Brauereien der Region: Hopfen und Malz, Gott erhalt’s! Welches Bier die Ulmer trinken

Das gemeinsame Anstoßen kommt noch aus dem Mittelalter, als viele Menschen ihre Rivalen oder Feinde mit Gift ermordeten. Um sich davor zu schützen, stieß man in der Gruppe die Becher kräftig zusammen, sodass der Inhalt überschwappte und sich mit dem Getränk des Gegenübers vermischte. Auf diese Weise konnte sichergestellt werden, dass keiner aus der Gruppe ein Getränk sabotiert hatte.
© torwaiphoto /adobe.stock.com- Ulm hat fünf regionale Brauereien, darunter Barfüßer Hausbrauerei (seit 1990) und Gold Ochsen (seit 1597).
- Klingenstein Brauerei wurde 2018 wiederbelebt; Kronenbrauerei produziert seit 1887.
- Berg-Bier aus Ehingen wird seit 1466 gebraut; bekannt für offenes Gärverfahren.
- Craft-Beer gewinnt an Beliebtheit; kreative Geschmackskombinationen.
- Ehingen bietet einen 14 km langen Bier-Wanderweg und Bier-Rucksäcke zum Verleih.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
70 Prozent der Deutschen lieben Bier, auch „das flüssige Gold“ genannt. Für viele ist es eine Art Nationalgetränk. Das mehr als 500 Jahre alte Reinheitsgebot, das im „Vorläufigen Biergesetz“ rechtlich verankert ist, garantiert die Qualität deutscher Biere: Erlaubt sind nur vier Zutaten (Wasser, Malz, Hopfen und Hefe), keine Zusatzstoffe, keine Aromen.
Das hopfenhaltige Getränk hat eine lange Tradition, bereits bei den Sumerern 3000 vor Christus soll es Bier gegeben haben. Vielen nicht bekannt: Im alten Babylonien war das Bierbrauen wie das Brotbacken noch Frauensache. Die Babylonierinnen entwickelten die Braukunst der Sumerer weiter, probierten immer mehr Bierrezepte aus. Im Mittelalter übernahmen schließlich die Mönche diese Aufgabe und etablierten das Getränk in der europäischen Geschichte. Heute gibt es rund 1500 Brauereien in Deutschland, ein Großteil davon in Bayern.
Welche Brauereien gibt es um Ulm herum?
- Barfüßer Hausbrauerei in der Neuen Straße hinterm Münster: Nicht zu übersehen, die blitzenden Sudkessel mitten im Gastraum, wo die Braumeister bis zu fünfmal in der Woche am Werk sind. Die Brauerei gibt es seit 1990, mittlerweile schenkt sie in sechs Städten aus, ihren Ursprung hat sie jedoch in Ulm. Im Untergeschoss können die Gäste dem Bier beim Gären und Reifen in den Edelstahltanks durch eine große Glasscheibe zuschauen. Verkaufsschlager ist das Barfüßer Blonde, ein naturtrübes Vollbier. Neben den vier Standardsorten gibt weitere saisonale Sorten.
- Gold Ochsen braut sein Bier mit eigenem Brunnenwasser. Die Brauerei hat eine lange Tradition, sie wurde bereits 1597 gegründet. Verkaufsschlager ist die Sorte „Gold Ochsen Original“, wobei die Auswahl groß ist: 18 Sorten hat die Traditionsbrauerei im Sortiment. Ab November gibt es das Weihnachtsbier. Einmal jährlich wird außerdem ein Jahrgangsbier eingebraut. Das sei streng limitiert und jedes Jahr individuell, sagt Niklas Kick vom Marketing.
- Brauerei Klingenstein in Blaustein: Die Brauerei gibt es seit 2018 wieder. Bis 1923 wurde an gleicher Stelle das Klingensteiner Schlossbräu hergestellt, ehe der Brauereibetrieb bedingt durch den Ersten Weltkrieg eingestellt werden musste. Die Flaschen fallen durch ihre künstlerischen Papieretiketten auf, die eine Grafikerin und ein Illustrator basierend auf den Wünschen der Brauereimitarbeitenden gestaltet haben. Acht Biersorten hat Klingenstein im Sortiment. Verkaufsschlager sind das fruchtig-frische Klingenstein Quellfrisch, eine Eigenkreation, angelehnt an ein altes, wiederentdecktes Rezept, und das alkoholfreie Mehrkorn-Zickel, mit einem Teil Hafermalz.
