Knapp 4000 Menschen aus der Ukraine sind in unsere Region geflüchtet. Die meisten leben in Erstaufnahme-Einrichtungen – etwa im Mähringer Weg in Ulm, der Seehalle in Pfuhl sowie in Ehingen und Blaubeuren. Die Aktion 100 000 und Ulmer helft setzt genau dort an. „Wir übergeben Willkommenstaschen und verteilen in diesem Rahmen Gutscheine für Lebensmittel und Drogerieartikel“, berichtet Aktionsleiter Karl Bacherle. Bei extremen Notfällen gewähre er unbürokratische Hilfe – etwa, wenn es darum geht, eine behindertengerechte Wohnungseinrichtung zu beschaffen. „Außerdem sind wir Ansprechpartner für die vielen in Vereinen organisierten Ehrenamtlichen, die an den unterschiedlichsten Stellen ganz tolle Arbeit leisten.“

Zweckmäßige Unterkünfte

Anfang Juli machte sich Bacherle auf, um sich einen Überblick in der Erstaufnahme-Einrichtung auf dem Ulm-Messe-Gelände zu verschaffen. Dort wurde die Halle 3 mit Raumteilern so strukturiert, dass etwa 100 Wohneinheiten entstanden. Jedes Abteil ist etwa dreimal drei Meter groß und üblicherweise mit zwei Feldbetten und einem Regal ausgestattet. „So zweckmäßig die Unterkunft auch ist – was den Menschen am meisten fehlt, ist echte Privatsphäre, ein eigenes Zimmer, ein eigenes Dach über dem Kopf“, resümiert Bacherle. Deshalb sei es wichtig, für sie möglichst schnell Wohnraum im privaten Umfeld zu finden.
Angesichts der gewöhnungsbedürftigen Lebensumstände in einer Messehalle hat Bacherle die Gemütslage der Flüchtlinge überrascht. „Ich war hellauf erstaunt, so viele fröhliche, glücklich und zufrieden wirkende Menschen anzutreffen“, sagt er. Alle seien dankbar dafür, wie sie in Ulm aufgenommen worden sind. „Sie schätzen die Herzlichkeit und dass man sich so unglaublich um sie in der Halle 3 kümmert. Etwa Übungsmatten organisiert, damit sie etwas Sport machen können.“
Deshalb versuchten sie, etwas davon zurückzugeben. So helfen die Flüchtlinge etwa bei der Essensausgabe. Besonders beeindruckt war Bacherle von einer ukrainischen Lehrerin, die so rasch wie es geht ihre Deutschkenntnisse verbessern will, um nach den Sommerferien ukrainische Kinder in einer Ulmer Schule zu unterrichten.

Aktion 100 000 versucht, problematische Situationen zu lösen

Für manche Flüchtlinge war der Start in Ulm wegen spezieller Umstände besonders hart. So landete eine Frau in der Erstaufnahme-Einrichtung auf dem Messegelände, getrennt von Mann und Tochter, die es in den Mähringer Weg verschlagen hatte. „Gemeinsam mit den Sozialen Diensten der Stadt Ulm konnten wir die Familie wenige Tage später zusammenführen“, freut sich Karl Bacherle. Auch einer Familie, bei der eines der vier Kinder schwerstbehindert ist, konnte die Aktion 100 000 unter die Arme greifen. Bacherle: „Wir haben sehr schnell Verbindung zur nahe gelegenen Gustav-Werner-Schule aufgenommen. Dort ist der Junge nun gut aufgehoben.“
Außerdem werden gerade an vielen Flüchtlingsunterkünften in Ulm, Neu-Ulm und den angrenzenden beiden Landkreisen Plätze für robustes Spielzeug geschaffen. Letzteres kauft die Aktion 100 000. „Am Mähringer Weg wollen wir einen Bauwagen für die Spielsachen organisieren“, erzählt Bacherle. Auch an ein Ferienprogramm für Kinder sei gedacht. Es gebe Überlegungen, 9 Euro-Tickets zu sponsern und Minigolfspielen in der Friedrichsau, gemeinsames Eisessen und Grillen anzubieten. „Außerdem wollen wir am Mähringer Weg Wasserduschen für draußen bereitstellen, die bei der momentanen Hitze etwas Erfrischung bieten.“

Wohnungen und Fahrräder gesucht

Wohnraum Wohnungsangebote bitte an (0731) 161-5400 (Mo - Fr, 9 - 12 h), wohnraum@ulm.de. Die Miete übernimmt die Stadt.
Fahrräder Rund 600 Menschen leben in der Erstaufnahmeeinrichtung am Mähringer Weg. Damit Kinder und Jugendliche den Spaß an der Bewegung nicht verlieren, freut sich die Abteilung Soziales über Fahrradspenden. Angebote bitte an a.balasch@ulm.de