Warnstreiks in Tübingen angekündigt: Uniklinik muss Operationen verschieben

Bereits Mitte Mai hatte Verdi zu Streiks an den Unikliniken aufgerufen: Es geht um 7,5 Prozent mehr Gehalt.
Carolin Albers (Archiv)- Verdi ruft für Montag und Dienstag (6. und 7. Juli) zu Warnstreiks an der Uniklinik Tübingen auf.
- Die Klinik verschiebt zahlreiche Operationen und Termine – die Notfallversorgung bleibt gesichert.
- Betroffen sind auch schwere Fälle, etwa eine Leber-Lebendspende und komplexe Eingriffe.
- Hintergrund sind Tarifverhandlungen: Verdi fordert 7,5 Prozent mehr, mindestens 320 Euro monatlich.
- Die Klinik warnt vor Mehrkosten und verweist auf ein prognostiziertes Minus im Jahr 2026.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es sind die Streiktage fünf und sechs der aktuellen Tarifrunde: Für Montag und Dienstag (6. und 7. Juli) ruft die Gewerkschaft Verdi Beschäftigte der Unikliniken wieder zum Streik auf. Für Patientinnen und Patienten kann es an diesen Tagen zu längeren Wartezeiten kommen, kündigt die Uniklinik in einer Pressemitteilung an. Durch den Streik müssten auch etliche Operationen und Termine verschoben werden, informiert die Klinik. „Auch wenn es dabei nicht um Notfälle geht, sind Patientinnen und Patienten mit schweren, teils hochkomplexen Krankheitsbildern betroffen.“ Ein OP-Eingriff bedeute einiges an logistischer Vorbereitung, erklärt Prof. Dr. Jens Maschmann, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums: „Und die Situation kann für Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige ohnehin schon sehr belastend sein.“ Dazu komme die weitere Unsicherheit durch die Absage.
Die Klinik verweist auf die Situation des Patienten Georg Dinca, der aus dem Kreis Offenbach nach Tübingen gekommen ist, um seinen fortgeschrittenen Lebertumor behandeln zu lassen. Nun müsse er noch länger auf seine Operation warten. Es handle sich um einen von Dutzenden OP-Terminen, die verschoben werden mussten, beklagt die Klinik. Darunter sei auch eine geplante Leber-Lebendspende – ein Eingriff, der zwei Menschen gleichzeitig betrifft, monatelang vorbereitet wird und bei dem medizinische Abläufe präzise ineinandergreifen müssen. Auch eine junge Patientin mit einer komplexen urogenitalen Fehlbildung sei betroffen. Ihre gemeinsam mit der Gynäkologie geplante Operation müsse bereits zum zweiten Mal verschoben werden.
Hintergrund des Streiks sind die Tarifverhandlungen für rund 26.000 Beschäftigte der vier Unikliniken. Verdi fordert 7,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 320 Euro zusätzlich pro Monat für die Beschäftigten. Auszubildende sowie Praktikantinnen und Praktikanten sollen monatlich 250 Euro mehr erhalten. Zudem verlangt die Gewerkschaft für Azubis einen Mobilitätszuschuss in Höhe des Deutschlandtickets.
Die Forderung von Verdi belaufe sich für das Uniklinikum Tübingen auf einen Ausgabenzuwachs von 40 Millionen Euro, heißt es in der Mitteilung der Klinik. Das Jahresergebnis für 2026 werde jedoch mit rund minus 10 Millionen Euro prognostiziert, heißt es in der Mitteilung. Und weiter: „Dazu kommen ausbleibende Finanzierungen, die durch die aktuelle Gesetzgebung des GKV-Beitrags-Stabilisierungsgesetzes mit weiteren 20 Mio. EUR das Uniklinikum-Budget schmälern werden.“
Die wirtschaftliche Rezession betreffe längst nicht mehr nur Industrieunternehmen. Sie wirke sich unmittelbar auf die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung und damit auch auf die Budgets der Krankenhäuser aus. „Deshalb geht es in den Tarifverhandlungen nicht nur um die berechtigten Interessen unserer Beschäftigten, sondern auch um die Verantwortung gegenüber allen Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern. Ein Tarifabschluss muss in dieser Situation dauerhaft finanzierbar bleiben“, konstatiert Daniela Harsch, Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums.
Notfallversorgung ist sichergestellt
Die Notfallversorgung stellt die Klinik durch eine Notdienstvereinbarung sicher. Sie regelt die Besetzung aller Bereiche wie Stationen und Ambulanzen, angelehnt an die Wochenend- und Feiertagsbesetzung nach einem bestimmten Schlüssel. Patientinnen und Patienten, deren Termin für eine aufschiebbare Operation oder Behandlung verschoben werden muss, werden direkt von der jeweiligen Einrichtung informiert. Die Akutversorgung in der Universitäts-Frauenklinik ist gesichert; die Betreuung rund um Geburt und Schwangerschaft ist gewährleistet. Bei Fragen erreichen Schwangere und werdende Mütter die Pforte der Frauenklinik unter Telefon 07071 29-82211 und den Kreißsaal unter Telefon 07071 29-83111.
