Weihnachtsspendenaktion
: Zuhause alt werden: Dabei hilft das Seniorenmobil

Gundi Reichenmiller und Elisabeth Meinhard vom Stadtseniorenrat und die städtische Seniorenbeauftragte Cordula Körner sind die Gesichter des Seniorenmobils Tübingen. Sie hoffen, dass das Angebot für Ältere mit Hilfe der TAGBLATT-Leserinnen und -Leser erhalten werden kann.
Von
Miri Watson
Tübingen
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Wochengäste Seniorenmobil Weihnachtsspendenaktion (von rechts): Gundi Reichenmiller, Cordula Körner und Elisabeth Meinhardt

Engagieren sich für das Seniorenmobil: Elisabeth Meinhardt, Cordula Körner und Gundi Reichenmiller (von links).

Carolin Albers
  • Drei Frauen fördern das Seniorenmobil in Tübingen: Reichenmiller, Körner und Meinhardt.
  • Seit Mai 2022 bietet das Seniorenmobil günstige Taxifahrten für mobilitätseingeschränkte Senioren an.
  • Finanzierung durch Stadtwerke Tübingen und Kooperation mit Taxiunternehmen Karayagiz.
  • Über die Hälfte der Fahrten dienen sozialer Teilhabe, der Rest medizinischen Zwecken.
  • Ziel: Ältere sollen länger zu Hause leben können.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Drei Frauen sind es, die sich engagiert und hartnäckig dafür eingesetzt haben, dass es in Tübingen ein Seniorenmobil gibt – und dass es bleiben kann: Gundi Reichenmiller, ehemalige Kilchberger Ortsvorsteherin und Vorsitzende im Stadtseniorenrat, Cordula Körner, städtische Seniorenbeauftragte, und Elisabeth Meinhardt, Schriftführerin des Stadtseniorenrats.

Alle drei haben unterschiedliche Beweggründe, sich für das Seniorenmobil stark zu machen. Für Reichenmiller ist das Tübinger Seniorenmobil nicht der erste Vorstoß im Bereich Mobilität im Alter. Noch in ihrer Zeit als Ortsvorsteherin hat die engagierte Frau sich für die Einführung des ehrenamtlichen Bürgerautos in Kilchberg eingesetzt. Immer dienstags und donnerstags können Kilchbergerinnen und Kilchberger, die nicht oder nicht mehr gut zu Fuß sind, den Fahrservice nutzen.

Nachdem Reichenmiller sich 2019 dazu entschieden hatte, nicht mehr als Ortsvorsteherin zu kandidieren, begann die heute 70-Jährige direkt mit ihrem Engagement beim Stadtseniorenrat. Zunächst war sie vor allem im Bereich der Stadtteiltreffs aktiv. Als es in der Corona-Zeit dann das Corona-Taxi in Tübingen gab, kam ihr die Idee für ein Seniorenmobil in der Kernstadt. Zwei Jahre lang überlegte sie gemeinsam mit Körner, wie das genau aussehen könnte – denn es war schnell klar, dass ein Bürgerauto wie in Kilchberg und anderen Teilorten in Tübingen nicht umsetzbar wäre.

Ein Erfolgskonzept geworden

Als Oberbürgermeister Boris Palmer im Bürgermeisterwahlkampf das Projekt für gut befand, ging es an die konkrete Umsetzung: Reichenmiller und Körner hatten die Idee, mit dem Taxiunternehmen Karayagiz zusammenzuarbeiten; die Stadtwerke Tübingen gaben eine Anschubfinanzierung. Seit Mai des vergangenen Jahres können Interessierte ab 65, die mobilitätseingeschränkt sind, das Angebot nutzen. Dafür können sie bei der Beratung im Büro des Stadtseniorenrats die Gutscheine abholen, mit denen die vergünstigten Taxifahrten im Stadtgebiet möglich sind.

