Coaching: Look Up im Lockdown

Ein Wandercoaching mit Businesscoach Karin Probst kann in Krisensituationen oder beim Wunsch zu einem Neustart ein Lichtblick sein.
Heike ViefhausFRIZZ:„2021 kann nur besser werden“, so hoffen viele in Coronazeiten, auch was persönliche Vorsätze fürs neue Jahr angeht. Ziel: Sich auf ein höheres Niveau schrauben – in Sachen gesunder Lebensstil, Beruf sowie im Privaten. Inwiefern ist jetzt ein guter Zeitpunkt für einen Neustart?
Karin Probst: Die Zeit um den Jahreswechsel war sicher gut, um das vergangenen Jahr zu reflektieren. Erfahrungsgemäß überfordern sich manche schon in den ersten Monaten des neuen Jahres mit ihren Vorsätzen. Das erleben sie als Stress, sie werden unzufrieden. Zusätzlich bringt die Pandemie aktuell für viele große Herausforderungen, ob Konflikte in der Familie, Einsamkeit oder wirtschaftliche Nöte. Von daher: Ein kleiner wohldosierter Neustart, der an jedem Tag im Jahr möglich ist, wäre besser ... als Coach kann ich dabei helfen.
FRIZZ:„Level up“ bedeutet nicht nur, mehr Leistung zu bringen, sondern auch Ausgleich zu finden. Oder auch fähig zu sein, sich anzugleichen.
Karin Probst: Ja, und die meisten Menschen wissen intuitiv, dass bei ihnen etwas anders laufen müsste. Zum Beispiel, dass einem die Disziplin fehlt, um mit dem Rauchen aufzuhören. Oder dass man seinen Partner umkrempeln möchte, wohlwisssend, dass das nicht geht. Den Leuten ist eigentlich klar, wie sie ihr Anliegen gelöst bekommen. Aber sie erinnern sich zu selten daran. Oder haben Bedenken, es durchzuziehen oder fühlen sich ohnmächtig. Dabei sind es manchmal gar nicht die Dinge selbst, die man ändern sollte, sondern lediglich die Einstellung dazu. Ganz gleich um welches Anliegen es sich handelt, in meinen Coachings erfahre ich meistens: Eine Einstellungsänderung führt dazu, dass man einer Angelegenheit nicht mehr in Kampfhaltung und mit Widerstand begegnet. Man spart sich wertvolle Energie. Man wird gütiger zu sich und anderen.
FRIZZ:Um sich eine andere Sichtweise zuzulegen, muss man sich selbst beobachten, hinterfragen und ehrlich zu sich sein. Disziplin gehört auch dazu. Mitunter nicht einfach, ganz alleine da die Kurve zu kriegen.
Karin Probst: Stimmt. Ein Coaching ist auch nicht zu vergleichen mit Rat und Trost von Kollegen, Freunden oder Familie – man erhält mit Sicherheit keine Ratschläge. Manchmal braucht es das Ohr und den Impuls einer Außenstehenden, die die gewohnten Muster auf Dienlichkeit untersucht und zu neuen Sichtweisen und Copying-Strategien inspiriert. Im systemischen Coaching gilt jedes Verhalten innerhalb eines Systems zunächst einmal als sinnvoll. Es ist also ein heiterer, wertschätzender und lösungsorientierter Ansatz.
FRIZZ:Woran merkt man denn: „Es ist fünf vor zwölf, für eine Wende in meinem Leben brauche ich Unterstützung“?
Karin Probst: Eigentlich ganz einfach: Fühlt man sich wohl, ist alles gut. Fühlt man sich nicht wohl, ist es nicht gut. Körperliche Reaktionen können darauf hindeuten, dass etwas im Argen ist: Kopf- oder Bauchschmerzen oder ein lästiges Zucken im Augenwinkel zum Beispiel; Unkonzentriertheit, gereizt sein, eine steigende Unfallhäufigkeit – das ist individuell verschieden. Was jedoch immer ein Alarmzeichen ist und worunter leider schon jeder dritte Bundesbürger leidet, ist, dass man keinen erholsamen Schlaf mehr findet: Man kann nicht einschlafen, weil man Gedanken wälzt. Nachts wacht man auf und grübelt.
FRIZZ:Arzt oder Psychologe sind dann nicht unbedingt die erste Adresse – Coaching kann auch helfen.
Karin Probst: Klar. Und als guter Coach kennt man seine Grenzen. Ich weiß, wann meine Kompetenz überschritten ist und ich Coachees an andere Adressen verweisen muss. Damit meine ich nicht nur an Therapeuten oder Mediziner. Auch Experten in Beratungsstellen zu Familienangelegenheiten, Beruf, Finanzen etc. gehören zum Netzwerk.
FRIZZ:Wie muss man sich ein Coaching vorstellen? Und in welchen Belangen kann es zielführend sein?
