Brennerei Feller in Regglisweiler: Vom Obst zum Destillat – „Die Kunst des Brennens ist das Trennen der Alkohole“

Zwischen sechs und acht Jahre lagert der Whisky in Fässern aus amerikanischer Weißeiche, erfahren die Gewinner von „SWP on Tour“.
Matthias Kessler- Brennerei Feller in Regglisweiler: Führung bei „SWP on Tour“ mit Einblick ins Brennen.
- Familie hat seit 1820 Brennrecht; 2009 kam zur Abfindungs- die Verschlussbrennerei.
- Verarbeitet 15–40 t Obst/Jahr; ergibt 2500–7500 l Brände und Liköre.
- Whisky lagert 6–8 Jahre in US-Weißeiche; rund 700 Fässer à 190 l.
- Preise: Brände/Liköre ca. 20 € (0,5 l), Whiskys 39–70 €; Auszeichnungen für Whiskys.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Meistens kommt’s anders als man denkt“, sagt Roland Feller, Inhaber der Brennerei Feller im Dietenheimer Teilort Regglisweiler. Das Brennrecht besitzt die Familie, die aus Balzholz bei Nürtingen stammt, schon seit 1820. Das Familienunternehmen war ursprünglich eine klassische Landwirtschaft. Die Brennerei lediglich ein Zuerwerb, erfahren die 30 Gewinnerinnen und Gewinner der Verlosung „SWP on Tour“. Ruth Bosch aus Altheim-Alt sagt: „Ich habe bei der Südwest Presse schon Karten für den SSV gewonnen, aber eine Brennerei finde ich interessanter.“ Zusammen mit den anderen Gewinnern sitzt sie im Schauraum, dem Herzstück der Brennerei, wo auch der Brennkessel steht, mit dem sämtliche Erzeugnisse hergestellt werden.
Während der Inhaber in Mundart die Geschichte des Unternehmens zum Besten gibt, ist immer wieder mal ein sanftes Zischen zu hören, weil der Brenner läuft. Das leuchtende Kupfer des Kessels erfüllt den Raum und die Besucher hängen an Fellers Lippen. „Mein Vater hat mich nach Hohenheim geschickt, damit ich dort alles über das Schnapsbrennen lerne.“ Zurück in der Heimat wollte er einiges anders machen. Doch der Vater habe gesagt, „Die Schul‘ war nix, wie mir‘s machat, isch‘s einwandfrei“.
Brennerei verarbeitet 15 bis 40 Tonnen Obst pro Jahr
Erst 2003 entscheidet sich Roland Feller dafür, die Schnapsproduktion in den Mittelpunkt zu stellen, und investiert in Brenntechnik. „Mit dem neuen Kessel war die Ausbeute viel höher.“ 2008 brechen allerdings die Stoffbesitzer weg, also Leute, die ihr eigenes Obst zum Brennen bringen. „Kaum jemand hat noch Streuobstwiesen.“ Und so erwirbt Feller 2009 zusätzlich zu den Brennrechten für eine Abfindungsbrennerei – also einem landwirtschaftlichen Kleinbetrieb, der Alkohol herstellt – noch die Brennrechte für eine Verschlussbrennerei, einen gewerblichen Herstellungsbetrieb für Alkohol.
Je nach Jahresertrag verarbeitet die Brennerei 15 bis 40 Tonnen Obst pro Jahr, um daraus zwischen 2500 und 7500 Liter Brände und Liköre zu produzieren. Das Obst kommt von den eigenen Streuobstwiesen sowie Partnern aus dem Ausland, beispielsweise Williams Christbirnen aus dem südtiroler Vinschgau. Beim Destillieren der Brände werden die Früchte zu Mus gemahlen und mit Hefe angereichert. Das Ganze gärt zwei bis sieben Wochen lang. Dabei entsteht Alkohol, der beim Brennen verdampft wird. Zum neuen Kessel sagt Feller: „Da gehen 1000 Liter rein.“

Im Schauraum berichtet Roland Feller, wie sich die Brennerei über die Jahre entwickelt hat.
