Uniklinik Tübingen nominiert: Den Negativpreis bekam eine andere Universität

Ärzte gegen Tierversuche wollen auf Tierquälerei aufmerksam machen. Ob es die bei Versuchstieren wirklich gibt, ist mehr als fraglich.
Friso Gentsch/dpa- Verein Ärzte gegen Tierversuche vergibt „Preis für den absurdesten Tierversuch 2026“.
- Online-Abstimmung vom 13. bis 24. April: 4.090 Stimmen, 54 Prozent für Bochum.
- Bochum erhielt den Negativpreis – Versuch mit Nacktmäusen, Verbrennung am Ohr und Ischämie.
- Die Uni Bochum widerspricht: winzige Wunde, Inhalationsnarkose, fast schmerzfrei, bekanntes Verfahren.
- Uniklinik Tübingen war nominiert zum Thema Alkoholabhängigkeit und wurde Vierte mit 361 Stimmen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der „unrühmliche Sieg“ gehe in diesem Jahr an einen Versuch der Ruhr-Universität Bochum, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins. Bei dem Versuch seien Nacktmäusen Brandwunden am Ohr zugefügt worden und wiederholt die Blutzufuhr im Hinterbein abgeschnürt worden, um den Einfluss auf die Wundheilung zu untersuchen, heißt es in der Pressemitteilung des Vereins.
„Die Begründung verkennt die Bedeutung der Studie“
Die Ruhr-Universität Bochum hatte schon zur Nominierung eine Stellungnahme abgegeben, in der sie sich empört zeigte über die extreme Verkürzung, mit der die Studie diskreditiert werde. Entgegen der Darstellung des Vereins handele es sich bei der erzeugten Verletzung um eine sehr kleine Verbrennungswunde im mikroskopischen Bereich, sprich: mit dem bloßen Auge sei sie kaum erkennbar. „Diese wurde unter Inhalationsnarkose gesetzt und war bewusst so klein gehalten, dass sie wissenschaftlich untersucht werden kann, ohne unnötige Belastungen zu verursachen. Zudem wurde eine drittgradige Verbrennung gesetzt, die auch die Nervenenden zerstört und somit nahezu schmerzfrei ist“, heißt es seitens der Bochumer Uni.
Das sogenannte „Abbinden eines Beines“, das in der Darstellung kritisch hervorgehoben wird, sei ein bekanntes medizinisches Verfahren. „Es heißt remote ischemic conditioning. Dabei wird die Durchblutung einer Gliedmaße für kurze Zeit unter Inhalationsnarkose, also komplett schmerzfrei, verringert. Es ist bekannt, dass es Heilungsprozesse im Körper positiv beeinflussen kann.“ In der bereits 2017 abgeschlossenen Arbeit ging es um Behandlungsmöglichkeiten für schwere Verbrennungen. Untersucht wurde, ob das bewährte medizinische Verfahren „remote ischemic conditioning“ den Heilungsprozess von Brandwunden unterstützt. „Die Begründung verkennt die Bedeutung und Aussagekraft der Studie“, heißt es von der Uni unmittelbar nach Bekanntgabe des Ergebnisses der Online-Abstimmung.
Die Online-Abstimmung lief vom 13. bis zum 24. April. Von den 4.090 abgegebenen Stimmen entfielen 54 Prozent auf den Versuch aus Bochum. Nominiert für den Negativpreis war auch eine Studie, die an der Uniklinik Tübingen durchgeführt wurde und sich mit Alkoholabhängigkeit befasste – einer schweren Erkrankung mit erheblichen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen. Den Tierversuch in der Studie als „absurd“ zu bezeichnen, konnte die Tübinger Uniklinik nicht nachvollziehen. Mit 361 Stimmen landete der Versuch an der Uniklinik Tübingen auf dem vierten Platz.


Ärzte gegen Tierversuche:
Werden in Tübingen ohne Sinn und Zweck Tiere gequält?
Der Verein Ärzte gegen Tierversuche bezeichnet eine Tübinger Studie als „absurd“ – und fügt damit der gesellschaftlichen Debatte über Tierversuche erheblichen Schaden zu.