Bei einer ersten Auswertung nach einem halben Jahr Seniorenmobil fand Reichenmiller heraus, dass mehr als die Hälfte der Fahrten der sozialen Teilhabe dienen, der Rest sind medizinische Fahrten. „Am Anfang konnten wir schlecht einschätzen, wie das Angebot wohl genutzt werden wird“, so Reichenmiller. „Man muss sagen, es ist ein Erfolgskonzept geworden.“

Körner ist städtische Seniorenbeauftragte. Für sie ist das Seniorenmobil „ein Baustein für das Leben daheim“. Den älteren Tübingerinnen und Tübingern zu ermöglichen, möglichst lange daheim zu bleiben, ist eine der Bestrebungen Körners: „Mein Ziel hat sich in den sieben Jahren, in denen ich bei der Stadt arbeite, sehr geändert“, erzählt die Seniorenbeauftragte. „Am Anfang war es noch die Sicherung der stationären Pflege.“ Wegen fehlenden Fachkräften und fehlenden Trägern für Pflegeheime hat sich dieses Ziel immer mehr in Richtung Zuhause leben verschoben. „Und wir merken mehr und mehr, dass es auch das ist, was die Leute wollen“, so die 54-Jährige. „Der Wunsch der meisten Menschen ist, zuhause alt zu werden.“

Ehrlich miteinander sein können

Körner hat in der Jugendhilfe angefangen, merkte dann aber, dass die Arbeit für und mit älteren Menschen interessanter für sie ist. Über das Thema Pflege-WGs kam sie 2017 zur Stadt Tübingen, wo sie seit 2020 Beauftragte für Seniorinnen und Senioren ist. Für das Seniorenmobil-Projekt setzte sie sich gerne ein – weil es von Seiten des Stadtseniorenrats angestoßen worden war. „Ohne das Engagement von Frau Reichenmiller hätte ich das nicht gemacht“, sagt Körner. „Ich finde es sehr schön, mit engagierten Fachbürgern zusammenzuarbeiten – das ist ein Erfolgskonzept.“

Eine Fachbürgerin ist auch Meinhardt. Die 66-Jährige ist seit drei Jahren im Ruhestand, davor arbeitete sie als Verwaltungsangestellte im Tumorzentrum. Sie wollte sich gerne ehrenamtlich engagieren, war aber mit ihrem ersten Ehrenamt – Deutschnachhilfe für Kinder zu geben – nicht ganz zufrieden. Durch eine lose Bekanntschaft mit Reichenmiller kam sie im vergangenen Jahr zu einem Workshop für Interessierte beim Stadtseniorenrat – und ist seitdem dort geblieben, weil ihr die Arbeit so gut gefällt: „Das liegt mir einfach, wenn man ehrlich miteinander umgehen kann“, so Meinhardt.

Sie engagiert sich in den Beratungssprechstunden für das Seniorenmobil, außerdem schreibt sie die Protokolle bei den Sitzungen des Stadtseniorenrats und arbeitet am „Wegweiser“ – einer ausführlichen Informationsbroschüre für ältere Menschen, die alle zwei Jahre neu herausgegeben wird – mit. „Ich bin wirklich froh, beim Stadtseniorenrat dabei zu sein“, sagt Meinhardt.

Elisabeth Meinhardt

1958 in Geislingen an der Steige geboren

1977 bis 1984 Studium der Romanistik und katholischen Theologie in Tübingen

1985 bis 1987 Umschulung zur Wirtschaftskorrespondentin für Englisch und Französisch in Stuttgart

1987 bis 2021 Verwaltungsangestellte bei verschiedenen Arbeitgebern, zuletzt am Tumorzentrum des UKT

Seit 2024 aktiv im Stadtseniorenrat

Cordula Körner

1970 in Nürnberg geboren

Diplom-Sozialarbeiterin und Sozialbetriebswirtin

Seit 2017 bei der Stadt Tübingen, zuerst beim Projekt Seniorenleben und Pflege

Seit 2020 Beauftragte für Seniorinnen und Senioren der Stadt Tübingen

Gundi Reichenmiller

1954 in Schwäbisch Gmünd geboren

Studium der Anglistik und Romanistik in Tübingen, Tätigkeiten im Romanischen Seminar der Universität, Sprachdozentin an der Volkshochschule Tübingen und Familienzeit

Ab 1995 im Ortschaftsrat Kilchberg

Von 2004 bis 2019 Ortsvorsteherin in Kilchberg

Ab 2020 Mitarbeit im Stadtseniorenrat, seit 2021 im geschäftsführenden Vorstand