FRIZZ: Stefi, du sammelst Christbaumkugeln. Wie kam es denn dazu?
Stefi: Ganz genau weiß ich das nicht mehr. Es wird aber so um die 20 Jahre her sein, da gab es einen kleinen Dekoladen im Fischerviertel. In dem Laden ist heute „Fischerins Kleid“ drin. Dieser Krimskrams-Laden hatte zur Weihnachtszeit immer ein paar besondere Christbaumkugeln. Eine meiner ältesten Kugeln hab ich in diesem Laden gekauft – eine barbusige Gallionsfigur. Das ist auch meine Lieblingskugel, gerade weil sie ein bisschen verrückt ist und auf den ersten Blick auch nicht unbedingt an den Weihnachtsbaum gehört. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube mit der Kugel hat das alles seinen Anfang genommen.
Frizz: Das heißt, hätte es den kleinen Dekoladen nicht gegeben, wäre es gar nicht zu der Sammlung gekommen?
Stefi: Doch, ich glaube schon. Der Weihnachtsbaum mit seiner Deko ist bei uns in der Familie fest verankert. Meine Mutter schmückt den nämlich auch recht individuell. Sie verfolgt dabei aber einen etwas anderen Ansatz. Da sind Kugeln in zwei Hauptfarben am Baum, die von einigen verrückteren Exemplaren, zum Beispiel Hunde-Kugeln ergänzt werden. Man könnte also sagen, das ganze Kugel-Thema wurde mir in die Wiege gelegt. (lacht)
Frizz: Und wo kaufst du deine Kugeln heute? Vermutlich nicht im Internet.
Stefi: Nein, tatsächlich nicht. Mein Mann und ich sind oft auf Reisen und da schaue ich immer nach neuen Kugeln. Vor allem in den USA halte ich grundsätzlich Ausschau nach Christmas-Shops. Die haben ja das ganze Jahr über geöffnet. Man kann sagen, alle Kugeln werden vor Ort gekauft. Daher halte ich im Urlaub auch immer die Augen offen. Mein Mann übrigens auch. (lacht)
Frizz: Hat dein Mann also deine Leidenschaft übernommen?
Stefi: Ja, das kann man so sagen. Mittlerweile ist das eine Familientradition bei uns. Er weiß, dass mir das Thema an sich unheimlich viel Freude macht und dass ich wahnsinnig gern den Weihnachtsbaum schmücke. Was es für uns beide aber dann noch ganz besonders macht, sind die Erinnerungen, die mit den jeweiligen Kugeln verknüpft sind. Da sitzt man abends auf dem Sofa, schaut den Baum an und erinnert sich: „Diese Kugel hab ich in Sausalito, dem Kennedy Space Center oder beim Trip durch Texas gekauft.“ Das ist einfach schön ...
Frizz: … und ein tolles Gesprächsthema, wenn Freunde da sind, nehme ich an.
Stefi: Absolut. Die meisten fragen auch direkt von sich aus, woher jene Kugel kommt oder ob wir wieder neue haben.
Frizz: Von wie vielen Kugeln sprechen wir eigentlich?
Stefi: Gute Frage. Es sind auf jeden Fall mehr als an einen Baum passen. (lacht) Ich glaube es dürften um die 50 Kugeln sein.
Frizz: Gibt es denn die eine Kugel, die dir fehlt? Sozusagen eine Traumkugel?
Stefi: Nein. Die Kugeln sind ja immer Spontankäufe. Daher würde ich mir auch keine Kugel von Orten oder Sehenswürdigkeiten kaufen, bei denen ich noch nie war. Wie gesagt, neben der Kugel an sich steht auch die Erinnerung an die jeweilige Reise im Fokus.
Frizz: Reisen spielt in deinem Leben eine wichtige Rolle. Seit 2014 hast du deinen Blog, der sich hauptsächlich damit befasst. Was bedeutet Reisen für dich?
Stefi: Ganz einfach gesagt ist es dieses „Über den eigenen Tellerrand schauen“. An Orten eben nicht nur als Tourist zu sein. Zu erfahren und zu sehen, wie es ist, woanders zu leben und auch zu erleben, wie die Menschen dort sind, ist einfach toll. Generell kann ich mich riesig darüber freuen, wenn ich auf einer Reise jemanden treffe und wir ins Gespräch kommen. Das Treffen war nie geplant und ich werde diesen Menschen vermutlich nie wieder sehen, aber die kurze Zeit, die wir miteinander verbringen, ist einfach toll. Das gibt mir etwas. Und dann natürlich auch die Erfahrungen und vielen Erinnerungen, die man sammelt. Wir hatten zum Beispiel auf einer unseren letzten Reisen eine Reifenpanne in der Wüste Utahs. Da erhielten wir ganz unverhofft Hilfe von Menschen mit mormonischem Background. Mit denen wären wir vermutlich so nie zusammengekommen. Genau solche Begegnungen sind einfach schön.
