Schneemangel und hohe Preise: Skiurlaub verliert an Beliebtheit – ist das wirklich so?

In den vergangenen Tagen hat es vielerorts geschneit – oft haben Skifahrerinnen und Skifahrer aber auch mit Schneemangel zu kämpfen.
Michael Reichel/dpa- Schneemangel und hohe Preise erschweren Skifahren, dennoch bleiben Kurse und Ausfahrten beliebt.
- Skiclub Illerberg/Thal weicht von Jungholz nach Nesselwang aus, plant aber Alternativen wegen Schneemangel.
- Schillerschule Erbach bietet Schülern für 450 Euro eine Skiwoche in der Schweiz an.
- Weniger einwöchige Skiurlaube: Familien bevorzugen kürzere oder günstigere Alternativen.
- Skigebiet Jungholz wird saniert, Wiedereröffnung ist für 2026/2027 geplant.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Jahrzehntelang ist der Skiclub Illerberg/Thal ins Skigebiet Jungholz in Tirol gefahren. „Das war unsere sichere Nummer, eigentlich immer schneesicher“, erzählt Abteilungsleiter Marcel Lamprecht. Mit Corona begannen die Schwierigkeiten. Als die Kurse nach der Pandemie endlich wieder hätten stattfinden können, musste der Skiclub trotzdem absagen – wegen des Wetters. „Es gab einfach keinen Schnee in Jungholz.“
Dann rutschte die Betreibergesellschaft in die Insolvenz, das Skigebiet machte dicht. Der Skiclub Illerberg/Thal suchte lange nach einer Alternative. Die Wahl fiel schließlich auf Nesselwang. „Aufgrund der Preisleistung und der Fairness uns Skilehrern gegenüber“, berichtet Lamprecht. Denn in Nesselwang bekämen die Skilehrer Freikarten, im Vergleich zu vielen anderen Skigebieten. „Das ist ein großer Pluspunkt für uns, um die Kurspreise nicht erhöhen zu müssen.“ Nesselwang hat aber einen großen Nachteil: „Es ist nicht sehr schneesicher.“ Darum plant der Skiclub jetzt immer mit einer Alternative zum Ausweichen. „Das ist schon deutlich mehr Aufwand als zuvor."
Skifahren wird teurer
In den Alpen gibt es immer weniger Schnee, was das Skifahren zunehmend erschwert. Dazu kämpfen viele Hobby-Wintersportler mit den steigenden Preisen. „Es fahren immer weniger Ski“, sagt Michael Rommel über seine Schüler. Der Konrektor der Schillerschule Erbach organisiert dort jedes Jahr für die 9. Klassen eine Ski-Reise. Die Gemeinschaftsschule besuchen auch viele Kinder „aus sozial schwächeren Familien“, sagt er. „Da ist Skifahren nicht mehr so gang und gäbe, das ist eine finanzielle Geschichte.“
Die Schule sammelt über einen eigenen Verein Fördergelder, um den Ski-Ausflug noch verhältnismäßig günstig anbieten zu können. Für rund 450 Euro bekommen die Schülerinnen und Schüler den einwöchigen Kurs inklusive Unterkunft, Vollpension und Anreise. „Das ist eine sehr erfahrungsreiche Woche für die jungen Leute“, sagt Rommel. Ihm gehe es weniger darum, dass die Jugendlichen alle ambitionierte Skifahrer werden – „sondern dass sie einfach mal diese wunderbare Bergwelt kennenlernen“. Schneemangel ist bei diesen Reisen kein Thema. „Wir sind in der Schweiz in einem fantastischen Skigebiet.“
„Wenn es der Schnee nicht hergibt, sagen wir ab“
Rommel organisiert nicht nur die Skikurse an der Schule, er ist auch Abteilungsleiter des Skiclubs Erbach. Auch dieser musste sich wegen der Jungholzer Insolvenz umorientieren und ist jetzt in Grän in Tirol gelandet. Die Schneelage sei natürlich „schon ein Faktor, der immer mitspielt“, sagt Rommel. Es könne mal passieren, dass ein Kurs ausfalle – auch wenn das zuletzt selten vorkam. „Aber wir wägen schon ab: Wenn ein schöner Tag in den Bergen möglich ist, fahren wir. Wenn es der Schnee nicht hergibt, sagen wir ab.“
Skigebiet Jungholz gerettet
Das insolvente Skigebiet Jungholz hat inzwischen einen neuen Investor gefunden: Die nahegelegenen Skilifte Oberjoch kaufen die Anlage, wie Mitte Dezember bekannt wurde. In dieser Wintersaison werden die Lifte allerdings noch nicht wieder in Betrieb genommen. Ziel ist ein Start 2026/2027.
Für den Skiclub Illerberg/Thal, der jahrzehntelang nach Jungholz gefahren war und sich nun für Nesselwang als Alternative entschieden hatte, ist das ein Grund, nächstes Jahr nochmal umzudenken. „Das öffnet uns womöglich nochmal neue Türen“, sagt Abteilungsleiter Marcel Lamprecht.
Generell seien die Kurse und Ausfahrten in den vergangenen Jahren aber sehr gut gebucht gewesen, berichtet der Erbacher Abteilungsleiter. „Wir haben unser Angebot sogar erweitert.“ Auch Lamprecht vom Skiclub Illerberg/Thal sagt: „Den Trend, dass das Skifahren insgesamt zurückgeht, sehe ich bei unseren Skikurs-Anmeldungen und Ausfahrten überhaupt nicht.“ Das einzige, was der Illerberger Skiclub vor ein paar Jahren aus seinem Programm gestrichen hat, ist eine mehrtägige Ausfahrt. „Da waren die Kosten so hoch, die Anmeldungen immer weniger.“
5000 Euro für eine Woche Skiurlaub
Dass längere Skiurlaube seltener gebucht werden, erleben auch Reisebüros aus der Region. „Weil es preislich schon heftig geworden ist“, sagt Stefan Drescher vom gleichnamigen Reisebüro in Illertissen. Für eine Woche Skiurlaub in den Ferien könne eine vierköpfige Familie „ganz schnell mal 5000 Euro hinlegen“. Viele möchten dann eben nur zwei oder drei Tage fahren, andere weichen auf andere Orte aus, zum Beispiel auf Skigebiete in Tschechien, berichtet Drescher. „Das ist zwar weiter zu fahren, aber preislich schon deutlich günstiger.“
Auch im Langenauer Reisebüro Rosenberger sind die Buchungen von Skiurlauben „schon etwas zurückgegangen“, berichtet Mitarbeiterin Heidi Reihle. „Es ist halt doch sehr teuer mittlerweile. Aber es gehen schon auch einige Familien in Clubs, bei denen der Skipass dabei ist.“ Viele entscheiden sich auch nur für einen Tagesausflug.
Geht der Trend also weg vom einwöchigen Skiurlaub in den Ferien, hin zu kürzeren Ausfahrten – auch über die Vereine? In diese Richtung könnte es in Zukunft tatsächlich gehen, meint Lamprecht. „Unsere Busse sind jedenfalls immer voll.“
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