Alle Augen in der Cafeteria der SÜDWEST PRESSE sind auf Karl Bacherle gerichtet: Der Leiter der Aktion 100 000 und Ulmer helft hält die Umschläge mit den Spendenschecks für Menschen in Extremsituationen in Händen. Will heißen: Sie haben nicht nur mit physischen und/oder psychischen Krankheiten zu kämpfen, sie leiden auch finanziell Not. „Die Leserinnen und Leser haben Sie großzügig unterstützt“, spricht Bacherle die Gruppe direkt an. So wird sich die finanzielle Lage der an Krebs erkrankten Alleinerziehenden, des jungen Querschnittgelähmten und der trotz zweier Arbeitseinkünfte darbenden sechsköpfigen Familie deutlich entspannen. „Denken Sie jetzt nicht nur an den neuen Kühlschrank, der her muss. Sie sollen auch sich selbst etwas Gutes tun“, fordert Bacherle die kleine Gruppe auf.

Endlich ist ein Ausflug mit der Tochter in die Berge drin

Die krebskranke Alleinerziehende öffnet ihr Kuvert, blickt auf die Summe und kann sie kaum fassen. „Ich bin total überfordert. Damit habe ich nicht gerechnet“, sagt sie kopfschüttelnd. Dann bricht aus ihr heraus: „Jetzt kann ich mit meiner kleinen Tochter einen Wochenend-Ausflug in die Berge machen.“ Die Siebenjährige wünsche sich das schon seit langem sehnlichst. „Sie ist ein absoluter Naturfreak und würde am liebsten nach Alaska ziehen.“
Sprachlosigkeit herrscht bei der Frau am Tisch nebenan. Während ihre beiden Söhne (vier und sechs Jahre alt) um die Stühle herumtollen, ringt sie nach Worten. „Ich bin baff“, meint sie zunächst, um dann hinterherzuschieben: „Endlich ist die Angst weg. Das Geld gibt ein Gefühl von Sicherheit.“

Spende ermöglicht Therapie für autistischen Sohn

Konkret bedeutet es auch, dass die Schwimmkurse für die beiden großen Jungs im Alter von acht und zehn Jahren wieder zu stemmen sind. „Da kostet einer 175 Euro, wir hatten die Kinder wieder abmelden müssen, weil das Geld nicht gereicht hat. Jetzt können wir sie wieder anmelden“, freut sich die 38-Jährige. Sie atmet auf, weil ihr zehnjähriger autistischer Sohn nun dank der Spenden eine Therapie bekommen kann, deren Kosten die Krankenkasse nicht übernimmt.

Mutter bedankt sich für Geschenke von Unbekannten

Als Johannes Schneider, der bei der Aktion 100 000 ein Freiwilliges Soziales Jahr ableistet, mit einem prall gefüllten Stoffsack voller Geschenke für die Familie ankommt, verdrückt die Vierfach-Mutter ein paar Tränen. „Jetzt komme ich doch noch ins Heulen.“ Auf das Begleitschreiben samt Kinokarten reagiert sie bewegt: „Das ist so krass. Kino haben wir uns bis jetzt nicht leisten können.“ Der Brief hat keinen Absender, er ist mit drei Vornamen unterzeichnet. Die Mutter sagt herzlichen Dank und hofft, dass die Spender diesen lesen werden.
Dank kommt auch von einer alleinerziehenden Frau mit drei Kindern, der das Geld für Schränke fehlt. „Ich kann gar nicht glauben, dass ich einmal Glück habe und mir geholfen wird“; kann sie es kaum fassen.
Ina Wind-Schön von den Ambulanten Diensten der Stiftung Liebenau ist Begleiterin des Mannes im Rollstuhl, der sich mit einem speziellen Handbike mehr Lebensqualität verspricht. Das Geld, das er gespendet bekommen hat, wird wohl nicht für ein neues Handbike reichen. „Aber vielleicht für ein gebrauchtes“, hofft der 32-Jährige. „Vielen Dank an die Leserinnen und Leser, die sich so einsetzen“, kommentiert Ina Wind-Schön die Spende.

Dank Spende drohende Privatinsolvenz abwenden

Sozialarbeiterin Corinna Pawlitschko vom Zentrum für ambulant betreutes Wohnen (ZAWO) nimmt den Scheck stellvertretend für ihren Klienten entgegen. Der an einer schweren Krankheit leidende Steven K. liegt im Krankenhaus. Ebenfalls nicht dabei sein kann Amelie K., die vor einigen Jahren als Minderjährige in die Prostitution gelockt worden war und nun eine Ausbildung zur Bürofachkraft absolviert. Sie muss arbeiten. Als sie später den Scheck ausgehändigt bekommt, fließen Tränen. „Sie hat vor Freude angefangen zu weinen“, erzählt ein Betreuer am Tag danach. Jetzt überlege man gemeinsam mit ihr, welche Schulden mit der Spende zuerst abgegolten werden sollen. Im Idealfall könne eine Privatinsolvenz der jungen Frau vermieden werden.

Beachtliche Resonanz

Große Hilfsbereitschaft Auf die Leserinnen und Leser der SÜDWEST PRESSE ist Verlass. Dafür sprechen die Reaktionen auf die veröffentlichten, besonders harten Schicksale. Für die Menschen in Not wurde nicht nur Geld gespendet. Vor Weihnachten kamen im Aktion 100 000-Büro zum Beispiel mehrere liebevoll verpackte Kartons und zwei große, bunte Stoffsäcke mit Geschenken an. Die Empfängerinnen und Empfänger haben sich riesig über den Inhalt – etwa Spielsachen und Gutscheine – gefreut.
Sie möchten spenden? Wir freuen uns, denn jeder Cent zählt!
Kontonummer bei der Volksbank Ulm-Biberach: IBAN DE79 6309 0100 0002 3640 18; bei der Sparkasse Ulm: IBAN DE47 6305 0000 0000 1000 03 oder bei der BW-Bank: IBAN DE05 6005 0101 7439 5013 93.