Brauch zu Weihnachten
: Was Sie schon immer übers Christbaumloben wissen wollten

Feuchtfröhliche Tradition: Wer in der Zeit nach Weihnachten Nachbars Baum lobt, wird mit einem Schnaps belohnt. Die besten Sprüche und Tipps zum Christbaumloben.
Von
Sven Kaufmann
Ulm
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Ein Schnaps – oder mehrere – als Lohn fürs Christbaumloben: Eine Gruppe von Freunden aus Biberach, die traditionell jedes Jahr ihre Lob-Runde drehen.

Ein Schnaps – oder mehrere – als Lohn fürs Christbaumloben: Eine Gruppe von Freunden aus Biberach, die traditionell jedes Jahr ihre Lob-Runde drehen.

Sven Kaufmann und dpa
  • Christbaumloben ist ein schwäbischer Brauch, bei dem fremde Christbäume Zwischen Weihnachten und Dreikönig gelobt werden.
  • Gastgeber belohnen die Lobhudelei traditionell mit Schnaps, Likör oder anderen Kleinigkeiten.
  • Der Brauch existiert seit dem 19. Jahrhundert und fördert Geselligkeit in der Nachbarschaft.
  • Humorvoll übertriebene Lobeshymnen oder Lieder sind üblich.
  • Wer die besten Sprüche kennt, hat den größten Erfolg.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Zeit um Weihnachten bietet viele Gelegenheiten, mit Freunden und Verwandten zu feiern. Nur: Irgendwann ist das traditionelle Klassentreffen am 23. Dezember vorbei, der Heilige Morgen am 24. Dezember ist ebenfalls abgefestet, und Heiligabend mit der Familie ist rum — was nun? Keine Panik: Es gibt ja noch das Christbaumloben. Was es mit diesem alten und ziemlich lustigen schwäbischen Brauch auf sich hat.

Was ist das Christbaumloben?

Beim Baumloben handelt es sich um eine Tradition vor allem im Süden und Südwesten Deutschlands: Menschen besuchen in den Tagen nach Weihnachten ihre Nachbarn im Ort. In der guten Stube wird dann unisono die Schönheit des geschmückten Christbaums ausführlich gepriesen. Im Gegenzug gibt es dafür vom Gastgeber einen Schnaps oder Likör. So will es der Brauch, auf Neudeutsch: ein guter Deal.

Woher kommt der Brauch des Baumlobens?

Die Wurzeln des Christbaumlobens sind unklar. Den Brauch soll es schon geben, seit der Weihnachtsbaum allgemein hierzulande populär wurde — also Ende des 19. Jahrhunderts. Die Tradition diente wohl der Geselligkeit und Kontaktpflege in den Dörfern. Das Christbaumloben ist zudem einfach eine tolle Gelegenheit, mit Freunden um die Häuser zu ziehen. Schließlich gibt es jedes Mal ein Schnäpsle, bei großzügigen Gastgebern auch zwei, oder drei. Und zuweilen kann man auch selbst gebackene Weihnachtsplätzchen schnorren.

Wann ist die beste Zeit, und wie kommt man zum Loben?

Das Christbaumloben wird allmählich auch überregional beliebt, vor allem durch das Internet und Social Media. Allgemein gilt als bester Zeitraum für die zunehmend beliebte Tradition: Zwischen Weihnachten und Dreikönig — also vom 24.12.2025 bis 06.01.2026.

Es ist durchaus üblich, als Paar oder Familie auf ein Glas einzuladen oder eingeladen zu werden. Es gibt aber auch Gruppen, die das Ganze quasi „initiativ“ angehen: Sie ziehen einfach von Haus zu Haus und klopfen zum „Baumloben“ an. Da wird durchaus auch mal beim Bürgermeister geklingelt.  Oft sind die Gruppen den „Heimgesuchten“ längst bekannt vom Vorjahr und werden entsprechend freudig empfangen. Manche veranstalten sogar Wettbewerbe mit Prämierungen.

