Vor der Stichwahl in Kusterdingen: Roth und Deichmann im Schnellcheck – acht Fragen an die Kandidaten

Bürgermeisterkandidaten Marc Roth (links) und Jens Deichmann (dritter von links) zu Gast in der Tübinger Redaktion, gemeinsam mit Redaktionsleiter Benjamin Breitmaier und Redakteurin Evi Miller.
Iris Simon- Stichwahl in Kusterdingen am 3. Mai: Deichmann und Roth im Kurzinterview der SÜDWEST PRESSE.
- Erste 100 Tage: Roth will Prozesse und Digitalisierung verbessern, Deichmann plant Strukturgespräche.
- Schule und Betreuung: Deichmann erwägt Container als Übergang, Roth setzt auf tragfähige Lösung vor Ort.
- Digitalisierung: Deichmann prüft KI-Tools des Bundes, Roth fokussiert Akzeptanz und schrittweises Vorgehen.
- Unpopulär: Deichmann will Parkraum über Garagensatzung regeln – Roth denkt über Tempo-Reduktion für sichere Schulwege.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Bürgermeisterkandidaten Jens Deichmann und Marc Roth treten am 3. Mai zur Stichwahl in Kusterdingen gegeneinander an. Fünf Tage vor der Wahl stellen sie sich den Fragen der SÜDWEST PRESSE in der Tübinger Redaktion. Kurze und prägnante Antworten sind gefragt – die Kandidaten haben jeweils nur eine Minute Zeit dafür. Das Interview wird aufgezeichnet und auf den sozialen Kanälen der SÜDWEST PRESSE veröffentlicht.
Benjamin Breitmaier, Teamleiter der Kreisredaktion des Schwäbischen Tagblatts, stellt die Kandidaten vor: Jens Deichmann, 35 Jahre alt, Kriminaloberkommissar, seit 2024 für die CDU im Gemeinderat. Mit 30,6 Prozent sei er nur von einem Kandidaten getoppt worden: Marc Roth, 38 Jahre alt, wohnt mit Partnerin in Tübingen und ist Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes Reutlingen-Tübingen.
SÜDWEST PRESSE: Angenommen, Sie werden zum Bürgermeister gewählt, wie sehen Ihre ersten 100 Tage aus?
Marc Roth: Zunächst steht die Einarbeitung im Vordergrund – ein gutes Betriebsklima ist entscheidend. Ich möchte die Mitarbeiter im Rathaus, aber auch im Bauhof kennenlernen. Mit einem Vorgänger, der 24 Jahre im Amt war, lebt vieles von Gepflogenheiten. Mir geht es darum, Prozesse intern zu verbessern, Digitalisierung voranzutreiben, drängende Probleme anzupacken und Kapazitäten in der Grundschulbetreuung auszubauen.
Jens Deichmann: Die ersten 100 Tage werden spannend. Ich möchte der Verwaltung und dem bisherigen Bürgermeister anbieten, mich schon vorher einzubringen (Anmerkung der Redaktion: Die Amtszeit von Jürgen Soltau endet am 30. Juni). Mein Ziel sind strukturierte Mitarbeitergespräche, damit ich weiß, wie die Verwaltung personell aufgestellt ist. Aktuelle Gemeinderatsbeschlüsse und die Schulen bleiben wichtige Themen.
Herr Deichmann, Sie kommen aus Wankheim. Viele dort kennen Sie. Warum sollten Ihnen auch Menschen in Kusterdingen vertrauen?
Deichmann: Ich differenziere nicht, ob es um Belange aus Wankheim oder Kusterdingen geht. Mein Credo ist: einander stark machen. Die Menschen in Wankheim kennen mich, deswegen ist das Ergebnis dort mit 51,3 Prozent so gut ausgefallen.
Herr Roth: Sie sind in Kusterdingen aufgewachsen, leben seit Jahren in Tübingen. Warum sollten Ihnen die Menschen in den Teilorten zutrauen, ihre Interessen genauso zu vertreten?
Roth: Ich wohne seit 2009 nicht mehr im Ort und habe eine gute Mischung aus Distanz und Verbundenheit zur Gesamtgemeinde. Eine Außenperspektive mit erweitertem Horizont schadet nicht bei einem Bürgermeister, der gleichzeitig Führungs- und Verwaltungserfahrung mitbringt. Ich bin parteilos und möchte die Gesamtgemeinde noch stärker zusammenbringen.
