Weihnachtsspendenaktion: UKT-Projekt gegen Angst soll Kindern die Behandlung erleichtern

Eny Lou hat keine Angst mehr vor der Untersuchung. Die Ärztin Hana Isijanov (links) und Kinderkrankenschwester Simone Weiß (rechts im Bild) nehmen sich Zeit für die Siebenjährige. Mit dabei: Eny Lous Mutter Desiree Knebel.
Karoline Niethammer/Stiftung Hilfe für kranke Kinder- Projekt „Zauberformel gegen Angst“ am Uniklinikum Tübingen soll Kindern die Angst vor Behandlungen nehmen.
- Eny Lou und Yuna Fee überwinden dank „Zaubertasche“ und medizinischer Hypnose ihre Angst.
- Die „Zaubertasche“ enthält Bücher, Spielzeuge und das Medizinprodukt „Buzzy“.
- Initiatorinnen sind Susanne Haase und Katharina Riebe.
- Spenden sind möglich, um das Projekt zu unterstützen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein Jahr ist es her, da hatte Eny Lou einen Rodelunfall, die Hüfte war ausgekugelt, ein Rettungshubschrauber flog sie nach Innsbruck ins Krankenhaus. Es war ein traumatisches Erlebnis für die damals 6-Jährige. Die Schmerzen. Die Angst. Vor allem: die Spritzen. Eigentlich kennt Eny Lou Ärzte und Krankenhäuser. Sie hat Mukoviszidose, eine angeborene Stoffwechselerkrankung. Alle drei Monate kommt sie in die Tübinger Uniklinik zur Kontrolle, Blutabnahme, Rachenabstrich. Auch auf dem Flug nach Innsbruck sollte ihr Blut abgenommen werden. Zwölf, dreizehn, bis zu fünfzehnmal, erinnert sich ihre Mutter Desiree Knebel, stachen sie die Spritze in sie hinein, bis sie an ihr Blut kamen. Danach wollte sich Eny Lou kein Blut mehr abnehmen lassen. Im Januar, nach dem Unfall, habe Eny Lou gezittert vor Angst, als sie kam, erinnert sich Hana Isijanov, Ärztin in der Mukoviszidoseambulanz des Uniklinikums. „Es war nicht denkbar, ihr Blut abzunehmen.“
Bei einigen Kindern hilft eine kleine Ablenkung, ein Buch etwa, um die Aufmerksamkeit von der Behandlung wegzulenken. Es geht nicht nur um Blutabnehmen. Röntgen, Rachenabstriche, Verbandswechsel – es gibt viele Situationen, die Kindern, die oft nicht verstehen, was da mit ihnen geschieht, Angst machen können. Und es gibt Kinder, die haben so schlechte Erfahrungen gemacht, dass es traumatisierend für sie ist.
Ein Schwebevogel und eine vibrierende Biene
Jede Station in der Kinderklinik hat eine „Zaubertasche“. Die Kinderkrankenschwester Simone Weiß zeigt, was darin ist: ein Wimmelbuch, ein Buch mit optischen Täuschungen, ein schwebender Vogel. Es reicht, ihn mit dem Schnabel auf den Finger zu setzen, um sein Gewicht in der Luft zu halten. Es gibt Zauberstäbe, gefüllt mit vielen bunten Farben, Tiere sind darin versteckt und wirbeln durch den Stab, wenn man ihn dreht. Beliebt ist auch „Buzzy“. Buzzy sieht aus wie eine Biene, ihr Bauch vibriert und man kann ihr kühlende Gel-Flügel anheften. Was Kinder nicht wissen: Buzzy ist ein Medizinprodukt, Kälte und Vibration können nämlich die Schmerzweiterleitung an das Gehirn beeinflussen, sodass die Schmerzen von Injektionen gemindert werden.
„Es gibt Kinder, die brauchen einfach mehr, um über traumatische Erfahrungen hinwegzukommen“, sagt Susanne Haase. Sie ist Pflegefachkraft am Uniklinikum Tübingen, seit Jahren in der Schmerz-Arbeitsgruppe dabei und sie hat zusammen mit der Kinderärztin Katharina Riebe das Projekt „Zauberformel gegen Angst“ initiiert. Die Zauberformel steckt in der Zaubertasche. Auch für Yuna Fee. Die Dreijährige war ein Frühchen, zwei Monate vor dem errechneten Termin kam sie auf die Welt. Aber irgendetwas stimmte bei ihr nicht, erinnert sich ihre Mutter Sarah Benkler. Sie hatte Fieber, erbrach sich ständig, nahm nicht zu. Zu hören bekam sie aber immer nur, dass das bestimmt mit der vorzeitigen Geburt zu tun habe. Zwei Jahre brauchte es, bis eine genetische Untersuchung ergab: Yuna Fee leidet an dem PFAPA-Syndrom, eine seltene Erkrankung, die gekennzeichnet ist von Fieberschüben.

Der Schwebevogel funktioniert auch auf der Nase von Christine Michler, sie arbeitet im Pädiatrischen Inflammationszentrum Tübingen. Der dreijährigen Yuna Fee, die bei ihrer Mutter Sarah Benkler sitzt, gefällt das.
Karoline Niethammer/Stiftung Hilfe für kranke KinderDas aufgeweckte Mädchen sitzt auf dem Schoß ihrer Mutter in der Kinderklinik und spielt mit dem Zauberstab, blättert in einem Wimmelbuch, hält sich die vibrierende Biene an den Arm. Buzzy hat ihr geholfen, die Angst vor dem Blutabnehmen zu überwinden. Und Angst hatte sie große. „Die Blutabnahmen haben nicht funktioniert“, sagt Sarah Benkler. Viele Ärzte haben sie durchprobiert, viele Kliniken. Teils, sagt sie, gingen sie zu fünft an das Mädchen, um sie festzuhalten. Teils fuchtelte jemand minutenlang mit der Spritze vor dem Mädchen herum. „Kinder können eine unglaubliche Kraft entwickeln, wenn sie Angst haben“, sagt Sarah Benkler. Deshalb fährt sie mit ihrer Tochter immer aus dem Donautal nach Tübingen. Bei keinem anderen Arzt gelang es nämlich, dem Mädchen Blut abzunehmen.
„Die Zaubertasche ist aber nicht alles“, sagt Susanne Haase. Es müssen auch Menschen da sein, die sie einzusetzen wissen, Ärzte, Pfleger. In der Mukoviszidoseambulanz wurden die Mitarbeiter bereits geschult. Das Projekt „Zauberformel gegen Angst“ soll nun in der ganzen Kinderklinik gezielt auf den Weg gebracht werden. Mit Schulungen, Sensibilisierung, auch mit einem eigens dafür angestellten Schmerztherapeuten. Denn Yuna Fee und Eny Lou sind nur zwei von ganz vielen Kindern, die Angst vor der Behandlung haben.
Eins ist in der Zaubertasche übrigens nicht drin. Es hat Eny Lou geholfen, keine Angst mehr vor Spritzen zu haben. Eine Reise. Zu einem sicheren Ort. Einige Mitarbeiter sind nämlich schon in medizinischer Hypnose geschult und konnten dem Mädchen helfen, einen inneren Ort zu finden, der ihr die Angst vor der Behandlung nahm. Eny Lous Traumreise führte sie auf einem fliegenden Teppich ins Zillertal, dort, wo sie immer Urlaub machen. Sie stellte sich den Flug vor, die Ferienwohnung – und schon war das Blut abgenommen bei ihr.
So können Sie die Projekte unterstützen
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