Was Eltern tun können
: Medienkonsum bei Kindern im Kreis Tübingen deutlich gestiegen

Aus Ergebnissen der Einschulungsuntersuchungen geht hervor: Seit der Corona-Pandemie ist der Medienkonsum bei Kindern im Kreis Tübingen deutlich gestiegen. Das Gesundheitsamt gibt Tipps für Eltern – und warnt: Die Beschränkung der Bildschirmzeit reicht nicht aus.
Von
Moritz Siebert
Tübingen
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Zwei Kinder auf einer Couch spielen an Konsolen: ILLUSTRATION - Der Nachwuchs ist dauernd online? Um das zu verhindern, leben Eltern am besten selbst ein wenig Zurückhaltung an Smartphone und Co. vor. (zu dpa: «Wie Eltern Kinder gegen psychische Erkrankungen stark machen») Foto: Benjamin Nolte/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Für Kinder im Alter von 6 bis 9 Jahren empfehlen Experten maximal 30 bis 45 Minuten Bildschirmzeit am Tag.

Benjamin Nolte/dpa-tmn/dpa
  • Medienkonsum von Kindern im Kreis Tübingen bleibt seit der Pandemie deutlich erhöht.
  • Gesundheitsamt warnt: Nur Bildschirmzeit zu begrenzen reicht nicht – Inhalte und Begleitung zählen.
  • Empfehlungen: bis 3 Jahre bildschirmfrei, 3–6 Jahre höchstens 30 Minuten an einzelnen Tagen.
  • 6–9 Jahre maximal 30–45 Minuten; viele Kinder überschreiten dies, besonders am Wochenende.
  • Gaming und Social Media wirken stärker negativ als gemeinsames Fernsehen, Eltern sollen begleiten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Zum Schuljahresbeginn veröffentlicht das Gesundheitsamt Tübingen Ergebnisse der Einschulungsuntersuchungen. Die Auswertung zeigt: Der Medienkonsum ist immer noch deutlich höher als vor der Corona-Pandemie. Den Trend beschreibt das Gesundheitsamt besonders im Zusammenhang mit aktuellen Studienergebnissen als besorgniserregend. Forschende haben herausgefunden, dass ein hoher Medienkonsum häufiger zu sozio-emotionalen Problemen führt. Das bedeutet, dass betroffene Kinder anhaltende Schwierigkeiten haben, eigene Gefühle zu regulieren und soziale Beziehungen altersgerecht zu gestalten. Dies könne sich zum Beispiel durch Aggression, Wut, Angst oder sozialen Rückzug zeigen. Umgekehrt nutzten Kinder mit sozial-emotionalen Entwicklungsstörungen häufiger Bildschirmmedien, um sich von ihren Problemen abzulenken. Dadurch könne ein Teufelskreis entstehen, „bei dem eine Beschränkung der Bildschirmzeit allein nicht ausreicht“.

Welche Bildschirmzeiten sind altersgerecht?

Bis 3 Jahre sollten Kinder bildschirmfrei aufwachsen, da ungestörte Interaktionen mit Bezugspersonen und aktive Erfahrungen für ihre Entwicklung wichtig sind. Für Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren empfiehlt die Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) höchstens 30 Minuten Bildschirmnutzung an einzelnen Tagen, von 6 bis 9 Jahren maximal 30 bis 45 Minuten. Im Einschulungsjahrgang 2025 des Landkreises Tübingen überschritten 40 Prozent der Kinder diese Empfehlung unter der Woche, am Wochenende sogar 65 Prozent der Kinder. Vor der Corona-Pandemie nutzte ein Anteil von 27 Prozent Bildschirmmedien unter der Woche länger als empfohlen (am Wochenende 47 Prozent).

Medien im Familienalltag

„Eltern haben eine Vorbildfunktion“, betont das Gesundheitsamt. Kinder merken, wenn Bezugspersonen abgelenkt sind. Daher sollten sie ihr Smartphone immer wieder bewusst weglegen und sich mit voller Aufmerksamkeit den Kindern widmen. Gemeinsam vereinbarte Regeln (zum Beispiel keine Bildschirmmedien beim Essen oder direkt vor dem Schlafen) sollten für alle Familienmitglieder gelten.

Qualität der Bildschirmzeit ist wichtig

„Nicht nur auf die Zeit, die am Bildschirm verbracht wird, kommt es an, sondern auch auf die Inhalte“, informiert das Gesundheitsamt. Gaming und Social Media haben laut Studien einen stärkeren negativen Effekt auf die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern als gemeinsames Fernsehen. Eine eigene Spielkonsole sollten Kinder nicht vor 9 Jahren besitzen. Als weniger problematisch erachten Experten, wenn Kinder nur gelegentlich Videospiele oder digitale Lernspiele nutzen. Positive Erfahrungen im echten Leben (Treffen mit Freunden oder sportliche Aktivitäten) haben jedoch Vorrang. Zusätzlich zur maximalen Bildschirmzeit ist die Auswahl passender Formate wichtig. Eltern und andere Bezugspersonen sollten sich vorab über die Inhalte und Altersempfehlungen informieren. Dabei ist zu berücksichtigen, dass jedes Kind individuell reagiert und bestimmte Inhalte oder Darstellungen als angsteinflößend oder traumatisierend empfinden kann.

Begleitung durch die Eltern

Insbesondere junge Kinder sollten Medien nicht allein nutzen, empfiehlt das Gesundheitsamt. Wenn Eltern ihre Kinder zum Beispiel beim Fernsehen beobachten, können sie die Reaktionen der Kinder auffangen. Ausreichend gemeinsame Zeit nach der Sendung ist wichtig, um über das Gesehene zu sprechen und Fragen zu klären. Auch ältere Kinder und Jugendliche profitieren von einer Begleitung bei der Mediennutzung. Durch die gemeinsame Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen erfahren Eltern, was ihre Kinder gerade beschäftigt und möglicherweise belastet. So entstehen Gelegenheiten, bei denen sie ihre Kinder unterstützen können, die nötigen Kompetenzen zur Bewältigung zu entwickeln.

Weitere Informationen

Die Untersuchungsergebnisse des Einschulungsjahrgangs 2025 sind in einem Bericht unter www.kreis-tuebingen.de/esu zusammengefasst. Eine Übersicht über empfohlene Medienzeiten nach Alter und Tipps für die Umsetzung im Alltag bietet die Elternversion „Die wichtigsten Empfehlungen für den Umgang mit Smartphone, Computer, Spielkonsole und TV in der Familie“ der AWMF-Leitlinie unter https://register.awmf.org/de/start . Tipps für den Umgang mit Medien gibt auch die Internetseite https://www.schau-hin.info/ . Die Seite https://www.flimmo.de/ zeigt, welche Filme, Serien & Kanäle für Kinder geeignet sind. Unter www.kreis-tuebingen.de finden sich weitere Informationen zur Arbeit des Gesundheitsamts im Landratsamt Tübingen.