Zugverkehr im Kreis Tübingen
: Ammertalbahn wieder mit Stundentakt– mysteriöse Probleme mit Diesel-Loks

Erneut muss die Ammertalbahn in den Krisenmodus schalten. Dieses Mal liegt es an den von der Bahn auf der jüngst elektrifizierten Strecke eingesetzten Diesel-Triebwagen. Landrat Hendrik Bednarz fordert eine nachhaltige Lösung.
Von
Jonas Bleeser
Tübingen/Ammerbuch
Jetzt in der App anhören
Ammertalbahn, Zug, Zugausfall, SEV, Deutsche Bahn, DB, Regio, Schienen, Elektrifizierung, Verspätung, ÖPNV 06 26 Foto Carolin Albers

Wieder Ärger auf der Strecke zwischen Tübingen und Böblingen: Die Ammertalbahn geht ab Montag zurück auf einen Stundentakt, zusätzlich sollen Busse fahren.

Carolin Albers/Archiv
  • Ammertalbahn fährt voraussichtlich bis 12. Juli im Stundentakt, ergänzt durch Busse.
  • Grund sind häufige Störungen bei Diesel-Triebwagen auf der elektrifizierten Strecke.
  • DB Regio richtet Task-Force und zusätzliche Werkstattplätze ein – bisher ohne Lösung.
  • Ab Tübingen: stündlich zur Minute 41, ab Herrenberg: zur Minute 49; zusätzliche Randlagen-Züge.
  • Busse im 20/40-Takt: ab Tübingen Minute 10/50, ab Herrenberg Minute 15/55 – Schulanschlüsse gesichert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wieder Ärger für Passagiere der Ammertalbahn: Voraussichtlich bis 12. Juli wird der Zugverkehr auf einen Stundentakt reduziert und mit Schienenersatzbussen ergänzt. Das teilt der Zweckverband Ammertalbahn mit, der die Strecke betreibt.

Weder mehr Werkstattplätze noch Task-Force bringen Lösung

Mit dem Fahrverkehr auf der wichtigen Pendlerstrecke, die auch von zahlreichen Schülerinnen und Schülern genutzt wird, ist die DB Regio der Deutschen Bahn beauftragt. Sie setzte in den vergangenen Wochen vermehrt Dieselfahrzeuge anstelle der vereinbarten elektrischen Fahrzeuge der Baureihe ET440 ein – dabei war die Strecke Ammertalbahn erst vor wenigen Jahren aufwendig elektrifiziert worden. Seit dieser Woche kommt es vermehrt zu Ausfällen. Das liege an einer außergewöhnlich hohen Störhäufigkeit der Fahrzeuge, „die kein erkennbares Muster aufweist, wodurch die Instandsetzung erschwert wird und zu mangelnder Fahrzeugverfügbarkeit führt“, so der Zweckverband. Ein ähnliches Problem gab es bereits im Januar dieses Jahres. Nun gibt es erneut eine Notlösung mit ergänzendem Schienenersatzverkehr.

Landrat will „nachhaltiges Konzept“ der Bahn

Die DB Regio habe zusätzliche Werkstattkapazitäten in München gebucht und eine bereichsübergreifende Task-Force eingerichtet, aber bislang ohne Erfolg. „Nachdem wir bereits im Januar aufgrund von Minusgraden und Wintereinbruch mit zahlreichen fahrzeugbedingten Ausfällen konfrontiert waren, sorgt nun die Sommerhitze für eine vergleichbar unbefriedigende Situation“, äußert sich Sarah Wüstenhöfer, Geschäftsführerin des Zweckverbands ÖPNV zur aktuellen Lage.

Das stelle für Fahrgäste, Berufspendler und den Schülerverkehr eine äußerst unbefriedigende und nicht hinnehmbare Situation dar. „Wir fordern DB Regio daher auf, sowohl die Fahrzeugverfügbarkeit als auch eine Verbesserung der Betriebsqualität sicherzustellen und ein nachhaltiges Konzept vorzulegen“, schreibt der Verbandsvorsitzende Landrat Hendrik Bednarz an die Regionalleitung von DB Regio.

Der von DB Regio für die kurzfristig ausfallenden Leistungen eingerichtete Busnotverkehr verkehrt aufgrund der deutlich längeren Fahrzeiten auf der Straße nicht zu denselben Abfahrtszeiten wie die Züge. Bei kurzfristig eingesetztem Busnotverkehr können keine geplanten Abfahrtszeiten veröffentlicht werden, da die Situation von verschiedenen Faktoren wie beispielsweise der Anzahl der zur Verfügung stehenden Busse und der Anzahl und zeitlichen Lage ausfallender Züge abhängig ist.

Ab Montag Züge nur noch jede Stunde

Daher wird ab Montag, 29. Juni, der Fahrplan auf einen Stundentakt reduziert, ergänzt um ein Schienenersatzverkehrskonzept. Hierdurch soll Stabilität und Verlässlichkeit erreicht werden.

  • Die Züge verkehren ab Tübingen Hauptbahnhof in Richtung Herrenberg von 5.41 Uhr bis 23.41 Uhr im Stundentakt jeweils zur Minute 41.
  • In Herrenberg fahren die Züge von 5.49 Uhr bis 23.49 Uhr in Richtung Tübingen stündlich zur Minute 49.
  • In den Tagesrandlagen verkehren weitere Züge ab Tübingen um 4.27 Uhr und 5.11 Uhr, ab Herrenberg um 4.59 Uhr und 0.49 Uhr (montags bis freitags) und 1.19 Uhr (samstags und sonntags).
  • Die Busse fahren in einem 20/40-Minuten-Takt, die Abfahrtszeiten werden analog dem Zugverkehr angepasst. Der Bus fährt ab Tübingen Hauptbahnhof jeweils zur Minute 10 und 50 mit allen Unterwegshalten, ab Herrenberg ZOB jeweils zur Minute 15 und 55.
  • So sollen Schülerinnen und Schüler die Zugverbindung um 6.49 Uhr ab Herrenberg beziehungsweise 7.02 Uhr ab Entringen in Richtung Tübingen nutzen können, um den Schulbeginn der ersten Stunde der Tübinger Schulen pünktlich zu erreichen.
  • Auch der Umstieg in Pfäffingen auf den Bus der Linie 793 in die Schulen nach Rottenburg ist mit dieser Verbindung erreichbar. Schülerinnen und Schüler Richtung Herrenberg erreichen mit der Zugankunft 7.11 Uhr in Herrenberg ebenfalls pünktlich ihre Schulen.

Das Konzept wird bis zur Stabilisierung der Fahrzeugverfügbarkeit, voraussichtlich bis 12. Juli gefahren.

Weitere Informationen sollen in den üblichen Reiseauskunftsmedien sowie auf der Homepage der Ammertalbahn (www.ammertalbahn.de) kurzfristig veröffentlicht und über die Anzeiger an den Bahnsteigen sowie auf Instagram kommuniziert werden. Die Fahrgäste werden gebeten, sich vor Reiseantritt zu informieren.