Karin Probst: Grundsätzlich hat Coaching den Anspruch, eine einmalige, situative Sache zu sein. 90 Minuten sind dafür veranschlagt. Der Coachee steuert den Prozess allein. Er kann jederzeit vorher abbrechen und auch entscheiden, ob er mich wieder konsultiert. Vorkenntnisse braucht er keine. Er sollte sich nur über sein Anliegen im Klaren sein, das kommt meist schon im Vorgespräch zur Sprache. Und wenn nicht, könnte das Gegenstand des Coachings werden: Herauszufinden, was ich eigentlich will. Die Absichten meiner Coachees sind grundverschieden: Leidvolle Schlafstörungen, Mobbing und Konfliktsituationen am Arbeitsplatz. Jemand anderes fühlt sich nicht wahrgenommen – bis man im Coaching auf den Trichter kommt, dass es buchstäblich nur einer anderen Blickrichtung bedarf, indem man den eigenen Kopf hebt, um von anderen Leuten gesehen und grüßend angelächelt zu werden … ganz simpel also. Oder ich bekomme den Auftrag: „Stellen sie unsere Firma systemisch um.“ Das ist ein harter Prozess, der einige Dinge ans Tageslicht befördern kann, die man nicht sehen will. „Ja, aber da können wir nicht ran. Coachen sie da mal drum rum“, heißt es dann. In einem solchen Fall muss man als Coach auch den Mut habe, hinzustehen und zu sagen: „Stop! Sie können nicht auf der eine Seite ein selbstorganisiertes Unternehmen wollen und auf der anderen Seite mit Druck und Abwertung agieren.“ Mein Job ist es, Coachees da durch zum ausgemachten Ziel zu führen.
FRIZZ: Wie muss man sich das „Geführtwerden“ konkret vorstellen?
Karin Probst: Das geschieht, indem ich Fragen stelle. Ich weiß genauso wenig, wie der Mensch, den ich gerade coache. Durch das Fragen helfe ich, Gedanken zu sortieren. Dadurch tun sich neue Möglichkeitsräume auf in denen der Coachee selbst die Lösung findet. Ich arbeite unter anderem nach dem hypnosystemischen Ansatz von Milton H. Erickson, dem Gründer der Selbsthypnose und auf Basis der „Gewaltfreien Kommunikation“ nach Marshall B. Rosenberg. In Beratung und im Training läuft es nochmal etwas anders. Da habe ich mich vorinformiert. Ich weiß, wie mein auftraggebendes Unternehmen funktioniert, kenne die arbeitsrechtlichen Gesetze. Dort spiele ich auch theoretisches Wissen ein, gebe eine Haltungsänderung vor, zum Beispiel „Agilität“ im Management. Es gibt Aufgaben und Reflektionen, bis die neue Denkweise und die damit verbundenen Fähigkeiten zu einer Änderung im Verhalten führen.
FRIZZ:Anhand Ihrer über 22-jährigen Erfahrung, wie offen sind die Menschen gegenüber Coaching und vor allem jetzt in Pandemiezeiten?
Karin Probst: Sehr offen. Es werden täglich mehr Anfragen. Die schicksalhaften Herausforderungen und konkreten Probleme, die gelöst werden möchten, werden mehr. Und hier ist Coaching eine gute Anlaufstelle, auch zur Überbrückung bis man vielleicht einen Therapieplatz gefunden hat. Vor allem bei Personen aus dem Pflegebereich macht sich eine tiefe Erschöpfung breit. Ganz allgemein sind viele Leute gestresst, es häufen sich Fehler, Machtkonflikte und schlechte Kommunikation. Leider gibt es auch sehr viel mehr Selbstmordgefährdungen.
FRIZZ: Nicht nur Pflegende, auch Gastronomen, Künstler, Selbstständige und viele mehr hat die Corona-Krise hart getroffen. Sie möchten diesen Personen helfen?
Karin Probst: Ja, ich biete einmalig ein kostenloses Wandercoaching oder Online-Coaching als meinen kleinen solidarischen Beitrag in der Krise. Man kann mit mir seine Anliegen zum Beispiel auf dem Ulmer Hochsträß im wahrsten Sinne des Wortes ,durchgehen‘ – oder auch gerne in einem Online-Meeting, oder per Telefon, um wieder etwas Kraft zu tanken.
Zur Person
Bevor Karin Probst als Coach andere dabei unterstützte, individuelle Lösungswege für Konflikte zu beschreiten, stand sie nach einem Schauspielstudium in Berlin auf den Brettern, die die Welt bedeuten: Erste Station waren die Berliner Kammerspiele, dann folgte ein Engagement am Schauspielhaus Hamburg und schließlich folgte sie dem Ruf an die Bremer Shakespeare Company. Seit dem Teenageralter war beziehungsweise ist sie in vielerlei Weise unterrichtend tätig, so zum Beispiel im Bereich Atemtechnik oder Theaterpädagogik. Als zertifizierter systemischer Coach, Beraterin und Trainerin arbeitet Karin Probst seit 1998 mit Privatpersonen sowie Unternehmen vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz.