Jeder Mensch hat Interessen und Hobbys. Manche davon scheinen recht ausgefallen zu sein.
Es gibt Menschen, die züchten Brieftauben. Andere tauchen im Meer mit Haien. Und wieder andere drehen ganze Filme mit Lego-Figuren nach. Alles Dinge, die eher ungewöhnlich sind. Da passiert es schnell, dass man diese Freizeitbeschäftigungen als etwas eher „Verrücktes“ abstempelt.
Doch nur, weil einem selbst der Zugang dazu fehlt, muss ein Hobby ja nicht als „Spinnerei“ belächelt werden. Ganz im Gegenteil: Meist hilft es, sich mit der Person über ihr Steckenpferd zu unterhalten, um zu erkennen: Das Hobby ist gar nicht un-, sondern außergewöhnlich!
Marcus Eisenhart, genannt Don Fidji, ist 40 Jahre alt, wohnt in der Nähe von Günzburg und hat ein Hobby, das auf den ersten Blick eher ungewöhnlich, für manche vielleicht sogar ein bisschen seltsam ist. Er sammelt Actionfiguren. Mit den Spielzeug-Figuren, die man für 15 Euro im Spielwarenhandel bekommt, hat das Ganze aber nur wenig zu tun.
Seine Figuren sind akribisch gearbeitete Repliken von Schauspielern, Superhelden oder Filmfiguren und kosten schon mal 400 Euro. Ist diese Form der Freizeitbeschäftigung bis hierhin ungewöhnlich, wird sie beim nächsten Schritt dann aber wirklich außergewöhnlich. Don Fidji kauft sich nicht nur Actionfiguren, er baut sie auch selbst, modifiziert und bemalt sie.
 

Es begann mit dem Joker

 
Angefangen hat alles 2013 mit der Joker-Figur aus dem 1989er-Batman-Film. Die Qualität überzeugte den Sammler. Insbesondere der detailreich modellierte Kopf, der sogenannte „Head Sculpt“, begeisterte ihn. Die Figur sah genauso aus wie Jack Nicholson als „Clown Prince of Crime“, nur eben kleiner. Damit war der Grundstein der Sammlung gelegt. Es folgten unter anderem Figuren von Bruce Lee und dem Terminator. Im Laufe der Zeit verließen einige die Sammlung und zahlreiche neue kamen hinzu. Bei den meisten davon handelt es sich um voll bewegliche Figuren im Maßstab 1:6. Sie sind also etwa 30 bis 35 Zentimeter hoch. Die Sammlung selbst ist seit damals auf knapp 100 Action-Figuren gewachsen und besteht in weiten Teilen aus Superhelden von DC und Marvel sowie Filmfiguren wie dem Predator, Ellen Ripley oder Rambo. Kaum verwunderlich. Don Fidji ist großer Fan des 80er-Jahre-Kinos und Comic-Liebhaber.
 
Doch nicht nur er erfreut sich an seinen Figuren. Vor Corona stellten er und befreundete Sammler ihre Kollektionen im Rahmen der „Movie Hero Days“ im Legoland aus. Wer nun denkt, nur die Kinder hätten Spaß am Anblick von Spider-Man, Hulk und Co – weit gefehlt. „Die Kinder freuen sich da natürlich drüber und schauen sich alles an. Aber was immer besonders cool ist, sind die Väter, die dabei sind und große Augen bekommen, wenn sie beispielsweise Rambo da stehen sehen. Mit denen kommst du dann oft ins Gespräch“, erzählt der Sammler und ergänzt lachend: „Vorletztes Jahr war ein Vater dabei, der war total vernarrt in meine Conan-Figur und wollte die unbedingt haben. Ich hoffe echt, dass wir so eine Ausstellung bald mal wieder machen können.“
 

Figuren einfach selber machen

 
Irgendwann kam ihm die Idee, Figuren nach eigener Vorstellung zu gestalten. Sein erstes Projekt: Skeletor, He-Mans Gegenspieler aus der Masters-of-the-Universe-Reihe. „Ich dachte, es wäre doch cool, Masters-Figuren im 1:6-Maßstab zu haben. Dann hab ich mir irgendwann einfach einen Skeletor ‚zusammengeschustert‘. Ich hab mir verschiedene Teile besorgt und angefangen. Das war der Beginn meiner kleinen ‚Masters-of-the-Universe-Line‘. Sozusagen meine eigene, etwas düstere Interpretation des Ganzen“, erzählt Don Fidji. Im Laufe der Jahre hat er natürlich immer mehr dazugelernt und auch seine erste Figur immer wieder upgedated.
 
