Es gab Zeiten, da überfiel die alleinerziehende Mutter Hanna R. (alle Namen geändert) Todesangst, wenn sie das Haus verließ. Sie tat es dennoch, um ihre Kinder auf den Spielplatz zu begleiten. Die beiden Mädchen sind heute fünf und vier Jahre alt.

Schlaflos und „komplett überfordert“

Milena kam auf die Welt, als ihre Schwester elf Monate alt war. Die war mit einer seltenen Erkrankung geboren worden, die schon im Säuglingsalter mehrere neurochirurgische Operationen und die Ableitung von Gehirnwasser über einen   sogenannten Shunt erforderte. „Wir waren monatelang mit kurzen Unterbrechungen in der Klinik“, berichtet Hanna R. Trotz Verhütung wurde sie rasch  – und längere Zeit unbemerkt – wieder schwanger. Der Vater der Kinder erwies sich in der Zeit als unzuverlässig, deshalb nahm sie Abstand von dem Plan, mit ihm zusammenzuziehen. Arztbesuche und -gespräche, Klinikaufenthalte, die Organisation des Alltags und die Sorge für die zwei Babys blieben an Hanna R. hängen. Sie fand keinen Schlaf mehr. „Ich war komplett überfordert“, sagt die 29-Jährige, die sich mit Arbeitslosengeld II über Wasser hält. Aber „ich funktionierte, wie ich funktionieren sollte“ – etwa zwei Jahre lang.
Als sie 2019 von einer Zwei-Zimmer- in eine Vier-Zimmer-Wohnung umziehen konnte, brach sie zusammen. „Ich hab´ nur noch geheult, die kleinste Belastung führte zu Panikattacken.“ Das kannte sie  aus früheren Jahren. Ihre Kindheit und Jugend waren alles andere als rosig: Der Vater war suchtkrank, von der Mutter konnten Hanna R. und ihre Geschwister kaum Hilfe und Zuwendung erwarten. Im Elternhaus „ging alles drunter und drüber“.

Den Kindern Perspektive bieten

Die familiäre Situation führte dazu, dass Hanna R. trotz Gymnasialempfehlung die Hauptschule besuchte. Ihre Ausbildung zur Kinderpflegerin, die ihr „richtig viel Spaß“   gemacht hatte, musste sie abbrechen, als sie bereits damals von Panikattacken heimgesucht wurde.
Sie schlug sich durch mit diversen Jobs und träumte von einer intakten Familie. Nun setzt sie alles daran, „dass sich meine Kinder entfalten können, eine unbeschwerte Kindheit und eine Perspektive haben“. Sie merkte nach dem Burnout schnell, dass sie diesmal mit der Angststörung nicht alleine fertig würde und kümmerte sich sofort um eine   Therapie. Daher bekomme sie den Alltag jetzt geregelt, sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten.
„Alles, was nicht normal ist, schlaucht mich sehr.“ Dazu gehört, dass im vergangenen Jahr kurz nacheinander Kühlschrank und Waschmaschine – beides gebraucht gekaufte Geräte – den Dienst versagten. Wegen ihrer bisher   horrenden Stromrechnung entschied sich Hanna R., einen neuen, energieeffizienten Kühlschrank zu kaufen und in Raten zu zahlen. Solche Anschaffungen reißen ein großes Loch in die ohnehin leere Kasse.
Der Wunsch der jungen Mutter, mal zur Ruhe zu kommen, scheint vergeblich. Als sich ihre fünfjährige Tochter am ersten Weihnachtsfeiertag ständig übergeben musste, war Hanna R. alarmiert. Denn Erbrechen könne auf Probleme im Shuntsystem hinweisen. Sie bat eine Bekannte, sie und die Kinder nach Ulm in die Klinik zu fahren. Das MRT war zum Glück unauffällig. Hanna R. war erleichtert: „Wir wurden von der Neurochirurgie in die Kinderklinik geschickt, wo zum Glück nur ein Magen-Darm-Infekt festgestellt wurde.“ Wieder einmal bedauerte sie es sehr, weder Auto noch Führerschein zu besitzen – aber dafür habe ihr schlicht und einfach immer das Geld gefehlt, sagt die junge Mutter.

Ihr Traumberuf ist Erzieherin

Sie möchte gerne wieder arbeiten. Denn die aktuelle Berufsunfähigkeit, die Psychotherapie und die Arztfahrten belasten sie finanziell sehr. Aber sie weiß auch: Zuerst muss sie psychisch stabil sein. Am liebsten würde sie dann die abgebrochene Ausbildung noch einmal machen, bei der allerdings kein Gehalt bezahlt wird. Aber der Abschluss wäre zugleich die Grundlage für eine Weiterbildung zur Erzieherin – den Traumberuf von Hanna R.

Konkrete Hilfe für Hanna R.

Gezielt unterstützen Wer Hanna R. und ihren Kindern unter die Arme greifen will, vermerkt auf der Überweisung unter Verwendungszweck „Hanna R.“.