Was würden Sie anders machen als Ihr Vorgänger Jürgen Soltau, der seit 24 Jahren im Amt ist?
Roth: Mir ist eine ehrliche und direkte Kommunikation mit Amtsträgern, Ortsvorstehern, Ortschaftsräten und Gemeinderat wichtig. Kommunikation soll transparent sein und nicht über Einzelfallentscheidungen laufen.
Deichmann: Ich werde turnusmäßige Besprechungen mit allen relevanten Akteuren durchführen, damit wir bei den Themen auf dem gleichen Stand sind. So kann die Verwaltung mitteilen, was im nächsten Quartal ansteht, und umgekehrt. Von diesem Austausch leben wir. Das verbessert die Kommunikation.
Der Neubau der Härtenschule in Mähringen ist beschlossen. Herr Deichmann, Sie möchten das Platzproblem sofort lösen. Ihr Vorschlag: Container als Übergangslösung. Wieviel Geld würden Sie dafür ausgeben?
Deichmann: 50.000 bis 80.000 Euro wären für eine gute Lernatmosphäre drin gewesen, auch wenn das Geld für die Interimslösung letztlich verpufft wäre. Die Zahlen sprechen leider eine andere Sprache. Wir werden schauen, was wir da machen können.
Herr Roth, was würden Sie mit diesem Geld machen?
Roth: In Bezug auf die Härteschule sollte man nicht zu sehr auf das Geld schauen. Mir ist eine gute Lösung vor Ort wichtig, die mittel- und langfristig über die ganze Bauzeit tragfähig ist.
Kusterdingen hat nach langer Zeit ein Ratsinformationssystem, aber sonst noch einige digitale Hausaufgaben zu erledigen. Was gehen Sie zuerst an?
Deichmann: Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist für Fleißarbeiten ein wichtiger Punkt, vor allem wenn wir davon ausgehen müssen, dass künftig weniger Personal zur Verfügung steht. Es gibt vom Bund Plattformen mit KI-Tools. Da müssen wir schauen, was wir nutzen können.
Roth: Ich möchte erst einmal schauen, wie weit wir im Rathaus und in den Schulen sind. Wenn Sie Digitalisierung vorantreiben, müssen Sie für die Akzeptanz bei den Mitarbeitern sorgen. KI ist eine große Chance, aber auch ein Marathon. Ich würde mir genau anschauen, was sinnvoll ist.
SÜDWEST PRESSE: Ihr Mitbewerber Carsten Göhner hat Ihnen beiden vorgeworfen, keine Verwaltungserfahrung zu haben. Was würden Sie ihm antworten?
Roth: Als Geschäftsführer eines Verbands mit über 8000 Mitgliedern habe ich Verwaltungs- und Führungserfahrung. Außerdem war ich drei Jahre Büroleiter im Landtag in Stuttgart, mit engem Bezug zur Kommunalpolitik.
Deichmann: Ich bin kein Verwaltungsbeamter, aber durch meine Ausbildung bei der Polizei, bringe ich Kenntnisse und Erfahrungen aus dem Verwaltungsrecht und dem öffentlichen Dienstrecht mit. Ein weiterer Vorteil: Wir kennen die Menschen und müssen auch mit konfrontativen Situationen umgehen.
Was wird Ihre erste unpopuläre Entscheidung als Bürgermeister sein und wie erklären Sie diese den Bürgerinnen und Bürgern?
Deichmann: Beim Parkraum müssen wir ran, etwa über eine Garagensatzung, damit Fahrzeuge stärker auf privaten Flächen stehen und der öffentliche Raum entlastet wird. Das wird nicht jedem gefallen.
Roth: Wir müssen klären, wie wir gefährliche Stellen für Radfahrer entschärfen können. Das kann auch bedeuten, die Geschwindigkeit zu reduzieren, damit Schulwege sicherer werden. Das muss gut kommuniziert werden.
Zum Abschluss: Warum ist Kusterdingen mit Ihnen besser dran als mit Ihrem Gegenkandidaten?
Deichmann: Ich bringe menschlich einiges mit und habe durch meine Arbeit bei der Kriminalpolizei ein Gespür für Menschen entwickelt. Das ist entscheidend für das Miteinander in der Gemeinde.
Roth: Ich bringe Führungserfahrung als Geschäftsführer und ein politisches Netzwerk mit, das für die Gemeinde hilfreich ist, etwa bei Fördermitteln. Außerdem kenne ich die Gemeinde und ihre Geschichte.