Matthias KesslerDer gelernte Landwirtschaftsmeister ist ganz in seinem Element, als er den Besucherinnen und Besuchern den Vorgang des Destillierens erklärt. „Während der Dampf durch die Flüssigkeit blubbert, kondensiert der wasserreiche Anteil und fällt nach unten, während der alkoholreichere Anteil gasförmig weiter nach oben steigt.“ Die Brände und Whiskys werden laut Feller sechsmal gebrannt. Das führe zu einem sehr reinen und hochprozentigen Destillat. Er betont: „Die Kunst des Brennens ist das Trennen der Alkohole.“
„Der Rum aus dem Hahn schmeckt super“
Der Hauptunterschied zwischen Brand, Geist und Likör liegt in der Herstellung, erfahren die Besucher. Brände entstehen durch Destillation vergorener Früchte, Geister durch Destillation von Früchten, die in Neutralalkohol eingelegt wurden und Liköre durch Mischen von Alkohol mit Aromen und Zucker. Feller meint: „Wenn Spirituose draufsteht, trinke ich es nicht.“ Er würde lieber nicht sagen, was da drin ist. Während Feller redet, läuft das Destillat aus dem Hahn in einen Kessel und die Gäste dürfen mal probieren. „Der Rum aus dem Hahn schmeckt super“, meint Gabi Tausend aus Neu-Ulm. Neben den klassischen Obstbränden, die schon sein Vater herstellte, produziert Feller Whisky, Rum und Gin. „Das Brennen von Whisky funktioniert ähnlich wie das der Brände, nur mit Gerstenmalzkorn.“
Fellers Whisky lagert zwischen sechs und acht Jahren in Fässern aus amerikanischer Weißeiche. „Wir haben rund 700 Stück. In ein Fass gehen 190 Liter“, sagt er. Das ergebe ungefähr 380 Flaschen mit 0,5 Liter. Der halbe Liter kostet bei den normalen Bränden und Likören etwa 20 Euro, die Whiskys zwischen 39 Euro und 70 Euro. Fellers Whiskys erhielten vom Fachpublikum Auszeichnungen, wie der „Valerie Madeira Cask Whisky“, der in Jim Murrays „Whisky Bible“ 96 von 100 Punkten bekam und damit der beste deutsche Whisky im Jahr 2022 war.
Nach so vielen Informationen dürfen die Besucher im Laden in der Ziegelstraße 4 Fellers Produkte probieren. Die markanten eckigen Flaschen, das Markenzeichen der Brennerei Feller, werden in Augenschein genommen. Gabi Jahn aus Nersingen meint: „Der Schoko-Chili-Likör schmeckt irre.“ Karlheinz Tautorat aus Blaubeuren dagegen bevorzugt den Pistazienlikör. Bei einer Sache sind sich viele der Gewinner aber einig: Ein Bus wäre für den Termin gut gewesen.
Erkundungstour in der Confiserie-Manufaktur
Die Veranstaltungsreihe „SWP on Tour“ ermöglicht Leserinnen und Lesern der SÜDWEST PRESSE den Zugang zu spannenden Orten in der Region. Den Auftakt machte ein Rundgang durch das ehemalige Atomkraftwerk Gundremmingen, es folgte der Besuch im Merkle-Steinbruch in Blaubeuren, das Druckhaus der Neuen Pressegesellschaft (NPG) im Donautal und die Brennerei Feller in Regglisweiler. Nächste Station ist am 16. April die Confiserie-Manufaktur Lanwehr in Illertissen. Plätze gibt es zu gewinnen unter: erleben.swp.de/ontour. Teilnahmeschluss ist der 30. März.
Übrigens: Alle Geschichten rund ums Thema Essen, Kochen, Restaurants und Ausgehen im Raum Ulm/Neu-Ulm sowie Ernährungstrends bündeln wir auf swp.de/aufgetischt.