- Die Kronenbrauerei in Söflingen gibt es seit 1887. Unter den sechs angebotenen Sorten ist das Natureis Bock, ein kräftig-malziges Starkbier, die größte Spezialität. Das Spezial Hell ist der Verkaufsschlager der Brauerei, die sich auf sogenannte Märzenbiere (stärkeres Lagerbier) spezialisiert hat. Eine weitere Besonderheit der Kronenbrauerei: Sie produziert ihr eigenes Eis zum Kühlen – an einem sogenannten Eisgalgen oder Natureisbock. Dafür wird bei Minusgraden Wasser über ein Stahlgerüst gegossen, bis sich nach und nach Eiszapfen bilden. Diese werden, wenn sie lang genug sind, abgeschlagen und in einem Eiskeller gelagert. Das Eis sorgt über das Jahr für eine konstante Temperatur von 0 Grad. Trotz Klimaerwärmung könne jedes Jahr mindestens ein Natureisgalgen geerntet werden, sagt Marcel Russ von der Brauerei. Das sei wichtig, um das Bier umweltschonend kühlen zu können – und günstiger, vor allem bei den aktuellen Energiepreisen.
- Das Berg-Bier aus Ehingen ist fast schon ein Fossil unter den Brauereien: Erste Erwähnungen des „Wirtshauses auf dem Berg“ gibt es bereits von 1466. Seit 1757 ist die Brauerei im Besitz der Zimmermann-Familie und wird von ihr mittlerweile in neunter Generation betrieben. Das Brauhaus wirbt mit seinem speziellen Herstellungsverfahren im offenen Gärbottich. Dieses Verfahren ist uralt und wird nur noch von wenigen Brauereien in Deutschland angewendet, weil es sehr aufwendig ist. Dabei kann der Braumeister das Getränk am Anfang des Reifeprozesses riechen, schmecken und die Hefe beobachten. Die Brauerei bietet zwölf ganzjährige Biersorten an, außerdem sechs saisonale Sorten. Verkaufsschlager sind das Ulrichsbier, das Original Hell und das Hefeweizen. Die Namen mancher Sorten beziehen sich auf regionale Besonderheiten, zum Beispiel den Kirchenpatron Bergs, St. Ulrich. Die Wirtschaft betreibt die Brauerei selbst. In der Brau- und Backstube werden besondere Erlebnisse angeboten, von Bierverkostungen über Braukurse bis hin zum Brotbacken. Eine weitere Besonderheit: Jeden Abend um 18 Uhr wird in der Brauereiwirtschaft ein Holzfass angestochen. So möchte die Brauerei die Bierkultur zelebrieren.

Craft-Beer gibt es in vielen Geschmacksrichtungen. India Pale Ale (kurz IPA) und Pale Ale sind zwei typische Sorten.
Laura Ludwig/dpa-tmn/dpa- Neben den traditionellen Biersorten kommt immer mehr sogenanntes Craft-Beer auf den Markt („handwerklich gemachtes Bier“). Die Biere stechen durch die ungewöhnlichen Geschmackskombinationen hervor. Craft-Beer ist in den siebziger Jahren in den USA entstanden. Es sollte ein Gegenentwurf zu den immer industrieller gefertigten Bieren von Großkonzernen sein, die nach und nach die kleinen Brauereien verdrängten. Als dann offiziell „Homebrewing“, Heimbrauen, erlaubt wurde, entstanden immer mehr lokale Brauereien, die sich an neuen Stilen versuchten. Deutsche Brauereien, die Craft-Beer produzieren, achten vor allem auf die handwerkliche Herstellung und die Verwendung unkonventioneller Zutaten. Ziel ist es, neue Geschmacksrichtungen zu kreieren und alte Bierstile neu zu interpretieren. Braumeister, die sich strikt an das Reinheitsgebot halten, experimentieren vor allem mit den Hopfensorten und Malzgraden. Immer mehr Brauereien setzen sich über das Reinheitsgebot hinweg, verwenden Früchte, Kräuter und Gewürze, um dem Bier einen einzigartigen neuen Geschmack zu kreieren. Diese Getränke dürften dann allerdings nicht als Bier bezeichnet werden.
Bierkulturstadt Ehingen
In Ehingen können Bierbegeisterte nicht nur mit dem Gaumen erleben, sondern mit dem ganzen Körper: Die „Bierkulturstadt“ hat einen 14 Kilometer langen Wanderweg geschaffen, auf dem die Wandernden sich mit der Geschichte der Ehinger Brauereien beschäftigen können. Der Wanderweg ist für alle Altersgruppen geeignet, ein Audioguide liefert die Informationen dazu. In den Brauereien können die bierbegeisterten Wanderer Rucksäcke ausleihen, um das nahrhafte Getränk auch unterwegs zu genießen – gegen ein Pfand von 25 Euro.
Übrigens: Alle Geschichten rund ums Thema Essen, Kochen, Restaurants und Ausgehen im Raum Ulm/Neu-Ulm sowie Ernährungstrends bündeln wir auf der Seite swp.de/aufgetischt.


