Warnstreik beim Tübus
: Tübinger Busfahrer streiken am 9. Januar – Notfahrplan eingerichtet

Am Donnerstag, 9. Januar, streiken den ganzen Tag landesweit Angestellte der Busverkehrsbetriebe – auch in Tübingen.
Von
Holger Weyhmüller
Tübingen
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Tübus Tübingen Symbol

Am Donnerstag und Freitag werden kaum Tübusse in der Stadt unterwegs sein. Verdi hat landesweit zum Streik aufgerufen, um den Druck für die anstehenden Tarifverhandlungen zu erhöhen.

Ulrich Metz/Archivfoto
  • Busfahrer in Tübingen streiken am 9. Januar ganztägig.
  • Ab 9 Uhr gilt ein Notfahrplan, Linie 5 fährt im 30-Minuten-Takt.
  • Fahrten auf der Linie 19 finden statt.
  • Zwei Schulschlussfahrten der E1 um 13.22 Uhr.
  • Ab 10. Januar fahren Stadtbusse wieder regulär.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Stillstand im Busverkehr: Verdi ruft landesweit die bei privaten Busunternehmen beschäftigten Fahrer und Mitarbeiter in den Bereichen Verwaltung und Technik auf, die Arbeit am Donnerstag und Freitag, 9. und 10. Januar, niederzulegen. Damit möchte die Gewerkschaft den Druck erhöhen, nachdem die erste Verhandlungsrunde für einen neuen Tarifvertrag Mitte Dezember abgebrochen wurde – der Arbeitgeberverband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) hat kein Angebot unterbreitet. Die nächste Runde beginnt am Mittwoch, 15. Januar.

Morgendlicher Schulverkehr wird noch bedient

Betroffen von diesem Warnstreik ist am Donnerstag auch der öffentliche Nahverkehr in den Kreisen Tübingen und Reutlingen. Der Streik beginnt jeweils um 9 Uhr und endet mit Betriebsschluss, sodass der morgendliche Schulverkehr nicht betroffen sein wird, wie Benjamin Stein vom Verdi-Bezirk Fils-Neckar-Alb auf Nachfrage des TAGBLATTs mitteilt. Wohl aber der am Mittag und Nachmittag. Ausnahme: Nach Schulende fahren zwei Busse von WHO in Richtung Pfrondorf beziehungsweise Tübinger Hauptbahnhof ab. Auch die Linie 5 zu den Tübinger Kliniken verkehre im Halbstundentakt den ganzen Tag über, allerdings lediglich bis zur Berufsgenossenschaftlichen Klinik (BG). Nicht betroffen sei zudem die Linie 19, wie die Stadtwerke Tübingen mitteilen – sie wird vom Regionalverkehr Alb-Bodensee (RAB) bedient. Mit anderen Worten: In beiden Landkreisen kommt der Linienbusverkehr an diesem Tag nach 9 Uhr weitgehend zum Erliegen. Der Reisebusverkehr ist davon nicht betroffen.

Verdi fordert für die Beschäftigten im Nahverkehr 9 Prozent mehr Entgelt, für die Auszubildenden möchte die Gewerkschaft ein Plus von monatlich 100 Euro erreichen. Die Laufzeit des noch auszuhandelnden neuen Tarifvertrags soll nach Vorstellung von Verdi zwölf Monate betragen. Der bisherige trat Anfang Februar 2024 in Kraft und endete mit dem Jahreswechsel und damit auch die Friedenspflicht. Stein schätzt, dass in beiden Landkreisen zusammen 700 bis 800 Beschäftigte in mindestens 20 privaten Busunternehmen betroffen sind. Davon seien rund 90 Prozent Fahrer, der Rest in Verwaltung und Technik tätig.

Standzeiten werden oft nicht bezahlt

Im Durchschnitt verdiene ein Fahrer pro gefahrener Stunde derzeit 20,05 Euro. Je nach Berufserfahrung variiere diese Summe. Im ersten Jahr gebe es 90 Prozent, im zweiten 95, im dritten 100, danach 105. Letzteres entspreche 21,46 Euro pro Stunde. Standzeiten hingegen würden häufig nicht bezahlt, moniert Stein. So gebe es Betriebe, in denen die Fahrer Zehn-Stunden-Schichten zu absolvieren hätten, von denen lediglich acht Stunden bezahlt würden. „Das ist aber bei Tübus und dem Reutlinger Stadtverkehr nicht so“, betont der Verdi-Mitarbeiter. Monatlich garantiert würden den Fahrern 165 ausbezahlte Stunden, sodass der Bruttolohn bei mindestens 3300 Euro liege. Auszubildende wiederum bekämen im ersten Jahr 1000 Euro, im zweiten 1175 und im dritten 1350.
„In anderen Branchen wird leichtere Arbeit besser bezahlt“

Die Branche leide seit Jahren unter einem „eklatanten Fahrermangel“, so Stein. Viele gingen in den Ruhestand, auf der anderen Seite gebe es zu wenig Nachwuchs. Das liege zum einen an der Bezahlung, zum anderen an der Belastung, die der Beruf mit sich bringe: „In anderen Branchen wird leichtere Arbeit besser bezahlt.“ Es sei beispielsweise kein Leichtes, morgens Schulkinder zu fahren oder abends und nachts Partygäste. Mit dem Warnstreik sei überdies eine „wichtige Botschaft“ verknüpft: „Es gibt Berufe, die das öffentliche Leben am Laufen halten, und dazu gehören nicht nur Kliniken und ähnliche Einrichtungen, sondern auch der Nahverkehr.“ Der Beifall und der öffentliche Zuspruch, den es während der Corona-Pandemie gegeben habe, „muss sich jetzt auch mal ausbezahlen“, damit die Beschäftigten der Branche gut von ihrem Lohn leben könnten.
Um auf die Situation aufmerksam zu machen, gibt es am Donnerstag auf dem Tübinger Europaplatz eine Kundgebung (Beginn 10 Uhr), in Reutlingen auf dem Willy-Brandt-Platz (ab 12.30 Uhr).