Verschuldet, politisch und schlau
: Statistisches über Tübingen und Tübinger

Die Tübinger Stadtverwaltung hat Zahlen über die Bevölkerungsstruktur, das Autofahren und die Bautätigkeit gesammelt und sie in einem statistischen Jahresbericht zusammengefasst.
Von
Sabine Lohr
Tübingen

Wo früher Gewerbe war, stehen heute Wohnhäuser (hier die Alte Weberei).

Grohe

In Tübingen leben mehr Schafe als Chinesen und mehr Chinesen als Syrer. Das Stadtgebiet ist 10812 Hektar groß, von denen der Stadt 3268 Hektar und damit rund 30,2 Prozent gehören. Die 84464 Tübinger besitzen 31987 private Autos.

Das sind nur ein paar wenige Angaben aus dem statistischen Jahresbericht 2016, den die Stadtverwaltung jetzt zusammengestellt hat. Zum ersten Mal seit 15 Jahren gibt es ihn wieder in gedruckter Form – er liegt im Rathaus-Foyer aus. Für den Bericht hat die Verwaltung Daten aus der Einwohnermeldedatei, verschiedenen Dienststellen der Verwaltung, dem Landratsamt, der Polizei, dem Statistischen Landesamt, dem TAGBLATT und anderen Quellen zusammengetragen.

Der Bericht zeigt aber nicht nur Zahlen aus dem Jahr 2015, sondern auch Entwicklungen teilweise über Jahrzehnte.

Mehr Platz für Sport

So ist etwa zu sehen, dass die fürs Wohnen bebaute Fläche in den vergangenen zehn Jahren um 41 Hektar auf 823 Hektar gestiegen ist. Die Gewerbeflächen dagegen sind um 3 Hektar auf 159 zurückgegangen. Dafür gibt es nun deutlich mehr Sportflächen: 2004 standen dafür 61 Hektar zur Verfügung, 2015 fast das Dreifache (172 Hektar).

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Die Bevölkerung hat im selbem Zeitraum um 4101 Menschen auf 87464 zugenommen. Davon sind 36 Prozent evangelisch, 24 Prozent katholisch und 40 Prozent gehören einer anderen oder keiner Religionsgemeinschaft an.

Der Anteil der Ausländer in Tübingen betrug im Jahr 2015 6,6 Prozent (11987 Menschen). Davon stammen 8023 Menschen aus Europa – jeweils über 1000 aus Italien, Griechenland und der Türkei. Aus Amerika kommen 812 Tübinger, etwa die Hälfte davon aus den USA. Aus afrikanischen Staaten stammen 609 Tübinger. Und aus Asien kommen 2378 Einwohner – den größten Anteil davon mit 472 Bürgern machen die Chinesen aus. Aus Syrien stammen 433 Einwohner.

Tübingen ist eine junge Stadt – auch das beweist die Statistik. Den größten Bevölkerungsanteil machen mit rund 10000 Bürgern die 25- bis 30-Jährigen aus, gefolgt von 9500 21- bis 25-Jährigen und 4500 18- bis 21-Jährigen. Rund 6500 Tübinger sind älter als 75 Jahre.

VW ist am beliebtesten

Etliche Seiten der Statistik widmen sich dem Auto. So ist zu sehen, dass zwar die Anzahl der Fahrzeuge in Tübingen in den vergangenen 30 Jahren stetig zugenommen hat und jetzt rund 43800 Autos in Tübingen angemeldet sind. Diese Zahl aber stellt die Statistik auch in Relation zur Bevölkerung, die ja ebenfalls gewachsen ist. So ist zu erkennen, dass immer weniger Einwohner ein Auto haben: 2015 kamen auf tausend Bürger 432 Autos, zehn Jahre vorher waren es noch 457 Autos. Übrigens mögen die Tübinger am liebsten graue und silberne Autos und am häufigsten ist die Marke VW vertreten. Die am wenigsten beliebte Marke ist Mitsubishi, von denen im Jahr 2015 nur drei in Tübingen zugelassen wurden. Im ersten Halbjahr 2016 waren es dann aber 13. Eine mögliche Erklärung dafür könnte sein, dass es erst seit Januar 2016 einen Mitsubishi-Händler in Tübingen gibt.

Um beim Autofahren zu bleiben: Die mit Abstand am häufigsten verhängten Bußgelder und Verwarnungen gab es schon immer wegen Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung. Knapp 16000 Tübinger wurden 2015 deswegen zur Kasse gebeten. Dazu kommen noch 1190 Verfahren, weil jemand sein Auto auf einem Privatgrundstück geparkt hatte. Und es wurden 434 Fahrverbote verhängt – fast hundert mehr als im Jahr davor, aber nichts im Vergleich zu 2005, als die Polizei 663 Fahrverbote erteilte.

Angestiegen ist 2015 die Anzahl der Rauschgiftdelikte: 520 Fälle gab es. Im Jahr 2014 waren es 494, ein Jahr davor 334. Es wurde auch mehr geklaut als in den Jahren davor: 2120 Diebstähle wurden 2015 angezeigt, 126 mehr als 2014. Insgesamt wurden 2015 in Tübingen im 5005 Straftaten begangen. Von den Tatverdächtigen waren 35,4 Prozent Ausländer und 33,3 Prozent unter 21 Jahre alt.

Die Statistik liefert unter anderem auch Zahlen zur Feuerwehr, zu den Schulen und der Uni, der Musikschule, zur Kunsthalle (die am besten besuchte Ausstellung: Renoir im Jahr 1996 mit 400000 Besuchern), zu den Bädern, zur Bautätigkeit, zum Müll und zur Landwirtschaft.

Aus einem Städtevergleich geht hervor, dass die Tübinger überdurchschnittlich hoch verschuldet sind, die eifrigsten Wähler haben und mit 66,8 Prozent die höchste Übergangsquote aufs Gymnasium.