Und was muss man als Besucher oder Gastgeber beachten? Als potenzieller Gastgeber sollte ein ausreichend bestücktes Depot mit Speis und Trank angelegt sein. Und Besucher sollten sich vorab ein paar Gedanken zu passenden Lobeshymnen gemacht haben.

Prinzipiell gilt: Bei der weihnachtlichen Lobhudelei darf gerne hemmungslos übertrieben werden — es nimmt eh keiner wirklich ernst. Selbst wenn man dreist über den schönen Wuchs (“Nicht zu licht - aber auch nicht zu dicht“) oder Details wie das „feine, ebenmäßige Nadelbild“ schwadroniert. Allerdings lohnt sich taktisch gesehen eine gewisse Steigerung beim wiederholten Preisen des Bäumles. Also lieber anfangs sparsam loben, bis der erste Schnaps eingeschenkt ist. Danach Schritt für Schritt anziehen. Profis kitzeln so locker drei bis vier Runden heraus.

Die besten Sprüche für das Christbaumloben

Einige Beispiele, mit denen auch das mickrigste Geäst zum prachtvollen Parade-Christbaum wird:

  • „Mensch, das ist aber mal ein strammer Bursche!“
  • „Was für ein schöner Wuchs — bolzengerade!“
  • „Ey, das muss ja ewig gedauert haben, den so toll zu schmücken!“
  • „Mal ehrlich, habt ihr schon darüber nachgedacht, das professionell zu machen?“
  • „Raffiniert, wie die Farbe der Kugeln mit dem Sofa harmoniert“.
  • „Unter uns: Der vom Nachbarn ist lange nicht so schön!“

Reime und Lieder für das Christbaumloben

Erfahrene Viel-Lober haben auch den einen oder anderen deftigen oberschwäbischen Reim parat, der das Thema auf den Punkt bringt:

  • Wir schwingen uns von Baum zu Baum, aber Euer Baum, der ist n Traum.
  • Mir ham schon viele gesehen, aber eurer, der ist besonders scheen.
  • Nen schönen Christbaum den ihr hant, drum reichet Schnäpsle in unsere Hand.
  • Und trinken mer ganz viel dureinand, dann spei mer morgen omenand.
  • Natürlich sind auch umgedichtete Weihnachtslied-Klassiker rund ums Lobhudeln populär.

  • Aus dem beschaulichen „Kling Glöckchen“ wird dann ein heiteres „Kling Schnäpschen, Klingelingeling“
  • Auch „O Tannenbaum“ gibt's als anlassgerecht umgedichtete Version:

  • „O Tannenbaum, o Tannenbaum,
    wir kommen her dich anzuschaun.
    Bist du groß oder bist du klein;
    die Hauptsache ist, man schenkt uns ein!
    O Tannenbaum, o Tannenbaum,
    wir kommen her dich anzuschaun.“

Dos and Don'ts beim Christbaumloben: Bloß nicht lallen

Allerdings sollte man sich auch an Regeln halten, sonst ist's bald Essig mit dem Likörchen: Ein No-Go ist etwa, zum Christbaumloben schon völlig bedudelt anzutreten — klar, keiner hat gern lallende Lobhudler im Wohnzimmer herumwanken. Das Risiko dafür indes ist hoch: Aus einer Lobes-Tour kann ruckzuck ein veritables Besäufnis werden. Vor allem, wenn man in einer Gruppe durch die Gemeinde zieht und viele Stationen abklappert.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Gastgeber und eitle Christbaumschmücker sich für diese Tage nach dem Fest ordentlich mit Spirituosen eindecken sollten — nichts ist peinlicher, als nichts im Hause zu haben oder - ganz schlimm - „trockengelobt“ zu werden.

Und wenn der ausgeschenkte Lobestrunk etwas taugt, kommen alle im nächsten Jahr gerne wieder — und loben umso euphorischer das Bäumle. Selbst wenn das dürre Ding noch vom letzten Jahr stammen oder gar aus Plastik sein sollte.