Blautal-Center in Ulm
: „Schade und traurig“ - so diskutiert das Netz über das Aus des Einkaufscenters

Nur noch sechs Läden sind übrig in der einstigen Ulmer Vorzeige-Shoppingmall. Früher waren es mal um die 100. In den Sozialen Medien trauern viele dem Blautal-Center hinterher.
Von
Kerstin Auernhammer
Ulm
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Netzreaktionen auf das Ende des Blautal-Centers

Netzreaktionen auf das Ende des Blautal-Centers

Lars Schwerdtfeger/Montage: swp
  • Blautal-Center in Ulm schließt; nur noch 6 der einst 100 Läden offen.
  • Zentrum wird nächstes Jahr abgerissen; Wohnungen geplant.
  • Nutzer auf Social Media trauern; viele haben schöne Erinnerungen.
  • Gründe: Managementfehler, Konkurrenz, Online-Handel.
  • Nutzer sorgen sich über hohe Wohnkosten der neuen Wohnungen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Aus dem Blautal-Center im Ulmer Westen werden Wohnungen. Im Laufe des nächsten Jahres sollen die Bagger anrollen. Von den ursprünglich rund 100 Mietern sind gerade noch einmal sechs da, weite Teile der Shopping-Mall sind verwaist. Die letzten Mieter fühlen sich verlassen, einige beklagen gar Sicherheitsmängel. Einige verhandeln derzeit noch mit dem Investor, der HLG Gesellschaft zur Entwicklung von Handelscentren in Münster, über die Bedingungen ihres Auszugs. Obwohl der Abriss der oberirdischen Flächen schon nächstes Jahr losgehen soll, haben einige noch Mietverträge für mehrere Jahre.

Das langsame Sterben des einstigen Ulmer Vorzeige-Einkaufscenters - es war eins der größten in Süddeutschland - beschäftigt die Menschen im Netz. „Es war wirklich ein tolles Einkaufscenter, an das viele Menschen schöne Erinnerungen haben“, kommentiert eine Userin auf Facebook. Dieser Meinung sind viele User.

Vor allem, dass das Center nach gerade einmal gut 25 Jahren dichtgemacht werden soll, enttäuscht viele. „Damals als Kind noch den Bau mitbekommen, und jetzt das Ende. Schon komisch, das Ganze zu erleben“, bedauert ein User auf Instagram.

Die Gründe für das Aus des Blautal-Centers

Wie konnte es so weit kommen? Darüber haben viele Menschen im Internet ihre ganz eigenen Theorien. Der eine oder andere User wirft dem Management Versagen vor, so wie diese Leserin auf Instagram: „Das hat dem Westen Ulms viel an Attraktivität genommen. Meines Erachtens wurde es runtergewirtschaftet. Ulm hat das falsch angepackt.“ Dass die Kundschaft in dem Einkaufscenter in den vergangenen Jahren stetig abgenommen hat, ist auch den Anwohnern nicht verborgen geblieben. Ein User berichtet, er wohne in der Nähe und habe beobachtet, dass es zwar am einen oder anderen Tag schon voll gewesen sei, aber eben nicht durchgehend. „Und wie man am Leerstand und den Ramschläden gesehen hat, war das wohl eher noch für ein bestimmtes Klientel und sicher nicht gewinnbringend. Ansonsten hätte man es ja nicht verkauft. Und die Billigläden gibt es doch nach wie vor in Neu-Ulm.“

Damit dürfte er die Glacis-Galerie meinen, die 2015 in prominenter Lage am Neu-Ulmer Bahnhof eröffnete. Dass mit den Sedelhöfen 2020 ein weiteres innenstadtnahes Einkaufsquartier entstand, erhöhte den Konkurrenzdruck weiter. Andere User haben auch im gewachsenen Online-Handel einen Sündenbock ausgemacht. „Erst bestellen alle cool online, um sich dann zu wundern, wenn Läden schließen“, meint etwa dieser User auf Facebook.

Wohnen statt Einkaufen an der Blau

Über den Umstand, dass aus dem Areal ein neues Wohngebiet werden soll, sind sich die Kommentarschreiber nicht so ganz einig. Dieser Leser argumentiert auf Facebook, dass das Problem fehlenden Wohnraums in Ulm ja nicht erst seit gestern bestehe: „Man hätte die letzten 10 Jahre viel mehr für neuen Wohnraum investieren müssen, also ist das Argument nicht nachvollziehbar“.  Dieser User sieht es auf Facebook pragmatisch: „Wohnungen bringen eben momentan mehr Rendite als Läden.“ Ein anderer User fürchtet, dass die neuen Wohnungen zu teuer werden könnten: „Überteuerte Wohnungen gibt es schon genug, kann sich ein Normalverdiener gar nicht leisten.“

Was den Ulmern bleibt, sind aber die Erinnerungen, und darin scheinen viele User zu schwelgen, die sich in den Kommentarspalten gegenseitig markieren. Eine Dame etwa erinnert ihre Freundin mit einem wehmütigen Smiley: „unsere Wochenend-Ausflüge vor fast 20 Jahren ...“ Und die Freundin antwortet mit einem traurigen Smiley: „voll schade“.