Umfrage der Stadtverwaltung: Wie sicher fühlen sich die Menschen in Tübingen?

Der Busbahnhof in Tübingen am Europaplatz bei Nacht.
Jonas Bleeser- Tübingen befragt 1500 Bürger zu ihrem Sicherheitsgefühl und Kameraüberwachung am Busbahnhof.
- Umfrageergebnisse sollen kommunale Entscheidungen beeinflussen.
- Datenschutzbedenken führten zur Verschiebung der Entscheidung.
- Kosten für Kameras: 25.000 Euro einmalig, 10.000-12.000 Euro jährlich.
- Umfrageergebnisse aus 2018 wurden kritisiert, dennoch gleiche Fragen für Vergleichbarkeit.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Tübinger Verwaltung will bis zum 31. März ein Stimmungsbild erheben: Wie sicher fühlen sich die Einwohner in ihrer Stadt? Oder wie unsicher? Das Ergebnis soll „in das künftige kommunale Handeln einfließen“ – und damit in die Entscheidung, ob am Europaplatz dann Kameras jeden filmen, der sich dort aufhält.
Die Überwachung des öffentlichen Raums am Busbahnhof möchte Oberbürgermeister Boris Palmer gerne dieses Jahr umsetzen. Die Verwaltung verspricht sich so eine Verbesserung des Sicherheitsgefühls der Bürgerinnen und Bürger, von denen sich viele dort unwohl fühlten. Ursprünglich sollte das Thema bereits im Februar im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats behandelt werden. Datenschutzrechtlich sieht die Verwaltung keine Probleme. Doch nachdem das TAGBLATT beim Landesdatenschutzbeauftragten nach dessen Einschätzung fragte und ein Sprecher Bedenken anmeldete, wurde der Tagesordnungspunkt abgesetzt.
Die Verwaltung rechnet mit einmaligen Kosten von 25.000 Euro, dazu kämen etwa 10.000 bis 12.000 Euro pro Jahr. Die Aufnahmen würden nach Straftaten als Beweis bereitstehen und nicht live zur Polizei übertragen.
Zu der Umfrage werden 1500 zufällig ausgewählte Tübingerinnen und Tübinger ab 16 Jahren eingeladen, die sie dann online ausfüllen können. Gestellt werden dieselben Fragen wie bereits bei einer Umfrage vor sieben Jahren. „Wie sicher fühlen Sie sich in Tübingen, wenn Sie bei Dunkelheit in der Stadt unterwegs sind? Hat sich Ihr Sicherheitsgefühl in den letzten Jahren verändert? Glauben Sie, dass sich das Sicherheitsgefühl anderer Menschen in Tübingen verändert hat?“ Das sollen die Befragten auf einer Skala von 1 bis 7 bewerten. Und die Verwaltung will wissen, was das Sicherheitsgefühl beeinflusst hat und wie es verbessert werden könnte. „Ich bitte alle Tübingerinnen und Tübinger, die unser Anschreiben erhalten, an der Befragung teilzunehmen. Nur wenn möglichst viele mitmachen, ist das Ergebnis aussagekräftig“, sagt Palmer.
Die Befragung 2018 war auf Kritik gestoßen, auch aus den Reihen der Grünen, denen Palmer damals noch angehörte. Die Kriminologin Prof. Rita Haverkamp hatte die Umfrage wissenschaftlich begleitet, aber auch Kritik an der Fragestellung geäußert: Es sei eben nicht gezielt nach Furcht vor Kriminalität gefragt worden. Die Stadt stellt nun trotzdem dieselben Fragen, um eine Vergleichbarkeit zu haben. Kriminologen zu beteiligen hält die Verwaltung für unnötig, „da ohnehin offenkundig ist, dass das allgemeine Sicherheitsgefühl erheblich beeinträchtigt ist“.