Frizz: Auch wenn du schon viel rumgekommen bist: Fehlen dir noch Ziele auf deiner Bucketlist?
Stefi: Ja. Ich möchte unbedingt mal nach Alaska. Das ist eins von den Reisezielen, vor denen mein Mann und ich uns bisher etwas gescheut haben. Wir sind zwar recht gut für einen Campingurlaub im Zelt ausgestattet, aber wenn Alaska, dann richtig, wie zum Beispiel mit dem Besuch des Nationalparks „Gates of the Arctic“. Und dafür fehlt es uns doch an Equipment, vor allem für Notfallsituationen, wie Begegnungen mit Eisbären und so weiter. Und Urlaub im Hotel in Alaska … eher weniger. Wenn schon, denn schon. (lacht)
Frizz: Du bist generell viel in Deutschland und – gerade auch – in der Region unterwegs. Ist das dann überhaupt eine Art Reise für dich?
Stefi: Ja, würde ich schon sagen. Urlaub und Reisen muss ja nicht teuer und auch nicht weit entfernt sein. Ein verlängertes Wochenende am Bodensee mit Ausflügen zum Affenberg, einer Schifffahrt und einer kleinen Radtour ist für mich durchaus Entspannung und Erholung und hat dadurch auch etwas „Urlaubiges“. Und natürlich triffst du auch da interessante Leute und sammelst Erinnerungen.
Frizz: Wenn wir schon bei Deutschland und der Region sind. Der Droste-Verlag hat eine Buchreihe namens „Glücksorte“ und du warst verantwortlich für die Ausgabe rund um Ulm und Neu-Ulm. Wie kam das zustande?
Stefi: Tatsächlich hat mich der Verlag einfach angeschrieben und gefragt ob ich nicht „Glücks- ort-Autorin“ sein möchte. Nach kurzer Recherche hab ich zurückgeschrieben, dass ich natürlich Interesse habe. Parallel fing es in meinem Kopf auch schon an zu arbeiten und ich hab mich direkt an die Liste gesetzt. In dem Buch sind 80 Glücksorte. Das ist echt nicht wenig. (lacht)
Frizz: 80 Orte ist ne Ansage. Wie lange hast du denn an dem Buch gearbeitet?
Stefi: Etwa ein Dreivierteljahr. Da war dann aber auch alles dabei. Glücksorte raussuchen, Texte schreiben, Bilder machen und auswählen. Da kam einiges zusammen. Und das alles neben meinem Job. Rückblickend denke ich oft: „Wow, wie hab ich das nur hinbekommen?“
Frizz: Bist du zufrieden mit dem Ergebnis?
Stefi: Total. Schon allein, dass ich diese Chance bekommen habe, ist der Wahnsinn. Dann hat die Arbeit wirklich Spaß gemacht – und etwas für ein Buch zu produzieren, ist einfach nochmal was ganz anderes. Auch, dass ich bei der Wahl der Orte komplett freie Hand hatte, ist natürlich super. Ich bin echt glücklich, dass sich das ergeben hat.
Frizz: Lass uns zum Abschluss nochmal kurz auf eine andere Art Kugel zurückkommen. Wenn du jetzt in die Kristallkugel schaust: Zeichnet sich schon etwas für 2022 ab?
Stefi: Meine Elternzeit ist im Frühjahr vorbei. Das heißt, ich starte zum einen wieder im Job und zum anderen geht mein Sohn dann in die Krippe. Das allein wird schon spannend. Was das Thema Reisen angeht, haben wir noch nichts geplant. Das haben wir aber um ehrlich zu sein noch nie. Wir sind da immer recht spontan. Aber auch wenn wir noch nicht wissen wann und wohin, auf Reisen wird es auch 2022 gehen. Daneben habe ich auch noch ein Buch-Projekt in der Pipeline, über das ich aber noch nichts Konkretes verraten möchte. Und dann schauen wir einfach mal, was das Jahr sonst noch bringt. (grinst)

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