Blausteiner Rentner hilft der Polizei: Verdächtige in Neu-Ulm nach Schockanruf festgenommen

Schockanrufe sind eine beliebte Masche, um ältere Menschen um ihr Geld zu bringen (Symbolfoto).
Julian Stratenschulte/dpa- Ein 74-Jähriger aus Blaustein half der Polizei, eine Betrügerin nach Schockanruf festzunehmen.
- Er täuschte vor, 50.000 Euro Kaution zu zahlen, und alarmierte stattdessen die Polizei.
- Eine 20-jährige Verdächtige wurde bei der Geldübergabe in Neu-Ulm festgenommen.
- Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen die Hintermänner der Betrugsmasche.
- Tipp: Behörden fordern niemals telefonisch Geld oder Wertsachen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Ihre Tochter hat einen tödlichen Unfall verursacht“. Mit dieser schockierenden Nachricht meldeten sich Anrufer am 18. Juni 2025 bei einem 74 Jahre alten Mann aus dem Raum Blaustein. Die Tochter befinde sich bei der Polizei. Erst wenn eine Kaution von 50.000 Euro bezahlt werde, könne sie wieder freikommen, so der Anrufer.
Eine bekannte Masche von Betrügern. Diese agieren teils hochprofessionell, setzen ihre Opfer emotional unter Druck. Teilweise wird die Echtheit der Anrufe durch gefälschte Stimmen, durch ein Weinen der vermeintlichen Angehörigen und sogar durch offiziell scheinende Telefonnummern auf dem Display des Angerufenen simuliert. Doch in diesem Fall durchschaute der Mann das Spiel. Und nicht nur das: Er spielte sogar mit.
Den Betrügern erzählte er, er müsse nach Ulm auf die Bank fahren, um dort das Geld abzuheben. Und er fuhr tatsächlich nach Ulm, allerdings nicht zur Bank, sondern schnurstracks zur Polizei. Dort, beim Polizeirevier Ulm-Mitte, nahm er erneut Kontakt zu den Betrügern auf und sagte, er habe jetzt das Geld und brauche weitere Anweisungen. Natürlich hörte die Polizei mit - und war mit dabei, als die „Kaution“ in Neu-Ulm übergeben werden sollte.
Bei der Übergabe des Umschlags klickten die Handschellen. Die Polizei nahm eine 20 Jahre alte Frau mit polnischer Staatsangehörigkeit und ohne festen Wohnsitz in Deutschland fest. Den Ermittlern sagte sie, sie wisse nichts von einem Betrug. Sie sei in Polen angeworben worden, um ein Paket abzuholen, das sei alles. Weder die Polizei noch die Haftrichterin schenkten ihrer Aussage Glauben. Die mutmaßliche Geldbotin sitzt nun in Untersuchungshaft und Polizei und Staatsanwaltschaft suchen nach den Hintermännern.
Staatsanwaltschaft: „Die Abholer sind nur das letzte Glied in der Kette“
Erst kürzlich hatte es in Ulm einen ähnlichen Ermittlungserfolg gegeben. Damals hatten Betrüger 70.000 Euro gefordert, am Telefon war angeblich gar ein Oberstaatsanwalt. Auch dort wurde eine Frau, vermutlich eine Geldbotin, festgenommen. Ein wirklicher Oberstaatsanwalt, nämlich der Leitende Ulmer Oberstaatsanwalt Christof Lehr, sagte: „Die Abholer sind nur das letzte Glied in einer hochkriminellen Kette und Bande.“
Sein Tipp: „Kein Notar und kein Staatsanwalt und kein Polizist ruft bei jemandem zuhause an und will Geld oder Wertsachen abholen!“ Und seine Kollegin Ayfer Kaplan-Pirl, Erste Staatsanwältin und Sprecherin der Ulmer Staatsanwaltschaft, ergänzt: Bei solchen Anrufen solle man entweder auflegen oder zum Schein darauf eingehen, die Polizei alarmieren und ihr dann das Weitere überlassen.
