrzeug an. Wer nachfragt, bekommt die Geschichte dazu erzählt: Dass er im Thailand-Urlaub vor sechs Jahren einen solchen Cocktailbus gesehen hat und die Idee toll fand. Dass er dabei die Chance witterte, seinen Traum von der Selbstständigkeit wahr zu machen. „Ich wollte schon als ich klein war für mich selbst arbeiten und nicht für jemand anderen.“ Dass er dann in Griechenland einen schrottreifen T2 gekauft und in Rumänien restaurieren hat lassen. „Karosserie, Motor, Mechanik, der wurde komplett überholt.“ Dass er den Innenausbau über zwei Jahre selbst mit Freunden und Bekannten gemacht hat, bis das Schätzchen so dasteht wie heute. Das Baujahr findet sich sogar im Namen wieder: „Stranger 74“ heißt Claudius Firma. Der gebürtige Rumäne hat viel Herzblut in seinen Bus gesteckt – besser gesagt in seine Busse. Denn Claudiu hat den T2 auch in Blau-Weiß. Da versteckt sich im Inneren dann keine Bar, sondern eine Fotobox. Und an einem weiteren Busprojekt ist er gerade dran, aber dazu will er noch nichts verraten.

Cocktailbus mit Wow-Effekt

Sein aktuelles Prachtstück ist momentan heiß begehrt. „Viele Firmen haben uns gebucht, die wollen nach zwei Jahren Corona wieder etwas machen für ihre Mitarbeiter. Aber auch auf Street-Food-Märkten, Messen und Hochzeiten sind wir unterwegs. Neulich waren wir auf einem Geburtstag.“ Der Cocktailbus sorgt für einen Wow-Effekt – und die süffigen Cocktails tun ihr Übriges. „Mai Tai und Mojito gehen am besten“, erzählt der Barkeeper. Er selbst trinkt am liebsten einen anderen Klassiker: „Cuba Libre“. Bei Alkohol und guter Laune lockert sich bei so manchem Gast die Zunge, manchmal sei man in dem Job schon auch Seelsorger, lacht er: „Aber für Barkeeper gilt wie für Priester das Beichtgeheimnis.“
Mehr über Claudiu, den Bus und wie man ihn buchen kann unter thecocktailbus.de oder auf facebook.com/TheCocktailBusUlm
[frizz]