Bahnübergang Beimerstetten: Aufregung wegen geplanter Schließung

Gerade hat ein Traktor den Bahnübergang Filde passiert und die Schranke schließt sich wieder.
Roland Schütter- Geplante Schließung des Bahnübergangs Filde in Beimerstetten sorgt für Proteste und Emotionen.
- Bahn nennt veraltete Technik und hohe Kosten für eine Brücke als Hauptgründe der Schließung.
- Landwirte und Bürger kritisieren längere Wege und hohe Mehrkosten durch die Maßnahme.
- Bürgermeister fordert Transparenz, Entschädigungen und konstruktive Lösungen von der DB.
- Bürger können bis zur Genehmigung Vorschläge einreichen, Verfahren läuft bis 2028.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Besteht die Möglichkeit, zwischen Deutsche Bahn und Bürgerschaft einen Konsens hinsichtlich der im 2. Quartal 2028 geplanten Schließung des Bahnübergangs „Filde“ zu finden? In der Infoveranstaltung des Konzerns im mit mehr als 70 Anwesenden überfüllten Bürgersaal des Rathauses sah dies nicht so aus. Manche waren schon mit Sorgen in den Saal gekommen, wie Bürgermeister Andreas Haas es formulierte. Teilweise kochten die Emotionen hoch, viele fühlten sich von den drei Vertretern des Logistikunternehmens nicht ernst genommen und brachten dies lautstark zum Ausdruck. Wortmeldungen wie „Wir werden uns mit allen Mitteln dagegen wehren“ sowie „Ihre Entscheidung steht doch längst fest“ fielen.
15 statt 45 Minuten Fahrzeit
Das Fazit von Projektingenieurin Franziska Kaiser: „Es war uns klar, wie der Abend läuft, wenn wir die Katze aus dem Sack lassen“. Damit meinte sie, dass es aus Sicht der DB genug Alternativen für diesen Bahnübergang gibt, der mit einer Ruftaste – über die sich der Nutzer an -und abmeldet – versehen ist und von einem Fahrdienstleiter im Bahnhof Beimerstetten gesteuert wird. Aufgrund seiner veralteten Technik passt er nicht mehr zu den digitalen Plänen der DB mit dem Bau eines elektronischen Stellwerks (ESTW) in Beimerstetten. Die Bahnvertreter führten aus, das dort eine neue technische Sicherungsanlage nur mit einem nicht akzeptablen Kosten-Nutzen-Verhältnis realisiert werden könnte. Generell gelte, dass solche Kreuzungspunkte immer Gefahren darstellten und nach Möglichkeit beseitigt werden müssten, deutschlandweit. Das alles sei demokratisch, was von manchen Bürgern bezweifelt wurde.

Aufgeladene Stimmung im überfüllten Beimerstetter Bürgersaal: Die Schließung des Bahnüberganges Filde wird nicht akzpetiert
Roland Schütter14-48 mal sei der Übergang zuletzt täglich geöffnet worden, hieß es von Cornelia Eichhorn (DB). Zu wenig für eine etwa fünf Millionen Euro teure neue Brücke. Sie berichtete über Gerichtsurteile, wonach Kindern ein Umweg von drei Kilometern bis zur Schule und einem Milchviehbetrieb ein solcher von fünf zugemutet werden kann. Doch damit gab man sich im Raum nicht zufrieden. Ralf Ziegler, Landwirt in Eiselau, überquert den Übergang etwa 600 mal im Jahr und er rechnete vor, dass sich dann sein Weg vom Stall zur Wiese von 15 auf 45 Minuten verlängern würde. Ihm stand ein anderer Bürger bei: „Das sind dann über einige Jahre hochgerechnet 1,2 Millionen Euro Mehrkosten für jeden der drei betroffenen Landwirte, hinzu kämen die Mehrkosten des Forstes. Dann sind wir schon in der Größenordnung des Neubaus einer Brücke“.
Konstruktiv denken
Eine andere Teilnehmerin forderte die Bahnvertreter auf, Beimerstetten zu unterstützen: „Sie wissen doch, mit welchen Argumenten eine Schließung verhindert werden kann“. Bürgermeister Andreas Haas forderte schlussendlich mehr Transparenz und wies auf mögliche Entschädigungsleistungen der Deutsche Bahn für Landwirte hin, aber auch die Gemeinde habe Geld in Wege investiert, die zu Sackgassen und damit wertlos würden. Haas: „Für Radfahrer gibt es künftig dann nur eine Ost-West-Querungsmöglichkeit und die ist zu eng“. Der Bürgermeister bemängelte die Vielzahl der Übergangsschließungen in den vergangenen Jahren, Beimerstetten habe eine Menge verloren und nur noch einige dreckige und niedrige Durchlässe wie den Keltelgraben, durch den man als Fußgänger oder Radfahrer nur mit Mühe die Eisenbahnstrecke überwinden könne, eigentlich nur zum Abfluss von Wasser gedacht. Das müsse sich ändern. „Wären Ihre Planungen bekannt gewesen, hätten wir einen Radweg neben der geplanten Ortsumgehung gefordert“, so Haas. Stattdessen bleibe der Radweg im Ort. „Denken Sie konstruktiv mit uns“, forderte der Bürgermeister die DB auf, die entstehenden Probleme in der Gemeinde zu lösen. „Werfen Sie einen Blick auf das Ganze, Sie wissen wie das alles geht“, so Haas unter dem Beifall der Anwesenden, den es mehrfach bei den Redebeiträgen gab.
Auswirkungen werden untersucht
Radfahrer und Landwirte sollen ab 2028 die Übergänge Dornstadter und Ulmer Straße benutzen. Der Beginn des Verfahrens zur Schließung des Bahnübergangs auf der zu digitalisierenden Filstalbahn, Teil des Transeuropäischen Verkehrsnetzes, ist eine „systematische Entfallensprüfung“, bei der im ersten Schritt alle Querungsmöglichkeiten und die dazugehörigen Wege erfasst werden.
Im zweiten Schritt werden die Nutzungen mittels Kartenwerken und Ortsbegehungen nachvollzogen und untersucht, welche Auswirkungen eine Schließung habe. Vorschläge der Bürger können an „ulm-dornstadt@deutschebahn.com“ geschickt werden, dort werden sie geprüft, beantwortet und fließen in die Finalisierung der Genehmigungsunterlagen ein, die beim Eisenbahn-Bundesamt eingereicht werden sollen. Dann folgt die Prüfung und die Offenlegung des Genehmigungsverfahren, in der nochmals jeder seine Bedenken nennen kann, schlussendlich erfolgt deren Abwägung.