Für seine Eigenkreationen benutzt er sowohl Teile bestehender Figuren, als auch Einzelteile, die er online kauft. „Teile von Figuren benutze ich je nach dem, ob sie passen. Seit ein paar Jahren kannst du aber viel in China bestellen, also Bodys, Köpfe und so weiter. Von der Qualität her sind die echt super. Die Körper sind aus Silikon und haben ein Metallskelett. Dadurch sind sie voll beweglich“, erklärt der 40-Jährige und erzählt weiter: „Mit denen arbeite ich echt gerne. Eines meiner Lieblingsstücke, die ich gemacht habe, ist Conan der Barbar. Da habe ich zum Beispiel einen Terminatorkopf genommen, das Plastikhaar entfernt und durch Echthaar beziehungsweise Mohair ersetzt. Also Strähne für Strähne mit Sekundenkleber. Das hat damals locker zehn Stunden gedauert, also nur für das Anbringen der Haare. Heute bin ich da schneller.“
Wie lange er an einer Figur insgesamt arbeitet, ist schwer zu sagen. Neben der Figur selbst, dem Modifizieren von Teilen und dem Anbringen von Haaren, kommt mitunter auch das Basteln von Rüstungsteilen und Kleidung hinzu. Neben den Figuren im Maßstab 1:6 hat Don Fidji auch noch andere Eigenkreationen. Im vergangenen Jahr kam ihm die Idee zu den „Masters of the Customverse“. Hierfür nutzt er die muskulösen Körper der klassischen Figuren aus dem He-Man-Umfeld, bestückt diese mit Köpfen von etwa Stan Lee, Rocky Balboa oder den Minions und bemalt die Figur entsprechend. Damit nicht genug: Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, gestaltet er auch die Verpackung um. Das Ergebnis sind Einzelstücke, die so auch im Laden stehen könnten.
 

Wertschätzung für die kreative Leistung

 
Seine selbst erschaffenen Figuren stellt er sich aber nicht nur ins Regal. Wenn der Platz zu eng wird oder er eine Anfrage erhält, trennt sich Don Fidji auch von der ein oder anderen. Einige seiner Kreationen stellt er beispielsweise auf eBay. Es kommt aber auch vor, dass ihn Leute per Facebook oder Instagram direkt anschreiben.
Auftragsarbeiten übernimmt er ebenfalls. Aktuell sitzt er an zwei He-Man-Figuren im Maßstab 1:6 für andere Sammler. Wie in vielen kreativen Bereichen hat man auch in der Welt der Figuren-Kreationen mit den unterschiedlichsten Leuten zu tun. Auf der einen Seite schätzen viele die Arbeit, die in die Custom-Figuren fließt. Auf der anderen gibt es aber auch genug, die kein oder kein ausreichendes Verständnis dafür zu haben scheinen.
„Die meisten, die mich beauftragen, sind super. Da wird dann auch nicht verhandelt oder so. Einem Sammler aus München hab ich zum Beispiel Bruce Willis aus ‚Stirb langsam‘ in dieser Masters-Customverse-Art gemacht. Der hat sich so sehr darüber gefreut, dass er mir sogar etwas mehr überwiesen hat“, lacht der Actionfiguren-Enthusiast, gibt aber gleich darauf zu bedenken: „Leider gibt es aber manchmal auch welche, die haben ganz seltsame Preisvorstellungen. Oder du hörst gleich gar nichts mehr von ihnen, wenn du denen den Preis genannt hast. Da fehlt es dann offenbar am Verständnis, wie viel Zeit und Arbeit in so einer Custom-Figur mitunter drinsteckt. Ist natürlich schade. Kann man aber halt nichts machen.“
 
Im Gespräch mit dem Sammler und Erschaffer von Action-Figuren wird eins deutlich: Don Fidji ist jemand, der mit Leidenschaft bei der Sache ist. Es macht Spaß, sich mit ihm über sein Hobby und die Welt drumherum zu unterhalten. Und auch wenn vielleicht nicht jeder etwas mit diesem Hobby anfangen kann, spannend ist es auf alle Fälle.
 
[Frizz]

Weitere Infos und Bilder unter:

Instagram.com/donfidji