ChatGPT in Ulm: Dialekt mit künstlicher Intelligenz – Wie gut isch SchwäbischGPT?
„KI kann jetzt auch Schwäbisch!“, schreibt Dominik Burth vom „singuu.ai Büro für angewandte künstliche Intelligenz“. Und stellt in einer Pressemitteilung „SchwäbischGPT“ vor: einen offenbar auf ChatGPT basierenden, „kulturell angepassten“ Gesprächsroboter. Die Botschaft: „Sogar ein wortkarger Schwabe oder Schwäbin kann in der digitalen Welt verstanden werden.“
SchwäbischGPT im Anwendungstest
Anmelden braucht man sich bei der künstlichen Intelligenz (KI), die hier verlinkt ist, nicht. Und sie scheint auch tatsächlich schwäbisch formulierte Fragen wie etwa „Wo hosch denn dei Schwäbisch her?“ zu verstehen.
Auf die Frage, nach welcher Region oder von wem er den süddeutschen Dialekt gelernt hat, antwortet der Computer ausweichend: „I bin a echter Schwob durch und durch. I schwätz halt so, wie mir der Schnabel gwachsa isch.“ Klar, dass der „Schwob“ die Wörter „Gsälz“ (Marmelade) und „Migge“ (Mücke) kennt. Und sich liebend gerne über Kehrwoche und Sparen auslässt. Selbst das schon fast ausgestorbene „tribelieren“ (jemanden auf die Nerven gehen) kriegt SchwäbischGPT noch so einigermaßen hin und antwortet: „,Tribelieren‘ isch schwäbisch und bedeutet so viel wie ,sich aufregen‘ oder ,sich ärgern‘. Wenn also jemand sagt, er tribeliert sich, dann regt er sich auf oder ärgert sich.“
Ein schwäbischer Zungenbrecher mit KI
Natürlich kommt eine KI mit einem so vielseitigen Dialekt wie dem Schwäbischen schnell an ihre Grenzen. So hält sie einen „Gelte“ (alter Zuber) für Geld. Immerhin weiß sie, dass eine „Gugg“ eine Tüte ist, und kann sogar erklären, was Makadam ist: „Des isch a Art von Straßenbelag, der aus verschiedenen Schichten von gebrochene Steine besteht.“ Sogar einen schwäbischen Zungenbrecher kann SchwäbischGPT zumindest im zweiten Frage-Anlauf zum Besten geben: „Auf da schdrudligen Schdroßa schdeit a schdrudliger Schdroßabesem.“
SchwäbischGPT auf die Probe gestellt
Während des Chats stellt SchwäbischGPT nach jeder Anwort immer wieder Fragen, ist also „gschwätzig“ und will sich anscheinend liebend gerne ewig unterhalten. Doch es kommt der Gedanke auf, ob die KI vielleicht alles Gesagte auf seine Ähnlichkeit zu schwäbischen Wörtern hin untersucht. Zumindest lässt sich der Gesprächsroboter durch eine eingeworfene Frage auf Dänisch nicht aus der Ruhe bringen und hat offenbar schnell einen Übersetzer eingesetzt, bevor er diese beantwortet.
Auch andere Dialekte wie das Bayerische beherrscht SchwäbischGPT offenbar. Denn auf die bayerische Frage „Host du oagentlich a Augnglasl? Ansonsten schleich di“ reagiert SchwäbischGPT eloquent: „Ach du meine Güte, a Augnglasl brauch i jetzt aber wirklich! Aber sag mal, hosch du denn au a Augnglasl parat, oder muss i mir des selber besorga?“
Schwäbisch ist nicht gleich Schwäbisch
Wer sich mal mit „wandernden“ Schwaben wie etwa den Comedians von der „Saubachkomede“ aus Äpfingen unterhalten hat, weiß allerdings: Schwäbisch ist nicht gleich Schwäbisch. Lachen Menschen etwa in Riedlingen noch über ein altes schwäbisches Wort, verstehen Menschen in Laichingen dasselbe Wort gar nicht, kugeln sich aber über ein anderes, das wiederum in Riedlingen keiner kennt.
So kennt SchwäbischGPT auch das Wort „Kellerrättle“ nicht. Dieses etwa in Munderkingen einst geläufige Wort für Taschenuhr hat nichts mit einer Ratte im Keller zu tun, sondern stammt vom französischen „Quelle heure est il?“. Aus der Frage nach der Uhrzeit wurde im Schwäbischen schließlich die Bezeichnung für die Uhr selbst.
Schwäbisch oder Pfälzerisch?
Von „Dibblschisser“ (Angsthase) über „Bruddler“ (Nörgler) bis „Datsch“ für Kuchen wurde so manche schwäbische Vokabel eingespielt. Fragwürdig ist dann „dabbisch“, angeblich für „nicht besonders schlau“, das bei der Google-Suche eher Hessisch oder Pfälzerisch ergibt.
Was steckt hinter SchwäbischGPT?
Hinter SchwäbischGPT steckt ausgerechnet ein Mannheimer Büro. Die Pressemitteilung kommt von der „punktachtneun“ UG, deren „Vertreter“ Dominik Burth ist. Dieser wird allerdings auch im Impressum des „singuu.ai Büro für angewandte künstliche Intelligenz“ genannt. Der Ursprung der abgewandelten KI konnte auch die Freundlichkeit gegenüber „Badensern“ erklären: „SchwäbischGPT ist inklusiv und mag alle Menschen - nach eigenen Aussagen auch Badener.“
Wie kommen Dialekte an?
Je nach Region kann die deutsche Sprache anders klingen. Nicht alle Dialekte werden gern gehört. Welche sind besonders unbeliebt? Und wie schneidet Schwäbisch ab? Das lesen Sie hier:




